Miracle muss als erste unters Messer 
Donnerstag, 10:00 Uhr Morgens. Jen hat gerade den ersten Schnitt in Miracles Baubereich gesetzt. Genau in diesem Moment flackert das Licht und ein paar der Geräte fallen aus. Die Augen unserer Tierärzte werden ganz groß über den Gesichtsmasken. Wenn man einen schlafenden Bären auf dem OP-Tisch hat, ist das kein guter Moment für einen Stromausfall.



Doch zu unserem Glück – und auch zu Miracles – schaltet sich der Notstromgenerator ein (ich danke Gott, dass wir einen haben) und die Lage beruhigt sich wieder. Das sind ein paar der Herausforderungen, wenn man in Vietnam arbeitet. Ich bin für ein paar Tage hier, da einige der geretteten Bären operativ untersucht werden müssen, um die Auswirkungen der lebenslangen Extraktion des Gallensafts beurteilen zu können. Immer wieder bin ich begeistert, wenn ich unser unglaubliches Team aus Tierärzten, Krankenschwestern und den Bärenpflegern bei der Arbeit sehe.

Heute ist die erste größere Operation eines Bären in unserer neuen Rettungsstation in Vietnam – und wie immer hat dieses Team an alles gedacht.



Gerade erst vor einer Stunde waren alle mit einem schön schlafenden Bären beschäftigt. Die Schwestern Cands und Fiona rasieren ihr den Bauch und saugen die Haare vom Tisch, vom Boden und rund um den Körper ab (tatsächlich!), sie schneiden die Krallen, nehmen Blut ab und schließen sie an die Überwachungsgeräte an, die unter anderem das Herz, die Atmung und die Körpertemperatur während der Operation überwachen. Vier gestrickte Pfotenwärmer zieren ihre molligen Pfoten (auch von hier nochmals ein großes Dankeschön an den, der dies hier liest und selbst die Nadeln tanzen lies!). Dabei mussten wir die traurigen Folgen, des Einfangens in freier Wildbahn für diese arme Bärin sehen, mit ihrer von der Schlinge verursachten Wunde rund um ihre linke Vorderpfote und den beiden fehlenden Zehen.



Und wir wissen auch, dass Miracle sich ihren Namen verdient hat. Ein Opfer der Gallenfarm – vielleicht für viele Jahre – bis das Unternehmen geschlossen wurde und der Farmer auf die Idee kam, sie zu mästen und ihr Fleisch auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Gerade noch rechtzeitig wurde sie gerettet. Sie kam vor ein paar Wochen zu uns mit einem enormen Gewicht von 170 kg; ein großer Unterschied zu den 150 kg jetzt – obwohl man sagen muss, dass ihr Hinterteil noch immer etwas groß ist!

Zwei Stunden später können wir bereits die Auswirkungen der Behandlung auf der Farm erkennen. Die jahrelangen Stiche in die Gallenblase mit unsterilen Spritzen haben dieses Organ jetzt unglaublich mit der Leber verklebt, was von Jen und seinem Team geduldige Feinarbeit erfordert. Unsere leitende Tierärztin Heather ist auch aus China hierher gekommen, um zu helfen. Zusammen versuchen die beiden nicht an die schmerzenden Rücken und Beine zu denken, als sich die Operation stundenlang in den Nachmittag hinzieht.


Jetzt ist es 5:00 Uhr am Nachmittag und alles ist wieder sicher vernäht. Miracle erhält ein Aufwachmittel und kommt langsam wieder zu sich. Jen und das Team haben sich ihren Kaffee wohl verdient und können stolz darauf sein, dass Dank ihrer Leistung unsere erste Bärin hier auf dem OP-Tisch alles gut überstanden hat – ohne zu wissen, was sie gerade selbst zu unserer Arbeit beigetragen hat: Weder in China noch in Vietnam gibt es eine akzeptable, humane Methode zur Entnahme des Gallensafts eines Bären – daher: Bärenfarmen MÜSSEN geschlossen werden!

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Tremor geht es gut! 
Im Zusammenhang mit dem Erdbeben in Chengdu gibt es einige außergewöhnliche Geschichten über Menschen, die aus eingestürzten Gebäuden klettern oder noch nach Tagen aus dem Schutt gerettet werden konnten, manchmal sogar noch nach einer Woche, und zum Glück noch am Leben waren.

Hier bei uns in Chengdu gibt es drei Hunde, die sehr viel Glück hatten, und inzwischen ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte erzählen können. Der erste hatte das Glück, auf eine Tierschutzgruppe zu treffen, die Überlebenden im bergigen Anxian geholfen hatte und sich gerade auf dem Rückweg befand - von den zerstörten Dörfern auf dem Berg über mehrere Stunden zurück ins Tal.

Wir fanden eine Art Ersatzleine für ihn und nahmen ihn mit uns den Berg hinunter zu unserem Bus, um ihn mit nach Hause zu nehmen und mussten schmunzeln, wie schnell er sich seiner neuen Familie anschloss, geradeso, als wäre er schon seit Jahren bei uns.

Eines Tages, wenn die Zeit reif ist, werden wir den Medien in dieser Region eine Geschichte darüber anbieten, wo wir ihn gefunden haben und versuchen herauszufinden, ob dieser Hund, den wir inzwischen „Tremor“ (Beben) genannt haben, eine Familie hat, die ihn zurücknehmen möchte.



Inzwischen genießt dieser kleine Kerl das Leben auf der Rettungsstation. Er „verteilt“ sich gerecht auf seine Krankenschwester Caroline Nelson und mich, in dem er abwechselnd in unseren Räumen schläft.



Caroline sorgt ausgezeichnet für Tremor. Wenn ich weg muss, füttert (und verwöhnt) sie ihn. Inzwischen beschwert sie sich ein bisschen, dass sie mit Keksen besteche, um ihn zu mir zu nehmen, wenn ich ein paar Tage da bin.



Wer einen weiteren Blick auf Tremor werfen möchte (und auf Hayley, eine unserer Krankenschwestern, die ihn auf dem Berg gefüttert hat) – es gibt eine sehr nette Geschichte über die Animals Asias Rettung der Hunde aus diesem Erdbebengebiet. Zootoo.com ist in New Jersey, USA, angesiedelt, und strahlt diesen Filmbeitrag aus, der auch von Christie Yang handelt, unsere für China verantwortliche PR-Managerin, die darin über unsere Arbeit berichtet.

http://www.zootoo.com/zootootv/v/petpulse742chinaquake2

Viel Spaß bei dem Film, der Ihnen hoffentlich gefällt, und bis bald, wenn ich Ihnen mehr über einen anderen, sehr glücklichen Hund berichten werde – den großartigen „Richter“.



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Zwei neue Freudenbündelchen in Vietnam 
In Vietnam geht es frustrierend langsam voran. Achtzig Bären, die derzeit illegal auf Farmen in der Ha Long Bucht gehalten werden und die ursprünglich uns zugesagt waren, stecken jetzt mitten in einem komplizierten Geflecht aus Verzögerungen und regierungsseitigen Einwänden.

All das hat seine Ursache in einer Entscheidung der Zentralregierung, die kürzlich den Artenschutz dezentralisiert hat und die Verantwortung, Verstöße dagegen zu verfolgen, den Provinzen übertragen hat.

Diese handeln nun gegen die eigenen Staatsgesetze und deshalb ist Animals Asia auch entschlossen, Gerechtigkeit für diese achtzig Bären und die vielen anderen, illegal auf Farmen im ganzen Land gehaltenen zu verlangen. In diesem Kampf haben wir mächtige Verbündete wie Mitglieder der Nationalversammlung, die Medien, andere Gruppen außerhalb der Regierung, Umweltverbände und Rechtsanwälte.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. Dank des unermüdlichen Einsatzes von Tuan Bendixsen, unseres Direktors in Vietnam, haben wir offensichtlich einen Durchbruch erreicht, so dass die Regierung jetzt wieder an den Verhandlungstisch kommt und mit uns neue Optionen diskutiert. Tuan und ich werden uns in Kürze mit den Verantwortlichen dort treffen. Zwar wird es wohl einige Wochen dauern doch wir geben diese 80 gefangenen Bären nicht auf und wir sind nach wie vor guter Dinge, dass wir sie doch noch in unserem Rettungszentrum in Tam Dao wieder sehen werden.

Inzwischen besteht unsere Familie am Rand des wunderbaren Tam Dao Nationalparks aus 13 Bären, denen es allen sehr gut geht.

Die Welpen Mara, Mausi und Olly haben ihre zwei Kilogramm vom vergangenen Jahr inzwischen auf über 50 kg ausgebaut! Sie sind immer noch hinreißend und sehen heute wie „Mini Mondbären“ aus. Sie sind von blühender Gesundheit und Charakter. Doch es muss gesagt werden, dass sie fest davon überzeugt sind, das Sagen zu haben - sie halten sich für die Chefs der Rettungsstation – oder sogar von ganz Vietnam. Auf jeden Fall haben sie unsere gesamte Mannschaft hier um die Tatzen gewickelt! Mischa, eine weiterer Welpe, kam später zu dem Trio hinzu. Alle verstehen sich gut und sind heute eine richtige kleine Bande.

Noch mehr gute Neuigkeiten – noch zwei kleine Welpen, Snippy und Goblin, sind angekommen. Sie wiegen 5,8 beziehungsweise 6,5 kg.

Hier sind Snippy und Goblin, wie sie frische Blätter genießen:





Hier ist Snippy mit seinem Lieblingsspielzeug:



Und Goblin, sehnen Sie nur, wie er schaut!



Und nochmals Snippy:



Sobald sie sich noch etwas von ihren schrecklichen Erlebnissen - ihrem Einfang in der Wildnis und den Schrecken des Lebens auf der Farm – erholt haben, werden wir sie gründlich untersuchen.

Auch die erwachsenen Tiere, Marmite, Miracle, Marvin, Lexi und Little Jane gewöhnen sich gut ein. Miracle hat sich ihren Namen zu Recht verdient – sie ist knapp dem Schlachthaus entkommen, nachdem ihre Bärenfarm geschlossen worden war und ihr Farmer sie gemästet hat, um sie als Fleisch zu verkaufen. Sie ist einfach süß und noch immer recht mollig. Daher bleibt sie auch in nächster Zeit auf Diät, damit sich ihr Gewicht langsam wieder normalisiert.

Jetzt sind diese Bären sicher und zufrieden und haben ein ganz anderes Leben vor sich, als es ihnen ursprünglich bestimmt war. Glücklich, gut genährt und in abwechslungsreicher Umgebung können sie jetzt jeden Tag ohne Furcht im Herzen aufwachen.



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Die Roadshow in England 
Ein verdientes Kompliment für unser hervorragendes Team in England, das sich jedes Lob verdient hat! Unsere Roadshow brachte Spaß, Spenden und war von Anfang bis Ende voller Energie und Emotionen, die wir um Nichts hätten missen wollen. Es tat so gut, alte Freunde und Unterstützer wieder zu treffen und neue Mitstreiter für unsere Programme zu gewinnen, die wir persönlich vielen Zuhörern im ganzen Land vorstellen konnten.

Meine langjährige Freundin und Mentorin, Virginia McKenna, die Gründerin der Born Free Foundation, hat das bei der letzten Veranstaltung in London zusammengefasst - Berge wurden versetzt, und das nur durch die Hilfe und Leidenschaft von Menschen wie Sie, die Sie diese Nachricht hier lesen. Die ersten Schritte zur Ersteigung eines schier unüberwindlichen Bergs sind gemacht.

Jetzt bin ich wieder zurück in Chengdu bei den Bären. Zwölf Veranstaltungen in etwas mehr als zwei Wochen zusammen mit Dave, Nicky, Gill, Lara und Fiona, die rund um die Uhr gearbeitet haben um das alles erfolgreich zu organisieren. Die wunderbaren Auktionen, wo uns einige Gebote fast sprachlos gemacht haben und wir schon glaubten, dass der Hammer nie mehr fallen würde. Bekannte Gesichter bei vielen Veranstaltungen und das beste vegetarische und veganische Essen in den chinesischen Restaurants, wo fast alle Veranstaltungen stattfanden.

Christie Yang, unsere Leiterin für die Beziehungen in China und ich verließen England letzte Woche müde, aber sehr glücklich und wir freuen uns schon auf die nächste Roadshow dort!

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Ruhe sanft, tapferer Bossham 
Es tut mir so leid, Ihnen zu sagen, dass Bossham gestorben ist. Er war einer der 28 Mondbären vom 31. März. Damit sind bereits13 Bären aus dieser Gruppe Opfer der Leiden geworden, die sie auf den Farmen erdulden mussten. Bossham war ein tapferer und schöner Bär. Trotz seiner Behinderungen war er ein prächtiges Tier und wurde von uns allen sehr geliebt.



Bei seinem Ende war Dr. Kati Loeffler, unsere Tierärztin, bei ihm. Hier ist ihre Schilderung seiner letzten Lebenswochen:

„Bossham wurde am 31. März in die AAF Familie aufgenommen. Er war Teil einer Gruppe von Bären mit dem schlechtesten Gesundheitszustand, die jemals von Animals Asia aus Gallenfarmen gerettet worden war. Er war sehr groß, schön und freundlich und ertrug still sein Leiden in einem Käfig, in den man ihn hineingestopft hatte, wie Kleider in einen Koffer.

Als wir ihn daraus befreiten und er in seinem neuen großzügigen Quartier wieder aufwachte, wurde schnell klar, dass etwas mit seinen Hinterbeinen nicht in Ordnung war. Er konnte sie nicht benutzen. Zunächst schien es, als könnte er sie überhaupt nicht bewegen. Doch durch die Ermunterung, Unterstützung und unermüdliche tiermedizinische Versorgung der Mitarbeiter im Mondbären-Rettungszentrum konnte er seine Beine langsam wieder bewegen und sich schließlich selbständig auf den Bauch rollen und aufsetzen.

In den letzten paar Wochen konnte er sogar für kurze Zeit stehen. Er liebte sein Futter und sprach ihm so gut zu, als ob jede Mahlzeit seine letzte sei. Die Arbeit mit diesen Bären, wenn sie langsam wieder Zutrauen fassen und ihre Angst vor Hunger und Schmerz, die sie ihr ganzes früheres Leben verfolgt hat, verlernen, ist meine größte Freude. Wir waren so glücklich, Bosshams wachsendes Vertrauen zu sehen.

Doch vor zehn Tagen hatte er plötzlich einen Krampfanfall. Er erhielt sofort tiermedizinischen Hilfe, auf der auch gut ansprach, und schon am nächsten Tag war er scheinbar wieder völlig in Ordnung und weiter auf dem Weg der Genesung. Doch am Morgen des 30. Juni fanden wir ihn tot vor.

Die Todesursache war ein massiv überdehnter Magen, der praktisch bis zum Platzen gespannt war und den Kreislauf überlastete. Die genaue Ursache und ob eine Verbindung zu dem Krampfanfall besteht, ist schwer zu sagen. Doch Bossham war bereits der dritte Bär aus der Gruppe vom 31. März mit einem solchen Befund. Der erste starb noch auf dem OP-Tisch, der zweite, Poodley/Haribo, konnte gerettet werden.

Bislang war nur einer von fast 200 Bären vergleichbar aufgedunsen. Man muss sich fragen, ob das mit irgendeiner Sache auf dieser speziellen Farm zu tun hat, von der diese Bären gekommen sind. Zum Beispiel vom Futter oder einem Gift. Von etwas, das die normalen Verdauungsfunktionen stört und sie zu einem so schmerzvollen Tod verdammte.“

Ruhe sanft, Bossham.



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