Jen und ihr Bär 
Vor kurzem hat unsere bezaubernde Jen, die als Tierärztin bei uns in Vietnam war, ihren ganz persönlichen „Bären“ geheiratet.

Hier sieht man sie an ihrem Hochzeitstag in Australien, zusammen mit ihrem gutaussehenden Mann (und ein paar vierbeinigen Hochzeitsgästen) bei der Feier ihres neuen gemeinsamen Lebens







Danke für alles, Jen und Bär. Glück- und Segenswünsche von der ganzen Animals Asia Familie in Tam Dao und Chengdu – und seid vorsichtig!

Leider sind die Flitterwochen bereits vorüber und Jen plant jetzt, den Tieren, die bei den schrecklichen Waldbränden (die noch immer in ihrem Heimatstaat Victoria wüten) verletzt wurden, zu helfen. Im Herzen sind wir bei allen unseren australischen Freunden, die vielleicht durch diese schreckliche Tragödie zu Schaden gekommen sind.

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Der Schrecken geht weiter 
Obwohl unsere neuen Bären in besserer körperlicher Verfassung sind als jene vom März 2008, zeigen die ersten Gesundheitschecks nur zu deutlich, welche Probleme die Farmer verbergen wollen.

Bei fast allen aus dieser Gruppe sind die Tatzen völlig verhornt, aufgesprungen und ausgetrocknet. Auf den normalerweise weichen Ballen findet man schmerzhafte kieselsteinartige Ausbuchtungen. An vielen Tatzen zeigen sich tiefe Abdrücke der Gitterstäbe, da die Tiere täglich stundenlang stereotyp und ziellos schaukelten. Immer in derselben Haltung, haben die Gitterstäbe in den Jahren ihre Abdrücke hinterlassen.

Die meisten haben schreckliche Zahnprobleme – abgeschnittene Eckzähne, bei denen die Nerven blank liegen – oder sie sind gesplittert und gebrochen, weil die Bären in jahrelanger Frustration an den Käfigstäben nagten.

Sie haben furchtbaren Mundgeruch – aber das ist es nicht, was uns krank macht. Es ist die Tatsache, dass sie bei jedem Versuch zu Fressen die schrecklichsten Schmerzen in ihren Zähnen erleiden mussten. Kein Wunder, dass sie so mager sind.

Bären wie der arme Louis hatten riesige Löcher in seinen Zähnen. Innen war alles faulig und schwarz. In einem riesigen Loch fanden wir sogar sechs faulende Kürbiskerne.







Einige der Bären hatten offene Wunden von der frei tropfenden Methode, aus denen Galle und Eiter sickerten. Viele hatten sogar zwei dieser künstlichen Fisteln im Bauch. In diesem Fall konnte der Farmer aus dem einen Loch keinen Gallensaft mehr zapfen, das bereits begonnen hatte, wieder zuzuwachsen. Deshalb musste ein herbeigerufener sogenannter Arzt ein neues Loch in den Bauch schneiden. Etwa so rücksichtsvoll, wie wenn man ein Stück Papier locht.

Viele haben Probleme mit den Gelenken – man kann ihre Ellenbogengelenke, Knie- und Hüftgelenke hören, wenn die Tierärztinnen Heather, Leanne und Faithe die Beweglichkeitschecks machen. Jungtiere, die noch bewegliche Gelenke haben sollten, die Knochen eines alten arthritischen Bären haben.

Bei anderen Bären fanden wir bei den Untersuchungen schrecklich verkrümmte Wirbelsäulen, weil sie ihr ganzes Leben lang zusammengerollt in ihren Käfigen liegen mussten. Zum Glück haben wir seit Beginn unserer Rettungsaktionen im Oktober 2000 ziemliche Erfahrung bei der Behandlung solcher Tiere sammeln können. Schon bisher bekamen junge und alte Bären die verschiedensten Kombinationen von Medikamenten, mit denen wir Probleme von ihnen fernhalten können, die sie eigentlich erst im hohen Alter plagen sollten.

Wenn sie dann in ihren Erholungskäfigen aufwachen, erfüllt uns das mit Freude. Wenn sie langsam aus der Narkose erwachen, sich strecken bis dahin, wo bisher die Gitterstäbe ihrer alten Käfige waren. Dann merken sie plötzlich, dass etwas anders ist. Noch nicht ganz aus der Narkose aufgewacht, strecken sie sich weiter und weiter ganz aus – zum ersten Mal in ihrem Leben.

Bei Colin mussten wir gestern schlucken, als wir ihn nach seiner Narkose aufstehen sahen. Er bemerkte eine Schüssel mit Futter am Ende seines Käfigs, doch er schien Angst zu haben, dass sein neues Zuhause wieder kleiner würde, falls er sich dorthin bewegte. Er schaffte es sich so geschickt zu drehen und strecken, dass Kopf und Schnauze das Futter erreichten und dabei eine seiner Hinterpfoten gerade noch gegen die Rückwand seines Käfigs zu pressen.

Jetzt haben sie auch Stroh, dort, wo noch nie ein Bett war. So etwas war für diese Tiere nie vorgesehen, denn die Farmer sahen in ihnen nur eine „Produktionsmittel“, für die man über das Notwendigste hinaus keinen Cent investiert.

Hamster bekam gestern von Leanne und mir seinen Spitznamen. Leanne sagte mir, dass er Stroh liebe, aber nicht wisse, wozu das gut sei. Ich war dabei, als er es vom Dach des Käfigs herabzog – Büschel für Büschel. Es dauerte fast den ganzen Nachmittag bis er schließlich sein Bett gemacht hatte, in das er sich sogleich wie ein Hamster zusammenrollte und einschlief.

Hier sieht man Hamster noch auf dem Lastwagen:






Und hier ist er gestern bei dem Gesundheitscheck, bei dem wir diese schreckliche eingewachsene und schmerzhafte Klaue fanden. Hamster liegt gern auf dem Rücken – wahrscheinlich, um seine Pfoten nicht zu belasten.







Ich glaube es ist kein Zufall, dass es jetzt genau drei Jahre her ist, seit wir unseren geliebten Andrew, unseren allerersten Bären, an den Leberkrebs verloren haben. Jetzt, da 12 Bären hier bei uns ganz warm eingekuschelt sind, ganz satt vom guten Futter. Andrews Tod hat David, einen unserer Unterstützer in England, bewegt uns zu schreiben: „Wir sind nicht schwächer ohne Andrew, sondern stärker durch ihn“. Jetzt, da unsere neuen Bären jeden Tag aufwachen, ohne Furcht und Schmerzen, glaube ich, dass unser schlafender Riese Andrew ihr neues Leben mit einem Lächeln begrüßen würde.

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Dreizehn weitere Bären kommen „nach Hause“  
Spannung und Vorfreude lagen in der Luft – das ist immer so, wenn neue Bären ankommen. Zunächst ist man freudig erregt dass Tiere, die bisher in Käfigen langsam dahinvegetieren mussten, gequält von den Menschen, die ihre Galle abzapften, jetzt bald von ihren Qualen befreit werden. Aber dann fühlt man sich auch ganz elend, weil man weiß, dass einige von ihnen zu spät zu uns gekommen sind und es wohl nicht mehr schaffen werden.

Auch gestern war das so, als der Lastwagen mit der jüngsten Gruppe von 13 in Käfigen gefangenen Bären gegen 15.00 Uhr am Nachmittag bei uns ankam. Manchmal hört man sie schon in ihrer schlimmen Lage in lang gezogenen Tönen heulen oder vor Zorn schnauben. Doch diese Gruppe war völlig ruhig – nur ihre argwöhnischen und verängstigten Blicke lies das wahre Ausmaß ihrer Furcht erkennen.



Boris, Howard und unser Bärenteam waren wie immer hervorragend. Bären und Käfige, die zusammen leicht über 300 kg wiegen, waren aufeinander gestapelt und wurden scheinbar mühelos auf die Laderampe herabgelassen. So konnten Heather, unsere leitende Tierärztin und ich mit den ersten Tests zu ihrer körperlichen und seelischen Verfassung beginnen. Die Krankenschwestern Wendy, Hayley, Caroline und Helena machten reihum Notizen und folgten „ihren“ Bären“ in die Quarantänestation. Leanne und Faithe, die Tierärztinnen machten derweil mit den Tests weiter und hielten ihre Ergebnisse schriftlich fest.



Nic, der Leiter der Bärenmannschaft, nummerierte sorgfältig die Käfige mit hellgelber Farbe und die freiwilligen Helfer Russell und Dan spießten Früchte auf einen Stab. Damit konnten wir die Bären ablenken und so ihre Köpfe, Zähne und Klauen von den Stellen fernhalten, wo die Mannschaft die rostigen Käfige mit Draht sicherte.



Nachdem die Tiere in der Quarantänestation untergebracht waren, versorgten die Bärenpflegerinnen Donata und Belinda die Bären mit noch mehr Früchte, die zusammen mit dem Heu oben auf die Käfige gelegt wurden. Die Bären lernen schnell, dass sie das Heu leicht herunterziehen und sich daraus ein gemütliches Bett machen können. Zum ersten Mal seit Jahren hatten die Bären etwas, um ihre wunden Glieder vor den harten Käfiggittern zu schützen.

Heute begannen wir mit den eigentlichen Gesundheitschecks. Vier Bären wurden betäubt, ihre Bäuche rasiert und per Ultraschall suchten wir nach unserem Feind, dem Leberkrebs. Der Prozentsatz der Tiere, die daran sterben, ist viel zu hoch, als das man diese Häufung als Zufall sehen könnte. Infusionen mit Flüssigkeit wurden gelegt, Zähne überprüft, Blut und Urin für weitere Tests abgenommen. Die Ohren wurden gereinigt, Klauen wurden geschnitten und die Gliedmaßen wurden gecheckt. Bei denen, deren Fell matt und struppig war, gab es noch eine kurze Bürstenmassage zur Fellpflege und dann ging es ab in die größeren Aufwachkäfige, die wir zuvor mit Stroh ausgepolstert hatten. So ist eine Prioritätenliste für die anstehenden Operationen in den kommenden Tagen und Wochen entstanden.

Schockierende Belege der brutalen Verhältnisse auf den Bärenfarmen wurden dabei sofort sichtbar – bei dreien der Bären tropfte Gallensaft aus den bei der „frei tropfenden“ Methode üblichen Öffnungen im Bauch. Zwei der Tiere hatten sogar zwei dieser Bauchöffnungen – sie waren Opfer der operativen Umstellung von der Kathetermethode auf diese barbarische „frei tropfende“ Methode auf den Farmen. Bei einem der Bären waren alle vier Eckzähne so tief gekappt worden, dass die Nerven frei lagen. Andere hatten abgebrochene oder abgewetzte Zähne durch das ständige Nagen an den Gitterstäben. Doch alle vier werden heute Nacht besser schlafen. Sie können sich jetzt ausstrecken und leiden keinen Hunger mehr.

Ich kann diesen ersten Blog über unsere neuen Bären nicht abschließen, ohne einige unserer anderen Helfer aus dem Team zu erwähnen. Christie, Rainbow, Juanita, Angela und Mark, die alles taten, um diese Geschichte und die Bilder in die weltweiten Medien zu bringen, aber auch unsere Mitarbeiter in den Büros in Hongkong und den Ländern. Und Tamara, die unseren Ehrengast Harriet Tung betreute und ihre Interviews mit den Fernsehteams organisierte.

Auch Irene aus unserem neuen Büro in Italien war hier – ein großherziges Team aus Genua hat alle Kosten übernommen, damit alles den Bären zugute kommt.

Schließlich auch noch Toby, der Leiter des Rettungszentrums, der mit den Vertretern der Forstbehörde von Sichuan Kontakt hielt, die die Bären beschlagnahmt und uns zur Pflege übergeben haben und daneben noch dafür sorgte, dass alles in Ordnung war und kleine Probleme nicht zu größeren auswuchsen!

Warum erzähle ich das alles in diesem Blog? Weil ich so stolz auf sie alle bin. Sie und all die anderen Abteilungen, die im Hintergrund arbeiten, sind das Rückgrat dieser Foundation und das Herz und Ziel unserer Kampagne für ein Ende der Bärenfarmen.

Das sind die Menschen, die traurig wurden als der allererste Bär gestern Nacht betäubt wurde, als wir seinen aufgedunsenen Bauch und das Wasser in seinen Lungen sahen. Im Kampf gegen den Leberkrebs, ohne Hoffnung auf ein gutes Ende. Diese Menschen weinten als Heather „Shui“ (Wasser) sanft einschläfern musste, die bei seiner Einäscherung heute trauerten und sich von einem Bären verabschiedeten, den sie kaum gekannt haben. Hier ist ein Foto von Shui:



Als die Flammen, der Rauch und die Seele von Shui still nach oben stiegen, gaben die Zeilen des Gedichts - „Bitte sorge für die anderen und gib ihnen bald das Versprechen der Hoffnung, bitte sie um Geduld und trage den Mond voller Stolz“ – einer Gruppe Menschen hier in Chengdu Stärke und Trost. Und auch unserem gesamten weltweiten Team, die stolz diese Bären ehren.

Bald mehr, wenn die Bären aus ihren Klemmkäfigen frei kommen und auch ein Bericht über Harriet Tungs Worte und Unterstützung.

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Auf Wiedersehen, Chris mit den runden Augen 
Gerade habe ich noch über den neuen Lebensabschnitt von Chris geschrieben, da wurde sein Befinden schlechter.

Über das Wochenende ging es mit Chris (auch unter seinem chinesischen Namen „Sang Sang“ bekannt) rapide bergab. Die Beweglichkeit seiner Hinterbeine war schlecht. Als er am Samstag seinen Körper in Richtung auf ein paar Futterstückchen schleppte, versteckte er seine Schmerzen sehr gut vor uns. Man hätte glauben können, dass sein Vorderkörper überhaupt nicht mit dem hinteren Teil zusammenhängt.

Für einen kleinen leckeren Keks robbte er sich danach zu mir, fasste meine Finger mit seinen großen weichen Lippen und schloss die Augen vor Entzücken über diesen völlig unerwarteten Genuss. Danach machte er sich davon auf ein Mittagsschläfchen. Wieder robbte er zu seinem Schlafkorb und nahm dabei auch noch seinen Rupfensack mit. Mühsam kletterte er hinein und in das Stroh.

Gute zehn Minuten lang arrangierte er sorgfältig Stroh und Sack, um alles so anzuordnen, wie es seiner Meinung nach sein sollte, bevor er sich zum Schlafen niederlegte. So möchte ich ihn heute auch in Erinnerung behalten, wenn wir uns traurig von diesem tapferen und wunderbaren Kerl verabschieden. Mit seinem vernarbten Bauch und seinen großen runden Augen. Ein Bär, der seit seiner Ankunft immer rücksichtsvoll und vergebend gewesen ist.



Wir haben ja (fast) keine Lieblinge. Heather, unsere leitende Tierärztin war auch ein Fan von Chris und hat hier einige Abschiedworte niedergeschrieben:

Chris war nicht unser schlauster Bär, er hatte bescheidene Ansprüchen. Seine Vergnügungen waren einfach – Futter und ein kuscheliges Strohbett, um sich darin zusammenzurollen. Er kam 2002 zu uns, hatte einen ganz aufgedunsenen Bauch und war vom Abzapfen der Galle traumatisiert. Aus großen klaffenden Wunden rannen Eiter und Gallensaft. Niemand wusste, ob er die lange und komplizierte Operation zur Entfernung seiner Gallenblase überstehen würde.

Doch Chris schaffte es (wahrscheinlich fühlte er, dass gutes Futter hier auf ihn wartete) und erholte sich wieder ganz. Er und Honey, ein frecher kleiner Bär wie ein Pitbull, wurden die besten Freunde. Dabei war Honey gegen alle anderen Bären abweisend, nur nicht gegen ihren großen trotteligen Mitbewohner. Beide erfreuten sich vieler schöner Jahre im Haus 3.

Chris war sofort an seiner ausgeprägten Stirnfalte und seinen hervorstehenden Augen zu erkennen. Doch es war seine sanfte Natur und seine schon komische Begeisterung für alles was Futter hieß, die ihn für alle hier so liebenswert machte. Nachdem wir bemerkten, dass er steifer und weniger aktiv wurde, begannen wir im Jahr 2007 mit einer entzündungshemmenden Behandlung.

Trotz anfänglicher Verbesserung begann aber für Chris damit ein langsamer Abstieg. In den letzten 18 Monaten war er eine wandelnde Apotheke für entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente, die er wegen seiner schweren Arthritis in der Wirbelsäule und in den Gelenken erhielt. Doch trotz seiner steifen Hinterbeine blieb er immer jung und interessiert im Kopf, immer auf der Suche nach dem nächsten Klecks Erdnussbutter.

Im letzten Monat mussten wir uns schweren Herzens entschließen, Chris aus seiner Gruppe zu nehmen und ihn in eine kleine Behausung umzuziehen, wo er leichter in sein speziell konstruiertes Bett klettern konnte. Das war die richtige Entscheidung.

Den vergangenen Monat konnten wir beobachten, wie Chris stundenlang zufrieden in seinem Bett lag und an dem Stroh herumkaute, sich in den Haufen Holzmehl eingrub, oder in seiner Einfriedung sonnenbadete. Leider ging sein Verfall weiter und die sich verschlimmernde Arthritis hat schließlich gesiegt.

Gestern mussten wir die traurige Entscheidung treffen, Chris zum letzten Mal zu betäuben. Er bemerkte kaum die Nadel, da er zufrieden seine geliebte Erdbeercreme schleckte. Das Bärenteam und alle Mitarbeiter aus den Büros waren bei ihm, als er sanft eingeschläfert wurde. Er ist ein Beweis für den nicht zu brechenden Willen der Bären aus den Gallenfarmen.

Bei der Autopsie wurde deutlich, dass seine Wirbelsäule durch die Mangelernährung und jahrelange Gefangenschaft in einem Käfig bis zum Zerbrechen geschwächt worden war. An seiner vernarbten Leber fanden wir eine große Zyste und in seiner Schilddrüse war ein Krebsgeschwür.
Schlafe wohl du kleiner Bär. Wir werden Dich vermissen.



Viele Menschen waren beim Begräbnis dabei und unsere chinesischen und westlichen Mitarbeiter zollten ihren Tribut einem geliebten Bären, der seine sieben Jahre in Freiheit so sehr genossen hat.

Auf Wiedersehen, Chris. Von Deiner Familie in Chengdu, die dich geliebt und geachtet hat. Bis zum Mond – und zurück.







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Ein neues Leben für Chris 
Der Bauchraum dieses Bären war einmal voller Eiter. Er hatte einen Bruch von der Größe eines Fußballs. Nie werde ich den 10. Juni 2002 vergessen, als Chris von einer Bärenfarm in Dujiangyan bei uns ankam.

Mit Chris zusammen waren es fünf, die wir schon rufen hörten noch bevor der Lastwagen hielt. Traurige Schmerzens- und Klagerufe eines Bären, dessen Leben wohl zu Ende ging.(Chris ist der zweite von links.)



Die Käfige waren senkrecht und so dicht wie möglich auf dem Lastwagen gestapelt. Wahrscheinlich wollte der Farmer dadurch die Kosten für einen zweiten Lastwagen sparen. Doch dadurch mussten die Bären während der ganzen langen Reise immer auf den Hinterbeinen stehen – eine sehr unbequeme Haltung für ein krankes Tier, das normalerweise auf vier Pfoten läuft.

Da wir bei einem ersten Gesundheitscheck bei Chris den schweren Bruch und Eiter, der aus Löchern in seinem Bauch lief, feststellten, wurde seine Operation schnell geplant. Denn man musste auch eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung vermuten.



Bei dieser Operation zeigte sich, dass es durch die ursprüngliche Operation auf der Farm zu einem Ausfluss von Gallensaft gekommen war, der sich aber zum Glück für diesen Bären nur zwischen der Muskelschicht und der Haut angesammelt hatte.

Im Lauf der nächsten Tage und Wochen wuchs das Vertrauen dieses herrlichen Bären zu seinen menschlichen Pflegern so weit an, dass er sogar zuließ, einige Drainagen in seinen Bauch zu legen, um die Entzündung aus seinem Körper fließen zu lassen. Er lief sogar an die Gitterstäbe seiner Unterkunft und setzte sich für eine Leckerei so hin, dass unsere Pflegerinnen seinen Bauch einsprühen und seine Wunden säubern konnten.

Jetzt, sieben Jahre danach hat unser großer alter Chris einen schrecklich vernarbten Bauch, der selbst das Frankensteins Monser beschämt hätte. Doch mit seiner gelassenen und freundlichen Art ist Chris ein Freund für Bären und Menschen geworden.

Leider hat Chris in den Jahren seiner langen Gefangenschaft auch Arthritis bekommen. Zeit für eine spezielle Behandlung – und ein Bett, das niedriger als die üblichen Hängebetten über dem Boden ist.

Da die blinden Bären Mityan und Akimo in ein anderes Haus umgezogen sind, um langsam in eine große Bärengruppe integriert zu werden, gab es jetzt in unserem Gehege für spezielle Pflegefälle – unserem Geheimen Garten – Platz. Dort kuscheln sich die uralte Franzi und ihr hirngeschädigter Freund Rupert zusammen und der blinde Snoopy (der Star aus dem Film „Der Weihnachtskuss“ früher in meinem Blog) lebt gleich nebenan.

Wenn ich an einem Sonntagnachmittag hier sitze und Chris sehe, wie er sein neues Zuhause anbetet, muss ich lachen. Den ganzen Morgen verbringt er in seinem Garten und sucht nach dem dort versteckten Futter und spielt mit den Kohlblättern, aus denen er sich nicht viel macht. Wenn er gesättigt ist, ist Zeit zum spielen. Jetzt wird dieser steife, arthritische Bär wieder ganz er selbst. Nicht dass es hier zu einer wunderbare Heilung kommt – er braucht noch immer dieselben Medikamente wie zuvor – nur diese völlig neue Umgebung schenkt seinen alten steifen Knochen wieder neue Lebensgeister.

In den letzten Stunden hat er mit seinen großen plumpen Pfoten große Erdbrocken ausgegraben, Zweige und Blätter empor geworfen, große strohgefüllte Rupfensäcke aufgerissen und sich immer wieder im Gras gewälzt.

Jetzt hat er den Kasten mit Sägemehl gefunden. Er liegt auf dem Rücken in den wohlriechenden Holzresten und sucht vergnügt nach den dort versteckten Leckereien. Manchmal sitzt er nur da und schaut. Vielleicht freut er sich an dem Geruch der Freiheit – falls ich je unsicher bin über was wir hier tun, Bären wie Chris sagen es mir.

Zum Glück hatte unsere Tierärztin Leanne ihre Kamera zur Hand!










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