Aus Liebe zu den Bären, die es geschafft haben 
Jeder weiß inzwischen, dass es bei mir keine Lieblinge gibt. Fast. Was kann man da schon dagegen tun? Es gibt ein paar Bären, die es gegen alle Voraussagen geschafft haben; vielleicht sind sie nicht gerade die schönsten hier, doch bei ihnen macht es einfach Klick und man ist verloren.

Als ich den Erholungsbereich entlang ging, um unsere neuen Bewohner dort zu begrüßen, die kürzlich aus ihren Käfigen in ihre neuen Behausungen freigelassen wurden, war ich nicht ganz sicher, wer welcher Bär war. Doch eines war sicher – ein kleiner gedrungener Bär namens Haribo (ehemals Poodley) schien zu erraten, dass die Besucherin, die hier auf ihn zukam, eine Leckerei in ihrer Tasche haben würde und stellte sich in Pose.



Noch ehe ich ihn sah, hörte ich ihn bereits. Diese wohl bekannten Schmatzlaute, um meine Aufmerksamkeit zu erregen und eifrig um etwas Süßes zu betteln. Haribo habe ich vom ersten Tag an ins Herz geschlossen und heute Morgen war das ganz genau so.



Jahre - ja womöglich Jahrzehnte - in einem Presskäfig konnten den Willen dieses tapferen kleinen Bären nicht brechen. Hier saß er vor mir auf seinem runden Hinterteil. Mit seinen hervorstechend weißen Krallen hielt er sich an den Stangen fest und schien mich geradezu anzulachen, als wolle er sagen. „Ach komm, ich weiß genau, was Du da hast“. Im Handumdrehen verschwand eine Handvoll Gummibären - die ursprünglich für alle gedacht waren -, ausschließlich in seinem Bauch.



Sie alle jetzt zu so sehen war merkwürdig – aus einst schwarzen Flecken in ihren Erholungskäfigen haben sie sich jetzt verwandelt und laufen und schlendern herum, liegen da in einer Umgebung, die sie nie zuvor gekannt hatten. Die Narben in den Gesichtern, dort wo sie ihre Köpfe aus Frustration gegen die eisernen Gitterstäbe geschlagen haben, waren immer noch gut sichtbar. Dünne Beine, wo die Muskeln langsam wachsen werden, jetzt aber immer noch kaum stark genug sind, um damit zu laufen. Scheußliche Narben am Bauch, kaum verheilt, von der brutalen Entnahme des Gallensaftes.

Hier, nur ein paar Ecken von Haribo entfernt, war Egmont (wir nannten sie früher Eyeore), die ihren Namen zu Recht trägt und uns alle zum Lachen bringt. Ganz langsam und behäbig ist sie und macht alles im Schneckentempo. Doch Egmont genoss die Erforschung ihrer neuen Behausung – Zentimeter für Zentimeter.

An diesem Morgen aber war es Haribo, der für den Geist und die vergebende Kraft dieser Bären stand, wie er sich freute, bewundert zu werden. Doch auch zu viel Aufmerksamkeit kann langweilig werden und man sah, dass er noch etwas anderes wollte. Nachdem Xiao Chen und ihr Team das Innere der Behausungen gründlich gereinigt hatten, wurden die Türen wieder geöffnet und die Bären konnten sich für ein Nachmittagsschläfchen auf ihren Schlafplatz zurückziehen.

Auch Haribo. Als er seine kurzen Beine die Stufen, die für einen „normalen“ Bären überhaupt kein Hindernis dargestellt hätten, hinaufschleppte und die Bühne und seine Bewunderer verließ, hatten diese Tränen in den Augen.

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Willkommen in einer aufregend neuen Welt  
Es tut gut, wieder in Chengdu zu sein. Denn während des Aufenthalts in Guangzhou mit dem Team von Professor Pfote habe ich etwas ganz besonderes hier versäumt. Das Team hier hatte eine mindestens ebenso aufregende Zeit.

Der Tag, auf den wir alle so lange gewartet haben begann hell und sonnig. Zum ersten Mal kamen die letzten 12 geretteten Bären aus ihren Erholungskäfigen heraus und bewegten sich vorsichtig in ihre neuen Behausungen.

So gern wäre ich da dabei gewesen, doch ich konnte es nachempfinden durch die emotionsgeladenen E-Mails, die ich von Nic, unserem Chef der Bärenpfleger und Heather, unserer leitenden Tierärztin erhielt, in denen die Geschichte dieses herzerwärmenden Tages erzählt wurde.

Von den 28 Bären, die Ende März ankamen, starben 16 an ihren Wunden und Krankheiten – das Erbe ihres Lebens in den Farmen. Die verbleibenden 12 Bären wurden fast wie Kinder von unserem Team vor Ort aufgepäppelt. Dieses Team sorgte auch dafür, dass ihre Einführung in eine Welt mit unvorstellbar viel Platz und neuen Freunden so angenehm wie nur möglich gestaltet wurde.

Der ganze Prozess wurde von Anfang bis Ende sorgfältig geplant von denselben Menschen, die in den vergangenen sechs Monaten die Charaktere der Bären genau kennen gelernt hatten – was sie mögen und was nicht, jede Facette ihrer Persönlichkeit – um zu verstehen, wie diese erste Phase ihrer Freiheit und ihrer Integration am besten ablaufen sollte.

Unser Team kennt diese Bären, als ob sie die Tiere von klein auf aufgezogen hätten. Dieser Tag war ganz der ihre.

Genau erinnere ich mich noch, wie der süße kurzbeinige Poodley (jetzt heißt er Haribo) in dem schauerlichen Käfig ankam, der ihn jahrelang niedergedrückt hielt … das schmatzende Geräusch, das er hervorbrachte um auf sich aufmerksam zu machen, wenn er bemerkte, dass meine Hosentaschen ein nie endendes Reservoir an klebrigen Gummibären war, die er mit Freuden einen nach dem anderen verspeiste. Wenn man das mit jetzt vergleicht, wie er hinausgeht in eine Welt außerhalb seines Käfigs, der ihn so lange gefesselt hielt. Hier begrüßt er gerade einen seiner Nachbarn:


Der blinde Watermelone (er heißt jetzt Wilfred) ging auch ohne Furcht hinaus in seine neue Welt. Nichts wird ihn wieder verletzen und es ist spannend, seine Nachbarn zu beiden Seiten seiner Behausung kennen zu lernen.

Bären, die in den Farmen nie freien Zugang zu Wasser hatten, setzen sich nun freudig mit ihren dicken Hinterteilen in ihre zementierten Wasserbecken und erfreuen sich dieser Erfahrung, die in freier Wildbahn so normal gewesen wäre. Futter im Überfluss, Spielzeug zur Unterhaltung und die Sonne auf ihrem Pelz.

Von oben nach unten sieht man hier George, Gypsy und Juniper, wie sie ihre neuen Behausungen erkunden:







Wenn sie diese genau kennen gelernt haben, wird sich bald auch das Tor dort öffnen und sie werden etwas völlig neues kennenlernen. Gras. Dann werde ich sicher hier sein und gemeinsam mit unseren chinesischen und europäischen Mitarbeitern weinen wie ein Baby, wenn wir gemeinsam das neue Leben der Bären feiern werden.

Hier sind die bewegenden Berichte von Nic und Heather, wie unsere Bären den ersten Schritt in die Freiheit tun.

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Professor Pfote startet jetzt auch auf dem chinesischen Festland! 
Die letzten Tage waren einfach verrückt. Da tut es richtig gut, beim Schreiben dieses Blogs ein wenig zu Atem zu kommen. In der letzten Woche startete unser Professor Pfote Programm in Guangzhou – der Hauptstadt des Verzehrs von Hunden und Katzen in China! Rund 90 junge Menschen mit einem Durchschnittsalter von neun Jahren freuten sich an einer ganz neuen Form des Lernens, angeleitet durch unserer kürzlich eingeführten Hundeprofessoren.

Es war ein sonniger Nachmittag an der Wan Song Yuan Grundschule, als Frau Zhou Su Ying, die Schulleiterin, vor einer ganzen Heerschar von Medienvertretern den Startschuss für dieses Programm gab und darüber sprach, wie sehr wir die Tiere, die unser Leben teilen, lieben und respektieren müssen.

Die Antworten der Kinder darauf, warum Hunde und Katzen ein besseres Schicksal in unserer Welt verdienen und was sie dazu in ihrem täglichen Leben tun können, waren ganz erstaunlich.

Daher war es auch kein Wunder, dass sie alle ganz aufgeregt waren, als die Hunde schließlich in die Klassenzimmer gebracht wurden. Große Spannung lag in der Luft als sie sich in Reihen aufstellten, und in einer formellen Begrüßung ihren neuen „Lehrern“ den Handrücken zum beschnuppern hinhielten – auch für uns war dies ein aufregender Moment, denn natürlich wollten wir sicher sein, dass die Hunde „sicher“ waren. Dann wurden die Köpfe getätschelt und die Pfoten der vier hervorragendsten und gutmütigsten Vertreter ihrer Rasse geschüttelt.

Ein so bewegender Augenblick! Besonders wenn man daran denkt, dass zur selben Zeit nur ein paar Kilometer weg die schrecklichen und berüchtigten Märkten für lebende Tiere überquollen von genauso liebevollen und intelligenten Hunden, die man dort aber als Nahrungsmittel für Menschen schlachtete.

Doch der Anblick der angehenden Tierschützer und zukünftigen Anführer, die einmal verantwortlich sein werden für die Schaffung einer harmonischen Welt, wo Hunde und Katzen ohne Angst auf Chinas Straßen laufen können, hat mich wieder aufgerichtet.

Hier sind ein paar Fotos von diesem Tag. Herr Ma stellt zwei kleinen Mädchen seinen besten Freund Mao Mao vor:



Ein kleiner Junge bürstet Ka Ka, während Frau Sun, die Besitzerin, ihm dabei hilft.



Hier sprechen Frau Lian und ich mit Kindern, wie man Hunde wie Professor Sunny richtig behandelt.



Ich habe nur bedauert, dass Anneleise Smillie, die das Programm ursprünglich in Hongkong gegründet hat, nicht dabei sein konnte. Sie ist jetzt zurück in England und wäre sehr stolz gewesen, die Kinder rufen zu hören „Wo Ai Gou Gou“! (Wir lieben Hunde). Ich bin sicher, der Start des Programms in Guangzhou ist für uns beide, für Anneleise und für mich, ein Traum, der wahr geworden ist. Er wird hier hoffentlich weiter wachsen und gedeihen, damit die Hunde und Katzen ihren rechten Platz in unserem Leben einnehmen. Als Freunde….nicht als Nahrungsmittel.

Ein herzlicher Dank auch an Christie Irene und die unglaublich engagierten freiwilligen Helfer, die durch den Tag führten und unsere Hoffnung stärkten, dass auch für die Begleittiere in China der Wandel zum Besseren begonnen hat.
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Besuch von Marc Bekoff 
Neulich war ein ganz besonderer Gast bei uns in China im Rettungszentrum – der weltbekannte amerikanische Verhaltensforscher Dr. Marc Bekoff, der in China auf einer Promotionstour für seine kürzlich übersetzten Bücher war. Es war Marcs zweiter Besuch im Rettungszentrum und wir haben uns alle riesig darüber gefreut.

Es gab ein Wiedersehen mit einigen unserer Bären und zusätzlich begleitete Marc uns bei einem Besuch des Qiming Rettungszentrums, das sich um die von uns aus dem Erdbebengebiet geretteten Hunde und auch um die Streuner in Chengdu kümmert. Wir baten Marc, einigen der Neuankömmlinge einen Namen zu geben was er gerne übernahm – Henry, Stevie, Mathilde und Lady Lobster.

Hier sieht man den armen Henry, der gefangen wurde, als er Futter bei einem Fleischer stahl, wobei ihm ein halber Fuß abgehauen wurde.



Irgendwie hat dieser liebenswerte Hund überlebt und Marc assistierte Heather, unserer leitenden Tierärztin bei der Amputation des Rests seines rechten Vorderlaufs. Er erholt sich gut. Stevie ist wie sein Namensvetter Stevie Wonder blind und muß auch am Auge operiert werden. Lady Lobster hatte einen gebrochenen Fuß der wie die Zange eines Hummers verheilte. Mathilde, hier zusammen mit Heather wog bei ihrer Ankunft im Rettungszentrum nur 8 Pfund. Ihr Normalgewicht ist zwischen 35-40 Pfund.



Marc war dann auch noch in Chengdu in unserem Rettungszentrum, wo er sich wie zu Hause fühlte. Man kann es in seiner E-Mail lesen.

„Das war ein aufregender Nachmittag! Zuerst hatte ich die einzigartige Gelegenheit, Jasper und Frank beim Spielen zu beobachten. Dann kam Delaney hinzu. Jasper und Delaney spielten und jagten einander und spielten auch unter Sausage, die schlafen wollte, – dann sprang Jasper ins Wasser und alles war in Ordnung. Das sind erstaunliche Bären – gequält über einen Zeitraum bis zu 15 Jahren und nun erholen sie sich und spielen und freuen sich des Lebens…“

Hier ist ein Foto von Marc mit Jasper, unserem Bärensprecher, wenn es um Frieden und Eintracht geht, sowie einige weitere Fotos von Marc von Delaney, dem besten Freund von Jasper, wie er sich ausruht und ein Bad nimmt.






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Gute Nachrichten aus Chengdu! 
Toby Zhang, Manager unseres Rettungszentrums in Chengdu, und ich hatten am Mittwoch, 29. Oktober, ein sehr erfolgreiches Meeting mit Madam Xiong Beirong von der Artenschutzbehörde des Sichuan Landwirtschaftsministeriums. Sie sagte, sie teile unsere Besorgnis bezüglich der Auswirkung verunreinigter Bärengalle auf die Gesundheit der Menschen. Sie schlug außerdem eine Initiative zur Zusammenarbeit mit uns vor, bei der es um das Ende der Verwendung von Wildtieren in der traditionellen chinesischen Medizin geht und sagte, es bestünden gute Chancen, dass wir Anfang nächsten Jahres weitere Bären erhalten würden.

Bitte klicken Sie hier und lesen Sie den vollständigen Bericht.
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