Beamtin aus Peking besucht die Bären 
Für mich und Toby, den Leiter unserer chinesischen Rettungsstation 8der auch der Verhandlungsführer mit der Regierung ist), war dies ein arbeitsreiches Wochenende. Wir flogen nach Peking zu einem dringenden Meeting mit der China Wildlife Conservation Association (CWCA). Das ist eine Abteilung der staatlichen Forstverwaltung und unseres Ansprechpartners in der Zentralregierung.

Toby hat 30 Fotos ausgedruckt, die die Schrecken der letzten Woche dokumentieren. Ja, unser wichtigstes Ziel war es, zu schockieren. Die breite Verteilung dieser Bilder ist die Möglichkeit, diese schrecklichen Grausamkeiten zu beenden. Auch ins Zentrum der Politik – nach Peking.

Frau Yang Baijin – die neue Generalsekretärin des CWCA – zeigte sich erschüttert, aber kontrolliert. Sie hörte sich unsere zweistündige Schilderung des wahrhaft beschämenden Zustandes der Bären an, die zuletzt zu uns gekommen sind. Aber auch wie die Farmer immer wieder betrügen. Das hat sie offensichtlich überzeugt. Frau Yang willigte ein, Ende dieser Woche unsere Rettungsstation zu besuchen, um sich selbst ein Bild von dem schrecklichen Zustand der überlebenden Bären zu machen.

Ein kleiner, aber bedeutender Schritt. Dann dadurch können wir das Entsetzen, dass alle Leser dieses Blogs empfunden haben, aber auch die Schande, die die Bärenfarmen wieder über dieses schöne Land gebracht haben, an sie weitergeben.

Heute Morgen blieb ich noch ein paar Stunden länger in Peking, um an einem Brunch mit Olivia Newton-John teilzunehmen, die uns schon jahrelang unterstützt. Sie hat den Krebs überlebt und ihre Schönheit zeigt sich nicht nur in ihrem Gesicht, sondern auch in ihrem Herzen. Jetzt marschiert sie für 21 Tage entlang der Großen Mauer in China, um Geld für ein sehr spezielles Krebshospiz in Melbourne in Australien zu sammeln. Während des Brunches konnten wir mehrmals miteinander sprechen. Als sie von unseren neuesten Fällen von Leberkrebs hörte, sagte sie leise… „Wir müssen mehr tun“.

Doch jetzt hat sie sich entschlossen, erst einmal für die an Krebs leidenden Menschen zu laufen. Wir wünschen ihr von ganzem Herzen die Kraft und den Erfolg, damit sie die so verzweifelt benötigte Aufmerksamkeit und das nötige Geld findet. Bitte unterstützen Sie Olivia dabei und klicken Sie hier .

Jetzt sitze ich am Flughafen in Peking und warte auf meinen Flug nach Vietnam. Ich freue mich schon auf die Eröffnungsfeier unserer neuen Quarantänestation und das Krankenhaus, für die Bären in unserer Rettungsstation im Tam Dao Tal, 70 km nördlich von Hanoi. Nachdem Bärenfarmen in Vietnam nun offiziell als ungesetzlich erklärt wurden, hoffen wir, dass China diesem Vorbild bald folgen wird.

Tuan ist unser Vietnam Direktor. Er und unser Team dort haben so hart gearbeitet, damit alles rechtzeitig fertig wird. Schon in ein paar Wochen erwarten wir rund 80 Bären aus den umliegenden Farmen. Doch in Wahrheit ist es hart, zu feiern und täglich an die Bären in Chengdu denken zu müssen. Daran, wie viele wohl noch in der kommenden Woche sterben müssen. Morgen, spät abends, werde ich wieder bei unseren Leuten sein, die in der letzten Woche soviel Kummer und Leid aushalten mussten, dass es für ein ganzes Leben reicht.

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Wenn alle Hoffnung verloren scheint… 
Die Gesundheitschecks gehen weiter und unsere Angst wächst, dass wir uns von noch mehr Bären verabschieden müssen, die Montagnacht zu uns gekommen sind. Unsere Gefühle kann man schwer in Worte fassen. Doch vielleicht muss ich das auch nicht. Ich bin sicher, Sie versteht es.
Doch etwas lässt uns trotzdem, zumindest kurz, lächeln – unsere liebenswerten Bewohner, wie sie eifrig in ihren Gehegen spielen. Sie erinnern uns jeden Tag daran, nicht aufzugeben.
Als Mafi zuerst zu uns kam, war sie ein einziges furchtsames Bündel. Stereotypisch schaukelte sie in ihrem Käfig vor und zurück. Den Tierärzten blieb nur noch übrig, ihr Früchte mit einem Beruhigungsmittel darin zu geben, damit sich ihr armer gequälter Geist etwas erholen konnte.
Heute ist diese prächtige Bärin einer der Clowns hier in der Rettungsstation. Sie lässt keine Gelegenheit für einen Schabernack aus. Besonders, wenn sie dabei Publikum hat! Ihr beliebtester Zeitvertreib ist „ihre“ Schaukel, wo sie das Gefühl der Freiheit einsaugen kann, das ihr so lange vorenthalten wurde.
Mafi bedeutet „Vergebung“ in Hindi. Sie hat nicht zugelassen, dass die dunklen Wolken der Vergangenheit ihr jetzt den Sonnenschein rauben.



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Frühlingsblumen und schwere Herzen 
Heute haben wir drei weitere Bären begraben – Qiang Sheng (Starkes Leben), Le Le (Happy) und Chengdu Truth (Wahrheit).

Alle starben an Leberkrebs. Und alle trafen Menschen, die sie liebten – wenn auch nur für ein paar Tage - und deren Trauer man nicht in Worte fassen kann. In den ganzen acht Jahren hier haben wir noch nie von drei Bären zugleich Abschied genommen. In dieser Woche war es bereits das zweite Mal. In Reih und Glied, wie Soldaten nach der verlorenen Schlacht, steht es jetzt 7 zu 0 für die Farmer. Wir sind ziemlich sicher, dass die Zahl der toten bären noch steigen wird, je weiter wir mit den Gesundheitschecks kommen.

In China ist heute der Tag, an dem die Gräber geputzt werden – wo die Verstorbenen geehrt werden. Kurz vor Beginn der Zeremonie erschienen unsere chinesischen Mitarbeiter hier im Garten des Friedens mit herrlichen gelben Rapssträußen, die sie auf jedes Grab eines Bären, eines Hundes oder Katze legten, die wir über die Jahre geliebt und verloren haben.



Einige Mitarbeiter hatten Girlanden um den Kopf gebunden und erinnerten uns an freundliche kleine Elfen, die sorgfältig darauf achteten, dass jedes Grab liebevoll mit Frühlingsblumen geschmückt wurde. Außergewöhnlich – mir fehlen die Worte um den Stolz auf diese Menschen zu beschreiben, die schon seit einer Woche harte, lange und erschöpfende Stunden gearbeitet haben, und jetzt Bären beweinen und betrauern, die sie kaum gekannt haben.

Auf dem Rückweg kamen wir nochmals an Jaspers Zuhause vorbei. Er saß da vorne an seiner grasbedeckten Einfriedung und beobachtete uns so, als verstünde er unsere Verzweiflung. Sein Anblick und der seiner pummeligen Freunde, wie sie nach Herzenslust spielen oder schlafen, steht in völligem Kontrast zu den Bären, die wir gerade begraben haben. Aber das gibt uns Hoffnung und Kraft… und einen Grund, weshalb wir hier sind.

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Dringend benötigte Jasper-Therapie  
Der Donnerstag begann mit einer weiteren Autopsie eines Bären, von dem wir so gehofft haben, dass er überleben würde. Frau Xiong von der Sichuan Forstverwaltung gab ihm den Namen Quiang Sheng - Starkes Leben (auf dem Bild ist Frau Xiong bei seinem ersten Gesundheitscheck zu sehen). Doch dieser glückverheißende Name reichte nicht für sein Überleben.



Zuerst zogen wir aus einem Abszess, groß wie ein Fußball, mehr als zwei Liter Eiter ab. Dann zeigte das Ultraschallgerät, dass auch er ein Opfer des Leberkrebses geworden war.

Nach drei Tagen ununterbrochener Gesundheitschecks, Autopsien und Begräbnissen war nun eine Pause notwendig geworden. Es wurde Zeit für eine lang erwartete Verabredung mit dem Bären, von dem ich wusste, dass er mich trösten würde. Jasper ließ mich nicht im Stich. Ich stand mit Tamara und Juanita aus unserem Büro in Hongkong auf der Aussichtsplattform, von der aus man seine Wohnhöhle sehen kann. Jasper schaute herauf um sicher zu sein, dass man ihn bewunderte und lief wie zufällig, aber doch sehr zielstrebig, hinüber zu Beau (rechts im Bild), die friedlich am Pool schlief und, ohne zu zögern, …biss er in ihr Hinterteil!

Bisher hatte Jasper immer nur gespielt. Er war der Friedensstifter hier in der Rettungsstation. Aber diesmal ging er etwas zu weit. Roh aus ihren Träumen geweckt, wirbelte Beau herum und knurrte dieses Tier an, das ihr den friedlichen Schlaf geraubt hatte. Doch Jasper schaute zu uns mit einem wundervollen Ausdruck von Überraschung in seinem Gesicht an, gerade so, als wollte er sagen: „Was habe ich denn getan?!“. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich schwören können, dass er lachte … so wie wir.



Obwohl sich ein paar Stunden später niemand danach fühlte, hatten wir doch so etwas wie eine Party. Am Ende des Abends trafen sich über 100 Mitarbeiter und wir versuchten etwas zu lachen und die Bären zu feiern, die gerade jetzt in ihren großen und gemütlichen Erholungskäfigen auf Stroh schliefen. Als Howard, der unser Bärenteam leitet und der schon vom ersten Tag, seit Oktober 2000 hier bei uns ist sagte: „Ich fühle mich an die Bären gebunden. Es ist mir eine Ehre, ihnen zu helfen. Ich kann sie nie verlassen“, sprach er für uns alle. Mich erfüllte das mit unbändigem Stolz.

Ein paar Stunden später und wir sind wieder bereit, mit den Gesundheitschecks fortzufahren. Ganz im Sinn der Inschrift auf dem Grabstein für unseren ersten Bären, den majestätischen Andrew, der vor zwei Jahren an Leberkrebs starb: „Wir sind nicht schwächer ohne Dich, sondern stärker wegen Dir“… und das sind wir.

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Die Wahrheit über Bärenfarmen 
Stunden später war der Gesundheitscheck von Lotus, den wir auf Chinesisch auch „Chengdu Wahrheit“ nennen. Es gibt keine Worte, die auch nur annähernd unseren kochenden Zorn beim Anblick dieses Skeletts in seinem Käfig beschreiben können. Dieser Bär war sogar zu schwach, um den Kopf heben zu können.

Viele, die das hier lesen, werden sich an einen anderen Bären erinnern, den ich vor Jahren auf einer Farm in Yunnan auch „Truth“ (Wahrheit) genannt habe. Diesen konnten wir damals nicht retten aber ich schwor, dass ihr Tod nicht vergebens sein würde. Hier in Chengdu hatten wir nun unsere eigene Wahrheit. In noch schlimmerem Zustand wie sein Namensvetter.



Die Schulter war voller Abszesse und zeigte die ganze Brutalität der gefühllosen Injektionsversuche der Schlächter auf die Farmen. Dieser arme Bär war offensichtlich so krank gewesen, dass die so genannten „Ärzte“ entschieden, ungeeignete Antibiotika in seine Muskeln zu spritzen. Natürlich mit unsterilen Nadeln. Das hat schließlich zu diesen schmerzhaften, offenen Wunden voller Eiter geführt.

Er wurde betäubt und das Ultraschallbild ließ aufs Neue unsere Herzen sinken. Minuten später auf dem OP-Tisch sahen wir eine Leber, von der aus der Krebs sich bereits in seinem armen, ausgemergelten Körper ausgebreitet hatte.



Nach ihrem Tod lag die Wahrheit hier; Winzig und verletzlich. Mit nackten Vorderpfoten, Tatzen die seltsam menschlich wirkten und eingefallenen Augen ohne Hoffnung.

Stunden zuvor folgten diese Augen argwöhnisch allen unseren Bewegungen als wir ihm Wasser anboten, das er ab und zu trank, Früchte, die er ignorierte und tröstliche Worte, die auf taube Ohren stießen.

Voll Scham mussten wir uns von diesem Tier abwenden. Wir wussten, dass unsere Entschuldigungen und unser Mitleid einem Bären nichts bedeuteten, der bei seiner Geburt so voll Hoffnung war und dann so völlig von einer Spezies im Stich gelassen wurde, die ihm zeigte, dass er ihr gleichgültig war. Dass er mit diesen Gedanken im Herzen sterben musste, ist fast nicht zu ertragen.


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