Ärzte in den USA protestieren 
Im Dezember 2007 erschienen über drei Tage hinweg ganzseitige Berichte in Hongkongs chinesischsprachiger Wen Wei Po Zeitung, dem Verlautbarungsorgan der chinesischen Regierung in Hongkong. Der dafür verantwortliche Reporter hatte zuvor mit Hilfe von Animals Asia eine viermonatige verdeckte Recherche unternommen und verfasste anschließend eine Serie von Features, in denen er den ganzen Schrecken der Bärenfarmen beschreibt.

Die Artikel wurden bald von Unterstützern auf der ganzen Welt gelesen, darunter auch von Eric H. Busch MD, einem Mitglied der Abteilung für Anästhesie am Ochsner Health System in New Orleans, Lousiana, USA und zugleich Experte für Schmerztherapie. Hier nun sein Brief an die Zeitung Wen Wei Po:


Herrn
Zhang Guo Liang
Präsident
Wen Wei Po

Lieber Mr. Zhang,

ich repräsentiere eine Gruppe besorgter Ärzte hier in den Vereinigten Staaten. Wir haben Ihre kürzlich erschienen Artikel über die Bärengalleindustrie gelesen. Seit vielen Jahren sind uns die Bärenfarmen bekannt und wir sind, wie viele andere, erschüttert vom Leid dieser Tiere. Als interessierte Mediziner möchten wir unseren Standpunkt zu verschiedenen Aspekten zum Ausdruck bringen. Vielleicht ist dies hilfreich für diejenigen, die eine Verbindung zwischen Bärengalle und Pharmazeutika verwirrend finden.

Zum Hintergrund – Galle ist eine Flüssigkeit, die von der Leber produziert wird und sich in der Gallenblase ansammelt. Diese Mischung aus Säure, Cholesterol, Wasser und Elektrolyten hilft bei der Verarbeitung der Nahrung. Die Galle von Säugetieren enthält einen chemischen Bestandteil, der Ursodeoxycholic Acid oder kurz UDCA genannt wird. UDCA unterscheidet sich chemisch betrachtet sehr von anderen Gallesäuren, was auf die heilenden Eigenschaften zurückzuführen ist. Seit wenigstens vierzig Jahren weiß man um sie als therapeutischen Bestandteil der Bärengalle. Aus Gründen, die wir nicht wirklich kennen, haben Bären mehr UDCA in ihrer Galle als andere Tiere, was den historischen Hintergrund für die Verwendung von Bärengalle in der Traditionellen Chinesischen Medizin bilden kann. Wir konnten nie einen Hinweis auf irgendeinen zusätzlichen therapeutischen Bestandteil in Bärengalle finden. Das mag an den zersetzenden Eigenschaften der Galle liegen, welche die meisten anderen proteinhaltigen Substanzen und Animosäuren zerstört.

Die Wirkung pharmazeutischer UDCA auf das menschliche System wurde intensiv erforscht, mit dem Ergebnis der weltweiten Verwendung dieser Substanz bei einer Anzahl von Erkrankungen. Dazu gehören primär biliäre Zirrhose, zersetzende Galleentzündung und Gallensteinerkrankungen. Die möglichen Anwendungsbereiche für UDCA bei Menschen gehen aber noch weiter. Die Erforschung der Anwendung bei neurologischen Störungen, Augenerkrankungen und Herzinfarkten ist viel versprechend.

Diese UDCA, ein Medikament, das von Millionen von Patienten eingenommen wird, stammt nicht von Bären. Es wird von pharmazeutischen Unternehmen produziert, die Galle in Schlachthäusern sammeln. Das Endresultat ist ein pharmazeutisches Produkt, das bekannt ist für seine Wirksamkeit und Reinheit, weithin verfügbar unter verschiedenen Handelsnamen. Nach unserer Meinung machen diese Medikamente die Verwendung von Bärengalle überflüssig.

Wenn wir Produkte von Bärenfarmen unter medizinischen Aspekten betrachten, stoßen wir auf viele Mängel. Farmbären haben eine hohe Rate von Lebertumoren, die wahrscheinlich das Ergebnis chronischer Infektionen und Entzündungen der Gallenblase sowie Leber sind. Dies, in Verbindung mit den Abzapftechniken, führt zu Galle, die Eiter (weißen Blutzellen) enthält, Fremdkörper, Hautzellen und andere Verunreinigungen. Wir fragen uns, ob einige dieser Elemente auch in den Präparaten enthalten sind, die von Patienten eingenommen werden. Außerdem ist es unsicher, ob die Konzentration des Wirkstoffs in jeder Probe gleich ist. Schließlich produziert jeder Bär unterschiedliche Mengen von UDCA zu unterschiedlichen Zeiten.

Wir möchten betonen, dass wir die Traditionelle Chinesische Medizin nicht für die Verwendung von Bärengalle kritisieren möchten. Bärengalle war einst ein notwendiger Bestandteil ihrer Methoden und wir sind, ebenso wie Millionen Patienten weltweit, froh, dass UDCA durch die TCM entdeckt wurde. Dennoch, Veränderungen und Weiterentwicklungen sind Bestandteil allen Fortschritts. Ebenso wie die westliche Medizin von der TCM gelernt und Vorteile gezogen hat, kann auch die TCM das Gleiche tun und Bärengalle der Vergangenheit angehören lassen.

Wissen ist Macht. UDCA ist ein bedeutsames Pharmazeutikum, das die menschliche Gesundheit verbessern kann. Wir hoffen, dass die Regierungen von China und anderen asiatischen Staaten, die Bärenfarmen zulassen, diese Logik erkennen und im besten Interesse der Patienten, die UDCA benötigen, handeln werden, ebenso wie im Interesse der Bären, die Teil dieser Industrie sind. Indem man Bärengalle eliminiert und öffentlich die Verwendung der (oben erwähnten) weithin verfügbaren, klinisch erprobten Medikamente unterstützt, können diese Länder tatkräftig die Gesundheit der Menschen fördern, die die Vorteile der UDCA benötigen und gleichzeitig die Bärenfarmen beenden.

Unsere Aussagen werden sicher diskutiert werden. Man wird auf die speziellen Bestandteile der Galle hinweisen, die nicht in einem Pharmaunternehmen erzeugt werden können. Mit Rücksicht darauf fragen wir uns, wie Gefangenschaft, Qualen, Entkräftung und schließlich der Tod dieser Farmbären die der Bärengalle zugeschriebenen heilenden Eigenschaften beeinflusst. Das Chi eines Bären, der solchen Bedingungen ausgesetzt ist, kann nur schwach sein.

Die beste Gesundheitsfürsorge beinhaltet eine Mischung aus Mitgefühl, Wissen, Können und solchen nicht greifbaren Elementen, die nicht erklärbar sind. Mit aallem Respekt sind wir daher der Meinung, dass die Verwendung von Bärengalle nicht nur unnötig ist, sondern auch inkonsistent mit den genannten Idealen. Wir hoffen, dass diejenigen, die für einen Wandel aufgeschlossen sind, die vorgestellten Fakten und Ideen hilfreich finden werden, und dass unsere Überlegungen eine neue Debatte über dieses wichtige Thema entzünden können.

Hochachtungsvoll

Eric H. Busch M.D.
New Orleans, Louisiana
January 23, 2008
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Dreibeinige Freunde 
Der liebe Simba macht weiterhin großen Eindruck auf seine Mitbewohner in der Rettungsstation. Hier trifft er gerade Kevin, der auch nur drei Beine hat. Wie man sieht, ist Kevin etwas unschlüssig, was er von dem kleinen Lauser halten soll. Aber er ist sichtlich bezaubert!


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Tapfere Seelen 
Vor ein paar Tagen habe ich angeboten, den dreibeinigen Simba bei mir aufzuziehen. Dieser kleine goldfarbene Mischling wurde von seinem Besitzer hier in die Bärenrettungsstation in Chengdu gebracht, nachdem bei einem Autounfall sein rechtes Hinterbein schwer verletzt wurde. Im Prinzip sind wir zwar eine Zufluchtsstätte für Bären und nicht für Hunde oder Katzen, wenn aber wie hier Tiere in Not und Schmerzen sind, gehen wir auch einmal darüber hinaus.

Unsere Tierärztin Lara half gern und erhielt auch das Einverständnis der Besitzerin für das einzige, was sie tun konnte – die Amputation von Simbas Bein. Die Operation verlief ohne Komplikationen und unser dreibeiniger Simba erholte sich sehr schnell. Am nächsten Tag sollte die Besitzerin ihren Hund wieder abholen – aber sie kam nicht. Wen Yan, unser Übersetzer, konnte daraus nur den traurigen Schluss ziehen: „Die Lady hat Simba abserviert.“

Simba ist so niedlich – die Besitzerin weiß gar nicht, was sie weggegeben hat. Ein so kleiner Kerl, er hat ein Herz so groß wie China und springt im Rettungszentrum umher als hätte er schon immer nur drei Beine gehabt. Er begrüßt die Neuankömmlinge wie lange vermisste Freunde, kugelt über Grashügel und fällt wirklich auch mal um, wenn er das falsche Beinchen heben will. Aber Simba ficht das nicht an. Er steht einfach wieder auf und los geht’s zum nächsten Abenteuer, das sein Leben für ihn bereithält.

Gerade heute Nachmittag, nach einem Spaziergang, kamen wir an dem Rehabilitierungsgehege für Bären vorbei. Dort gewöhnen wir die Tiere aneinander bevor wir sie zu Gruppen integrieren und sie ihre permanenten Behausungen beziehen. Stardust, ein blendend aussehender Bär, hörte plötzlich auf, seinen Ast zu zerbeißen und sah Simba mit weit aufgerissenen Augen an, so als habe er noch nie in seinem Leben ein so interessantes und seltsames Wesen gesehen. Sehr zur Belustigung seiner chinesischen Pfleger folgte Stardust Simba längs des Gehegezauns, ganz offensichtlich völlig bezaubert von diesem kleinen gelben Bären. Das ging so für einige Minuten, da die beiden immer wieder anhielten und sich ansahen. Stardust blieb neben uns, bis wir ins Haus zurückgingen. Danach saß er eine ganze Weile nur da und starrte auf die Glastüre, ganz so, als ob er durch pure Willenkraft seinen neuen Freund wieder herauslocken könnte. Spielerisch riss er Grasbüschel aus und warf sie sich auf den Kopf. Ganz klar, er war in Spiellaune und Simba war der perfekte Mitspieler.

Währenddessen kaute nebenan in seinem speziellen Garten unser hinreißender Rupert – unser Bär mit einer geistigen Behinderung – an seinem Futter, ohne die geringste Notiz von dem Schnee auf seinem Fell zu nehmen. Zum ersten Mal seit Jahren sahen wir wieder einmal das Glitzern von Schnee, wie er draußen auf die zufrieden ihr Futter kauenden Bären fiel und ihre vor Kälte zitternden zweibeinigen Freunde, die ziemlich froren. Ein weiterer perfekter Tag in unserem Bärenland


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So weit so gut 
Das beste Erlebnis der Welt gestern war, als wir in der Pflegestation des Hospitals sahen, wie Willow eifrig seinen Fruchtshake schlürfte, der ihm von der strahlenden Tierärztin Heather gereicht wurde. Ganz wach stand er auf allen vier Pfoten in seinem Aufwachkäfig. Nachdem ihm ein 4,3 kg schwerer Lebertumor entfernt wurde, geniest Willow nun den dritten Tag seines neuen Lebens.

Nach einem großen Frühstück - und zwei Biskuits aus Haferflocken als Dessert (natürlich nur mit Erlaubnis der Tierärztin) – schmolzen unsere Herzen dahin für diesen herrlichen Bären, der sich gerade von dieser schweren und belastenden Operation erholt und uns trotz allem so voller Vertrauen ansieht.

Wieder ist meine Bewunderung für unser Team hier in China grenzenlos. Rundum haben sie die ganze Nacht abwechselnd über Willow gewacht, um sicher zu sein, dass seine Erholung ohne Komplikationen verläuft. Mit jedem Morgen geht es ihm besser und wir beginnen zu hoffen, dass unser Wunder-Bär seinem Namen („Weide“) gerecht wird.

Hier ist ein Bild von Willow, wie er die Sonnenstrahlen genießt. Es wurde vor ungefähr einem Jahr aufgenommen.


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Willow, unser Wunder-Bär 
Bei dem Gesundheitscheck gestern gab es traurige Gesichter, als wir Willow auf dem OP-Tisch umdrehten. Die ominöse Schwellung an der Stelle wo sein rechter Leberlappen sein sollte – hier sahen wir alle Anzeichen eines Leberkrebses. Noch am Tag zuvor tollte er fröhlich in seinem Gehege herum. Dabei war ihm nichts anzumerken. Trotzdem hatten wir schon einige Wochen zuvor einen Verdacht, als Willow an Gewicht verlor und der Glanz seines Fells stumpf wurde. Es gab keine weiteren Anzeichen – jedenfalls nicht in seinem Verhalten. Er fetzte weiter mit seinen Freunden durch das Gras und freute sich an ihrem Schwindel erregendem Spiel. Unwissend und ungestört durch die tödliche Wucherung in ihm.

Jetzt hier auf dem OP-Tisch, klein und verletzlich, wurde Willow in alle Gebete mit eingeschlossen. Die Tierärztinnen Heather und Lara machten sich zur Operation bereit, während die traurigen Gesichter und die Stille im Raum alles über die Gefühle der Anwesenden sagte. Einige Minuten später hatte Heather die Bauchdecke von Willow weit genug eröffnet, so dass wir alle mit eigenen Augen sahen, was wir schon befürchtet hatten. Eine riesige Geschwulst an seinem rechten Leberlappen saugte im Sinn des Wortes die Lebenskraft dieses herrlichen Bären auf.

Bei jedem anderen Bären bisher in vergleichbarem Zustand gab es keine andere Alternative als den traurigen Abschied, da wir wussten, dass es unmöglich war, die Geschwulst herauszuschneiden.

Ich wollte mich gerade abwenden, um den Sponsor von Willow zu verständigen, als Heather plötzlich sagte, dass dieser Krebs doch vielleicht entfernt werden könne. Sie und Lara diskutierten die Möglichkeiten um nach einigen Minuten zu bestätigen: Ja, sie wollen es versuchen. Was konnten wir noch verlieren? Wir konnten ihn hier und jetzt sanft einschlafen lassen oder einen Versuch wagen – und, sollte er fehlschlagen, könnten wir ihn danach immer noch auf dem OP-Tisch einschläfern.

Über die nächsten Stunden musste ich unser Team tief bewundern. Wie Ärzte und Assistenten ruhig, schnell und methodisch zusammen arbeiteten und wie wir anderen Willow mit reiner Willenskraft zum Leben zwangen.

Schließlich war der Tumor entfernt. Als die Waage 4,3 kg anzeigte, gab es ungläubige Rufe. Wie ein Ding aus einem Horrorfilm, mit einem eigenen Leben, war dieser Krebs ein weiteres Beispiel aus einer langen Reihe, die wir gesehen haben. Und zugleich ein weiterer Beweis – wenn denn noch einer nötig wäre – warum und wie die Bärenfarmen die majestätischen Mondbären in China töten.

Willow (im Bild in dem barbarischen Käfig zu sehen, in dem er zehn Jahre lang gefangen gehalten war) erholt sich ganz langsam gut genug, um seinen mit Medikamenten angereicherten Fruchtcocktail zu schlürfen. Jetzt entscheidet sich sein weiteres Schicksal. Das war eine wirklich schwere Operation an einem kranken und erschöpften Bären. Wir machen uns keine Illusionen, dass er bereits über dem Berg ist. Wenn Gebete Leben retten, wird Willow wieder mit seinen Freunden durch das Gras rennen. Ein Wunderbär, der gegen alle Wahrscheinlichkeit ankämpft.

Doch jetzt heißt es – warten


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