Ein neues Leben für Chris 
Der Bauchraum dieses Bären war einmal voller Eiter. Er hatte einen Bruch von der Größe eines Fußballs. Nie werde ich den 10. Juni 2002 vergessen, als Chris von einer Bärenfarm in Dujiangyan bei uns ankam.

Mit Chris zusammen waren es fünf, die wir schon rufen hörten noch bevor der Lastwagen hielt. Traurige Schmerzens- und Klagerufe eines Bären, dessen Leben wohl zu Ende ging.(Chris ist der zweite von links.)



Die Käfige waren senkrecht und so dicht wie möglich auf dem Lastwagen gestapelt. Wahrscheinlich wollte der Farmer dadurch die Kosten für einen zweiten Lastwagen sparen. Doch dadurch mussten die Bären während der ganzen langen Reise immer auf den Hinterbeinen stehen – eine sehr unbequeme Haltung für ein krankes Tier, das normalerweise auf vier Pfoten läuft.

Da wir bei einem ersten Gesundheitscheck bei Chris den schweren Bruch und Eiter, der aus Löchern in seinem Bauch lief, feststellten, wurde seine Operation schnell geplant. Denn man musste auch eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung vermuten.



Bei dieser Operation zeigte sich, dass es durch die ursprüngliche Operation auf der Farm zu einem Ausfluss von Gallensaft gekommen war, der sich aber zum Glück für diesen Bären nur zwischen der Muskelschicht und der Haut angesammelt hatte.

Im Lauf der nächsten Tage und Wochen wuchs das Vertrauen dieses herrlichen Bären zu seinen menschlichen Pflegern so weit an, dass er sogar zuließ, einige Drainagen in seinen Bauch zu legen, um die Entzündung aus seinem Körper fließen zu lassen. Er lief sogar an die Gitterstäbe seiner Unterkunft und setzte sich für eine Leckerei so hin, dass unsere Pflegerinnen seinen Bauch einsprühen und seine Wunden säubern konnten.

Jetzt, sieben Jahre danach hat unser großer alter Chris einen schrecklich vernarbten Bauch, der selbst das Frankensteins Monser beschämt hätte. Doch mit seiner gelassenen und freundlichen Art ist Chris ein Freund für Bären und Menschen geworden.

Leider hat Chris in den Jahren seiner langen Gefangenschaft auch Arthritis bekommen. Zeit für eine spezielle Behandlung – und ein Bett, das niedriger als die üblichen Hängebetten über dem Boden ist.

Da die blinden Bären Mityan und Akimo in ein anderes Haus umgezogen sind, um langsam in eine große Bärengruppe integriert zu werden, gab es jetzt in unserem Gehege für spezielle Pflegefälle – unserem Geheimen Garten – Platz. Dort kuscheln sich die uralte Franzi und ihr hirngeschädigter Freund Rupert zusammen und der blinde Snoopy (der Star aus dem Film „Der Weihnachtskuss“ früher in meinem Blog) lebt gleich nebenan.

Wenn ich an einem Sonntagnachmittag hier sitze und Chris sehe, wie er sein neues Zuhause anbetet, muss ich lachen. Den ganzen Morgen verbringt er in seinem Garten und sucht nach dem dort versteckten Futter und spielt mit den Kohlblättern, aus denen er sich nicht viel macht. Wenn er gesättigt ist, ist Zeit zum spielen. Jetzt wird dieser steife, arthritische Bär wieder ganz er selbst. Nicht dass es hier zu einer wunderbare Heilung kommt – er braucht noch immer dieselben Medikamente wie zuvor – nur diese völlig neue Umgebung schenkt seinen alten steifen Knochen wieder neue Lebensgeister.

In den letzten Stunden hat er mit seinen großen plumpen Pfoten große Erdbrocken ausgegraben, Zweige und Blätter empor geworfen, große strohgefüllte Rupfensäcke aufgerissen und sich immer wieder im Gras gewälzt.

Jetzt hat er den Kasten mit Sägemehl gefunden. Er liegt auf dem Rücken in den wohlriechenden Holzresten und sucht vergnügt nach den dort versteckten Leckereien. Manchmal sitzt er nur da und schaut. Vielleicht freut er sich an dem Geruch der Freiheit – falls ich je unsicher bin über was wir hier tun, Bären wie Chris sagen es mir.

Zum Glück hatte unsere Tierärztin Leanne ihre Kamera zur Hand!










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Nothilfe Bärenrettung


Weise Worte zu einem emotionalen Thema 
Nach meinen Bemerkungen zum Thema Gefühle bei Tieren, die ich nach dem Besuch der Londoner Weihnachtspantomime des „Dschungelbuchs“ gemacht habe, scheint es mir angemessen, dazu die Gedanken von zwei speziellen Menschen vorzutragen, die schon seit Jahrzehnten Verfechter dieser Idee sind.

Virginia McKenna OBE hat zusammen mit ihrem Mann Bill Travers in England die Born Free Foundation gegründet und immer wieder dargelegt, wie und warum Tiere emotional leiden - genau wie wir – und weshalb wir ihnen auch im Zweifelsfall diese Fähigkeiten zubilligen müssen. Dazu sagt Virginia:

Brauchen wir noch mehr Tests und Experimente um zu „beweisen“, dass Tiere Gefühle haben? Kürzlich haben einige Wissenschaftler, wohl zu ihrer eigenen Verwunderung, festgestellt, dass auch sie Gefühle wie Angst, Neid und all die anderen haben.



Hat denn keiner dieser Experten einen Hund oder eine Katze? Schauen sie nie seriöse Naturfilme an? Oder sehen sie im Zirkus nicht (wie ich in China erlebt habe), wenn manche Tiere zu ihren Vorstellungen gezwungen werden, obwohl sie voller Angst sind?

Natürlich haben Tiere Gefühle. Sie kennen Liebe, Ärger, Furcht, Glück und das Gefühl, beschützen zu müssen – genauso wie wir.

Auch der Verhaltensforscher und Autor Professor Marc Bekoff (der unsere Bären in Chengdu besucht hat) hat eine eigene Meinung zu diesem Thema. Marc, Autor des Buches „Das Seelenleben der Tiere“, erzählte bei einem kürzlichen Radiointerview, wenn jemand ihm sagen würde, er benähme sich wie ein Tier, würde er einfach nur „Danke“ sagen. Hier kommt Marc:

Die Gefühle von Tieren sind nichts privates, sondern etwas für die Gruppe. Sie wirken als sozialer Klebstoff und sind wichtig für die Bildung und Aufrechterhaltung sozialer Bindungen zwischen Individuen. Sie motivieren sie zu Handlungen und sichern auch die Flexibilität im Verhalten, damit in einer gegebenen Lage im Umgang mit Freunden und Mitbewerbern das Richtige getan wird.



Die Gefühle erlauben den Individuen den Umgang mit Freunden und Feinden in dieser Welt. So wie auch bei uns. Kann man denn jemand wirklich glauben, dass Tiere – wenn auch nicht dieselben Gefühle wie wir -, keine eigenen Versionen von Gefühlen haben.

Die so genannte, auf Beweisen bestehende, Wissenschaft, die darauf besteht, dass wir beweisen müssen, dass Tiere Freude und Angst fühlen, sollte herausgefordert und auf den Boden der Tatsachen gestellt werden: Diese Wissenschaftler sollen doch nachweisen, warum Tiere keine Gefühle haben sollen.

Foto von Virginia: Copyright M. Daines

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Lebewohl, Klein-Eddie 
Etwas in Tierärztin Leannes Stimme sagte mir, dass sie wohl schlechte Nachrichten habe. Wegen geplanter Treffen in dieser Woche bin ich am Wochenende nach Hongkong zurückgefahren, immer in der Furcht vor einem Anruf des Teams, das am Dienstag ins Rettungszentrum für Hunde zurückgekehrt war.

Aber leider halfen all meine Gebete nicht. Der Anruf von Leanne kam heute Morgen. Sie sagte, dass Klein-Eddie Anzeichen von Staupe zeige, nichts mehr fressen würde und die meiste Zeit zusammengerollt schlafe. Ihre Lebenskraft war erschöpft und sie konnte die Krankheit jetzt auch an die anderen Hunde weitergeben.

Während ich Leanne zuhörte, durchliefen mich Wellen von Traurigkeit und Frustration. Ich sah diese wunderhübsche blonde zottelige Hündin, wie sie vor nur ein wenigen Tagen bei mir auf dem Schoß in der Sonne lag.

Wie so viele andere der geretteten Hunde hatte auch sie die Schrecken der Reise überlebt. Eingesperrt in einen Käfig, verbissen von den anderen Hunden, krank und schrecklich verwirrt.

Jetzt, da sie in ihrem Leben Schutz und Menschen gefunden haben, die sich um sie kümmern, hat sie ihr Immunsystem im Stich gelassen und so sind sie doch noch den in diesem Geschäft so häufigen Krankheiten zum Opfer gefallen.

Ich dankte unseren Mädchen, dass sie mich angerufen haben und schickte eine Botschaft an Klein-Eddie, bevor sie sanft eingeschläfert wurde. Danach musste ich die traurige Botschaft auch im Büro in Hongkong bekanntgeben.

In dem ganzen Kummer und auch Ärger, dass wir diesem Hund nicht helfen konnten, der nicht nur im Aussehen, sondern auch in seinem Wesen so wunderbar war, dankte ich doch dem Himmel für die Zeit, die wir in der vergangenen Woche gemeinsam in der Sonne verbrachten.

Wir müssen entschlossen weitermachen. Wir müssen uns um die überlebenden 59 Hunde kümmern, deren zutraulichen Blicke und Lebensfreude uns fröhlich machen. Die uns helfen, den wahren Charakter von Hunden, den wir kennen und lieben, zu feiern. Wir müssen unsere gesammelten Erkenntnisse nutzen, um ihre Geschichte zu erzählen und so ihre Welt zum Besseren zu wandeln.

Die überlebenden Hunde erhalten alle Liebe unseres Teams. Hier ist Hayley mit einigen der Überlebenden…



… und mit Herrn Kartoffelkopf …



… und Zhang Xiao Bing…



… und Hayley, Wen, Leanne und Helena.


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Ein Ende des Leidens für die todkranken Hunde 
Auf meiner letzten Fahrt zum Qimeng Rettungszentrum habe ich daran gedacht, Papiertaschentücher mitzunehmen. Der Gesundheitszustand von „Little Eddie“ ist sehr labil und sie war schon zweimal nahe daran, zu sterben – wo ich schon überzeugt war, ihren schwachen kleinen Körper zum letzten Mal zu halten. Dieses Foto von Rainbow Zhu zeigt sie bei ihrer Ankunft auf dem Lastwagen:



Die Aufgabe, Hunde für eine humane Euthanasie auszuwählen, ist grausam. Das ganze Team ist dabei gefordert und alle teilen die Verantwortung, damit jeder Aspekt, sei es aus ärztlicher Sicht, aus Sicht des Tierschutzes und auch die Wahrscheinlichkeit, ein neues Zuhause berücksichtigt werden – damit jeder Hund die allerbeste Chance bekommt.

Seit der Rettungsaktion zu Silvester haben wir die Tiere geprüft, ihren körperlichen und Gesundheitszustand bewertet und sie gegen Krankheiten geimpft, wenn wir glaubten, dass sie eine Chance hätten. Andere, die offensichtlich krank waren, haben wir zum Schutz der anderen Hunde eingeschläfert.

Doch wir konnten leider nicht voraussagen, welches Tier tatsächlich eine Krankheit in sich trug. Wir konnten nur beten, dass die Impfungen ihnen bei ihrem Kampf gegen die Krankheiten helfen würden, die sich während der Wartezeit auf der Fahrt zum Schlachthaus in Guangzhou in der Gruppe ausgebreitet haben.

Jetzt sehen wir, dass viele der Hunde, die wir beschützen wollten, auch krank werden. Nun zeigen sich die Krankheiten, die lange verborgen waren und nur allmählich wachsen, bis sie eines Tages doch offensichtlich sind. Einst wache und klare Augen sind jetzt trüb und eingesunken. Schleim läuft aus Schnauzen, die zuvor sauber und gesund waren.

Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen – die meisten dieser Hunde hatten nie eine Chance. Sie wurden in der Mehrzahl als Fleischhunde aufgezogen – ohne Pflege, ohne richtiges Futter, ohne medizinische Versorgung. Für viele waren unsere Hilfsanstrengungen vergebens. Zusammengepfercht in Zwischenlagern und dann weiter auf den Lastwagen, konnten sich die Krankheiten in ihnen und zwischen ihnen schnell ausbreiten - und so war für viele das Schicksal bereits besiegelt, als wir sie abluden.

Zu sehen, wie krank die Tiere geworden sind, die wir so gern gewonnen haben, war entsetzlich für uns, und hat uns erschüttert. Es war wirklich schrecklich. Immer wieder hörte man Rufe wie „oh nein“ und lautes Schluchzen, als wir die Hunde sahen, die schließlich doch Opfer der Krankheiten wurden.



Es ging uns sehr zu Herzen, wenn wir ihnen Beruhigungsmittel geben mussten, bevor sie die tödliche Spritze erhielten. Beim Einstich der Nadeln hörte man leise Worte wie „gehe in Frieden, du kleiner Kerl“, „es tut mir so leid“, und „jetzt kannst Du wieder mit den Kaninchen um die Wette laufen“. Wir haben ganz offen um diese Tiere geweint - Mitglieder einer Art, die wir anhimmeln, denen wir dieses Mal aber nicht helfen konnten.

Genau so mit den aggressiven Hunden – Tiere die bei freundlichen und geduldigen Menschen, die bereit wären, sie aufzunehmen, vielleicht eine Chance hätten. Bei Menschen, die bereit sind, viele Stunden zu opfern, um das Vertrauen wieder zu gewinnen, das diese Hunde schon vor langer Zeit verloren haben. Doch wir wissen nichts von diesen Tieren.

Sie greifen die anderen Hunde gewalttätig an, verursachen Bisswunden und Verletzungen und sind so für das Elend der Gruppe mit verantwortlich. Diese Hunde sind potenziell auch für Menschen gefährlich und wir können leider nicht sicher sein, ob eventuell auch Tollwut mit im Spiel ist.

Heute sind noch 66 Hunde übrig – doch noch einmal – wir sind darüber nicht glücklich. Vor allem, weil wir auch über die Zukunft dieser Hunde nicht sicher sein können. In den nächsten Wochen kommt es darauf an, ob sie den Krankheiten widerstehen können. Einige werden eine stärkere Immunabwehr haben als andere und wir können ihn nur durch eine nochmalige Impfung helfen, mit richtigem Futter und Antibiotika in den Fällen, wo es notwendig ist.



Je kräftiger und selbstsicherer sie werden, desto mehr sehen wir ihren wahren Charakter – langsam, doch beständig – und das schenkt uns ein Lächeln. Potato Head (Kartoffelkopf) ist ein seltsam geformter Rüde mit einem viel zu großen Kopf für seinen Körper. Zusammen mit seinem besten Freund Jeeves tollt er im Gehege herum und genießt den Tag in der kalten Wintersonne.

Wooster, der schokoladenbraune Labrador, hat ebenfalls klare Augen und ist voller Tatendrang. Wir alle hoffen und sind zuversichtlich, dass diese kräftigen jungen Hunde eine Chance haben werden. Eine kleine Dalmatinerhündin (wenn man ihren verbrauchten Körper sieht weiß man, dass sie in ihrem früheren Leben eine Gebärmaschine war) gehörte zu den Hunden, die niemanden an sich heranlassen wollten; sie schnappt nervös nach uns, um das auch ganz klar zu machen. Heute ist sie wie ausgewechselt.



Sie sitzt bei unserer Tierärztin Leanne und man kann sehen, dass sie wieder bereit ist, dieser merkwürdigen Rasse zu trauen, die sie bisher nur gequält hat. Ein paar Minuten später stupst sie Leannes Arm und möchte gekrault werden.

Bei Little Eddie wissen wir nicht, was kommt. Bei jedem Besuch war sie mit auf der „Liste“ und wir sehen sie als einen Grenzfall. Als einige unserer Mannschaft kurz verschnauften, saß ich etwa 30 Minuten mit ihr auf dem Schoß. Sie hat keinen Ausfluss, keine offensichtlichen Krankheitsanzeichen, außer dass sie oft apathisch ist, bis auf die Knochen abgemagert und nicht sehr an Futter interessiert.

Dann wieder ist sie ganz wach – läuft in dem Gehege herum und schnüffelt neugierig an den anderen Hunden. Wenn wir rufen, kommt sie immer gerne, um gekrault zu werden. Und dann verschlingt sie drei Würste auf einen Sitz.

Jetzt, da weniger Hunde in dem Gehege sind, hat Leanne entschieden, diese Hündin in eines der kleineren Gehege zu verlegen. Sie wird weiterhin ihre Antibiotika erhalten und nächste Woche nochmals von uns begutachten werden. Als ich ging, lag sie lag da und schlief und ich wusste, dass wir nichts weiter für sie tun können – sie wird leben oder sterben, wie immer das Schicksal es für sie bestimmt hat.


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Glückliche Neuigkeiten... 
Geschichten wie diese sind Balsam für die Seele. Diese Fotos in den chinesisch-sprachigen Hongkonger Medien brauchen keine Worte der Erklärung, sie zeigen unsere stolzen Botschafter von Dr. Hund, wie sie der Bevölkerung die heilenden und helfenden Kräfte von Begleittieren vermitteln.

Mein Traum ist es, dass einige der in Käfigen gehaltenen Hunde, die gerade in Chengdu gerettet wurden, eines Tages auch als Hundedoktoren arbeiten und zeigen (wie wir immer sagen), weshalb Hunde unsere Freunde sind und keine Nahrsmittel.

Hier sind einige der aktuellen Pressemeldungen, die über unseren Besuch im ducess of Kent Kinderkrankenhaus in Hongkong berichten. Der größte Teil der Texte berichtet darüber, wie glücklich die Kinder waren, gerade am Weihnachtstag Besuch von Dr. Hund zu bekommen.








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