Hope und Shame… 
Leider muss ich Ihnen heute schlechte Nachrichten überbringen – unsere beiden Welpen haben es leider nicht geschafft. Aber wenigstens waren ihre letzten Tage voller Liebe und Zärtlichkeit. Vielen Dank dafür an ihren Pfleger John Wu, den Tierarzt aus Shenzen. Ruht in Frieden, ihr beiden, Hope und Shame – Hoffnung und Schande. Euer Tod soll nicht umsonst sein


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Das Grauen von Maoshan – Teil 2 
Der Markt dient auch als Schlachthaus. Eine runde Metalltrommel mit orangeroten Stacheln dient dazu, das Fell bei Hunden und Katzen zu entfernen. Daneben steht ein Kessel mit kochendem Wasser. Darin wird gegen Mittag das Fleisch für die Kundschaft gekocht. Ganz in der Nähe kommen Lastwagen vollgepackt mit weißen Ziegen auf den Markt. Esel werden aus ihren Verschlägen gezerrt und in Käfige geladen um zur Schlachtung per Lastwagen an einen anderen Ort gebracht zu werden. Verängstigt und erschöpft haben einige von ihnen nicht die Kraft aufzustehen. Die Händler schlagen sie mit Metallstangen in die Seite und auf den Rücken bis sie nicht mehr anders können und sich auf wackeligen Beinen erheben. Selbst dann gehen die Schläge weiter. Die Händler packen die Schwänze, machen einen schmerzhaften Knoten und zwingen die Esel die Metallrampe hinauf in die Käfige.

Christie sagt, sie fühlt sich diesmal etwas besser hier. Aber ihre traurigen Augen erzählen es anders. Das Gesicht von Rainbow ist aschfahl als er sich herabbeugt um eine Nahaufnahme von ein paar Hunden zu machen, die in einen Käfig gequetscht sind. Die Bilder von solch einem Ort verfolgen einen noch für Tage und Wochen. Es ist sehr schwer, dabei positiv zu bleiben.

Aber es gibt Hoffnung – unser zweites Symposium über Begleittiere in China im November 2007 war ebenso wunderbar wie das erste. Fast 40 Leiter von Gruppen, die Millionen von Menschen aus dem ganzen Land repräsentieren, stimmten einstimmig für Ziele, die das Leben dieser Tiere hier verbessern können. Wir müssen beharrlich bleiben. – und das werden wir, denn wir können täglich Veränderungen sehen.

Zurück in der Tierklinik von John sind wir darauf gefasst, dass er diese beiden schwachen, winzigen Welpen einschläfern möchte. Die Fütterung im zweistündigen Rhythmus über die nächsten Tage ist für einen Tierarzt in Südchina, der in Arbeit untergeht, eine enorme Herausforderung. Doch John schaut die beiden nur einen kurzen Augenblick an und sagt. „Versuchen wir es.“ Hoffnung lebt ewig. Doch wir, die wir ihre Geburt in einer so krankheitsschweren Umgebung kennen, sind auf das Schlimmste gefasst.

Wir nennen die beiden Fellknäuel „Hope“ (Hoffnung) und „Shame“ (Schande). Wenn sie es schaffen, werden sie in Zukunft Botschafter sein für die Hunde, die sie zurück lassen mussten. Ich bedauere nur, dass ich sie auf dem Markt nicht einigen Hündinnen gezeigt habe, die vielleicht ihre Mütter gewesen sein könnten. Wenn das Leben in ihren Augen bricht, hätten sie gewusst, dass ihre Babys in Sicherheit sind.


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Das Grauen von Maoshan – Teil 1 
Kürzlich besuchte ich zusammen mit Christie und Rainbow, zwei Kollegen aus unserem chinesischen Team, Maoshan, den Markt für lebende Tiere in Guangzhou. Solche Besuche sind wohl mit dem Schlimmste unserer Arbeit bei Animals Asia. Doch damit sind sie umso wichtiger. Wir müssen die Situation beobachten und die Wahrheit über diese höllischen Löcher berichten. Hier sind meine Notizen von diesem Besuch:

Es ist acht Uhr und ich weiß einfach nicht, wie Christie und Rainbow diese Schmerzen ertragen können. Man fühlt es in jeder Faser des Körpers, wenn man den ranzigen, säuerlichen Geruch nach Krankheit riecht und den Staub von Tod und Zerfall schmeckt. Das bleibt so, auch noch Stunden nachdem wir einen dieser obszönen Märkte für lebende Tiere in China verlassen haben.

Wir sind hier im Maishen Markt in der südlichen Provinz Guangdong. Schon als das Taxi bei dem offenen Marktplatz hält, lassen uns die Schreie der verängstigten Tiere zusammenzucken. Diese Schreie verfolgen uns in allen Gassen des Marktes, bis wir schließlich den Blicken angststarrer Hunde und Katzen begegnen, die nur Minuten oder Stunden von ihrem Tod entfernt sind. Vor Durst und Austrocknung keuchend, schreiend vor Angst, Verwirrung und Schmerzen: Ihre Leiden sind umfassend. Manchmal wedeln ihre Schwänze in der Hoffnung, dass die leisen Entschuldigungen von Menschen, die dieser Leiden gewahr sind, ihnen die Freiheit bringt – bis ihre Blicke aufs Neue stumpf werden vor Hoffnungslosigkeit und sie sich abwenden.

Wir versprechen, ihr Tod wird nie vergebens sein. Rainbow sagt: „Bitte, schau in die Kamera, damit aus deinem Leid ein Wandel für die Tiere in der Zukunft wird.“ Den Augen, die sich mir zuwenden, kann ich nur sagen: „Bitte entschuldigt“. Und ich sage es laut und versuche ihnen zu versichern, dass ihr nächstes Leben besser sein wird.

Hunderte, vielleicht tausende Hunde stecken in winzigen Käfigen, die in Pyramiden auf Lastwagen gestapelt hoch in die Luft ragen. Katzen werden in Käfigen auf Waagen gestapelt, um ihr Gewicht für die lokalen Restaurants zu bestimmen.

Plötzlich bricht einer der Käfige auf, als er von einem Lastwagen auf den Beton fällt. Ein Tohuwahobu setzt ein als drei Katzen die Lücke finden und auf die Gasse springen, um zu fliehen. Doch die Händler bleiben gelassen. Sie kesseln die verzweifelten Katzen in einer Ecke ein, packen sie mit Drahtzangen im Genick und schlagen ihre Körper auf den Boden, bis diese schlaff werden. Ein junges ingwerfarbenes Männchen zuckt für ein paar Sekunden und liegt dann still. Eine schwarz-weiße Katze verkrampft sich, halb ohnmächtig. Blut fließt aus ihrem Maul, ihrer Nase und den zerbrochenen Beinen. Sie versucht, unter einen Lastwagen zu kriechen. Ihr Adrenalin gibt ihr noch eine letzte Chance zu entkommen. Der Händler lässt sie laufen. Er nimmt sicher an, dass sie sowieso bald am Schock und an den Schmerzen sterben wird und es die Suche nicht wert sei. Wir versuchen sie zu finden. Aber in dem Irrgarten aus Tieren und Menschen ist das eine unmögliche Aufgabe. Wir beten, dass ihre Leiden bald zu Ende sein mögen.

Tote und lebende Tiere werden gemeinsam zusammengepfercht. Sie ersticken in koffergroßen Käfigen. Die Bewegung eines Tieres führt zu Scherzensschreien, wenn gebrochene Glieder gezerrt und getreten werden. So viele Hunde sind krank. Sie leiden an Staupe oder dem Parovirus; Einige liegen in ihren letzten Zügen, andere sind bereits tot in ihren Käfigen. Während wir weiter fotografieren hören wir ein schwaches, klagendes Miauen und gehen hinüber zu einem Käfig, bei dem wir wohl eine Mutter mit ihren Jungen erwarten. Stattdessen steigen wir fast auf einen neu geborenen Welpen, der von den Männern einfach weggeworfen wurde.

Sein Körper ist kalt, aber er atmet noch. Wir wickeln ihn in das Tuch eines alten Regenschirms, den wir am Boden finden. Eng halte ich ihn am Körper um ihn zu wärmen. Kaum 30 Minuten später findet Rainbow einen weiteren. Ein neugeborenes schwarz-weißes Weibchen, wieder mit anhängender Nabelschnur und noch ausgekühlter als der erste. Zwei winzige Leben, die wir später unserem Freund, dem Tierarzt John Wu bringen, von dem wir uns erst am Abend zuvor bei unserem jährlichen Symposium Tiere als Begleiter in China verabschiedet haben.



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Vielen Dank! Die Tatzen bleiben nun mollig warm! 
Ein herzliches Dankeschön an alle, die sich der nadeligen Herausforderung gestrickter Tatzenwärmer für unsere Bären gestellt haben. In Windeseile haben Sie wunderschöne Handschuhe für unsere Schützlinge produziert, damit sie auch während einer Operation schön warm bleiben! Ohne Übertreibung – wir wurden von Pfotenwärmern überschwemmt und sind gerührt von der Herzlichkeit, mit der sie auf unsere Bitte reagiert haben. Wir haben inzwischen schon so viele (hoffentlich sind noch mehr unterwegs!), dass wir sie auch an andere Bärengruppen schicken können. Es ist einfach schön, dass so viele Bären in vielen anderen Ländern profitieren werden von Menschen, die zwar Tausende von Kilometern weit weg sind, die aber zuhören und auf einen Hilferuf reagieren.

In gewisser Weise sind Ihre Talente vergleichbar mit einer Gruppe von Bären, die schon lange hier bei uns sind. Crystal, Heather und Gail sind drei Weibchen „mit einem gewissen Alter“ die oft eng zusammen sitzen und dabei wohl über die guten alten Zeiten reden. Leider ist ihre alte Freundin Joy, die vierte im Bund, nicht mehr mit dabei.

Wir nennen sie liebevoll die „Strickgruppe“. Diese Damen sind sehr selbstbewusst und lassen sich von den jungen Missetätern in ihrem Gehege nicht auf der Nase herumtanzen! Hier sind einige Fotos von Heather und Joy zusammen in einem Hängekorb und Heather und Crystal beim Schwatz unter einem Klettergerüst.

Eine kuschelige Umarmung für alle Stricker (und Näherinnen!) von uns allen hier aus dem kalten Chengdu. (Es schneit immer noch!)




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Leb wohl, sanfter Willow 
Noch immer glaube ich an Wunder, aber heute geschah es irgendwo anders. Wir hielten Willows Tatzen, während Heather ihm die Flüssigkeit injizierte, die sein Leben beenden würde. Wir weinten. Es ist kaum eine Woche her, dass wir alle so voller Hoffnung waren. An Willows drittem Tag nach der OP, die wir durchführen mussten, um den massiven Lebertumor in seinem Bauch zu entfernen. Es ging ihm scheinbar gut.

Aber vor zwei Tagen gingen die Alarmglocken los. Heather und Lara informierten uns, dass aus Willows OP-Wunde hellgelbe Galle tropft. Und wenn man weiß, wie zersetzend Galle ist… wir haben Bären erlebt, die von Farmen kamen und an den fortgeschrittenen Folgen von Bauchfellentzündung litten. Deshalb wussten wir, dass die Situation ernst ist. Willow selbst schien nicht zu ahnen, wie ernst es um ihn in der letzten Woche seines Lebens stand Er genoss ganz und gar seine mit Medikamenten angereicherten Fruchtshakes, die vielen Spielzeuge und liebevolle Pflege seiner menschlichen Freunde, die ihn mit ihren Wünschen am Leben hielten.

Danach sahen wir Willow wieder auf dem OP-Tisch, eine weitere Operation war notwendig. Und leider bestätigten sich unsere schlimmsten Befürchtungen. Obwohl die Stelle, an der wir den Lebertumor entfernt hatten, vollständig verheilt war, hatte der Tumor bereits gestreut und Krebszellen zirkulierten in Willows Körper, eine Heilung war nicht mehr möglich. Während unsere Mitarbeiter sich von ihm verabschiedeten und ein letztes Mal seine warme, weiche Tatze hielten, bereitete unser Krankenhausteam sich auf die Obduktion vor. Hier das Ergebnis in Heathers eigenen Worten:

„Die Obduktion zeigt, dass das Ausfließen der Galle aus einem entzündeten Bereich auf Willows linker Leberseite kommt. Wir vermuten, dass die in seiner Leber verbliebenen Tumorzellen in seinen Gallengang gewandert sind und dort das Abfließen der Galle von der Leber in den Darm verhindert haben. Dadurch staute sich die Galle und dies führte dann zu dem Bruch auf der linken Seite.“

Die Ironie ist - wäre die Galle nicht durch die OP-Wunde gesickert, hätte sie sich stattdessen in seinem Körper verbreitet und so schließlich zu der aufgeblähten und sehr schmerzhaften Baufellentzündung geführt, die so oft die Bären auf den Farmen tötet.

Letzte Nacht habe ich ihn mit zwei Gummibärchen gefüttert und musste lächeln, als er das erste nahm – ein grünes – und es gründlich untersuchte, wie etwas, das er noch nie zuvor gegessen hatte. Nachdem er ein paar Mal vorsichtig, aber doch interessiert daran geleckt hatte, legte er die Nascherei auf dem Rücken seiner Tatze ab, wie auf einem Teller, roch ein paar Mal daran und entschied, dass es in Ordnung sei und man es essen könne. Dem nächsten Gummibärchen, ein orangefarbenes dieses Mal, erging es genauso, bevor es zum Schluss mit dem stillen Genuss eines kleinen und zufriedenen Kindes gelutscht wurde.

Als wir Willow am Nachmittag „Lebe wohl“ sagten und seinen Geist zum Himmel schickten, war in seinem Grab neben seinen Lieblingsspielzeugen und seinem Lieblingsfutter auch ein einzelnes, Mondbären-gelbes Gummibärchen, das er nun untersuchen und genießen darf, während er eine neue Reise antritt und eine Welt verlässt, auf der er geliebt und respektiert wurde. Wir haben ihm auch eine CD mitgegeben. Darauf ist ein Lied, das nur für ihn geschrieben und aufgenommen wurde, von einem unserer wunderbaren Unterstützer in Australien, Bernard Curry. Wenn Sie hier klicken, könne sie es hören.

Jemand fehlte bei Willows Beerdigung. Sein Sponsor – unsere Media Managerin Angela Leary aus Hongkong. Als sie die Nachricht von Tod ihres geliebten Willow erhielt, war sie am Boden zerstört. Sie hat ein paar Zeilen zum Gedenken an ihren wunderschönen Bären geschrieben.

„Ich gab dir einen Namen, der von deiner Schönheit sprach, deiner Anmut; von China und dem Westen. Ein Name, der das Unaussprechliche beschrieb – deine Vergangenheit, dein Leid, unsere Schande.

Du hast mir so viel mehr gegeben – eine Aufgabe, die ich noch nicht ganz gelöst habe. Ich denke an dich und spüre die Aufrichtigkeit, die in der Berührung deiner Zunge liegt. Du bist so voller Dankbarkeit für die Früchte, mit denen ich dich füttere. So vorsichtig, damit du ja nicht meine Hand verletzt. Du hast das Unverzeihliche vergeben und versucht mich zu lehren, es dir gleich zu tun. Nun werde ich dein Fell in meinem Medaillon tragen, eine Erinnerung an dich. An das, was du warst und noch immer bist.

Weine nicht mehr, sanfter Willow. Lass dich neben dem Fluss nieder und die gute Erde deine Seele wärmen. Schlaf deinen tiefen Bärenschlaf. Es wird ein langer Winter werden, dieses Jahr.“

Jetzt, während Willows Freunde dösend in ihren Unterkünften liegen, an einem sonnigen und bitterkalten Tag; unter einem blauen Himmel, mit Wolken, die sich manchmal in spielende Bären verwandeln, lächeln wir wieder, durch unsere Traurigkeit hindurch. Das Leben geht weiter.

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