Die Rettung beginnt … 28 Bären kommen an 
Wie soll man nur anfangen. Als wir gestern wussten, dass weitere Bären auf dem Weg in unsere Rettungsstation in China sind, waren wir realistisch genug zu wissen, dass einige in sehr schlechtem Zustand sein würden und dringend medizinische Hilfe brauchen. Aber wir erlaubten uns selbst auch ein Gefühl von Aufregung und Hoffnung. Das mussten wir.

Nichts hat uns darauf vorbereitet, was wir dann zu sehen bekamen. Die Verzweiflung und der Schmerz in den Gesichtern dieser armen Seelen werden mich immer verfolgen. Das Entsetzen, die Agonie, der wir uns gegenübersahen, als das Team vorsichtig die Käfige von den Lastwagen herunterhob. Diesen majestätischen Tieren hat man alle Hoffnung entzogen. Ein Leben ohne Würde…



Ich beobachtete die Helfer, wie sie ihren Kummer und ihr Entsetzen durch körperliche Arbeit kompensierten. Diese braven Männer aus Sichuan. Je acht pro Käfig. Ihr Blick richtet sich nach vorne. Die metallnen Tragestangen drücken auf ihre Schultern. Sie sind die Sargträger der lebenden Toten. Ich sah, wie das Team aus Tierärzten und Bärenpflegern tapfer ihren Schmerz niederkämpften und bewusst professionell voll konzentriert war, diese Bären vor jeder weiteren Ungerechtigkeit zu bewahren. Trotz der erschütternden Grausamkeiten, die sie zu sehen bekamen.



Am Montag um acht Uhr abends (chinesischer Zeit) kamen die drei Lastwagen mit den Bären an. Der Gestank aus den Käfigen bereitete uns schon etwas auf das Kommende vor. Ein armes Tier war bei der Ankunft bereits tot. Sein zaundürrer Körper war noch warm und grotesk entstellt von entzündeten Wunden, die sich bis auf die Knochen durchgefressen hatten. Wir gaben ihm den Namen „Peace“ und hielten seine magere Pfote zum Abschied in den Händen.



Bis Mitternacht waren alle Bären abgeladen und für die Nacht in zwei langen Schutzzelten aus Kunststoff untergebracht.


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Ein perfekter Tag 
Nach den Schrecken auf dem Markt für lebende Tiere in Maoshan, wo wir vor einigen Wochen Zeugen der schrecklichen Misshandlungen von Hunden, Katzen und anderer Haustiere waren, wurden Christie, Rainbow und ich an diesem Osterwochenende Teil von etwas, was uns wieder unglaublich beflügelte.

Jiang Hong lud uns nach Xian ein, wo sie die dortige Tierschutzgruppe führt und eine Zuflucht für fast 170 Hunde und einige Katzen leitet. Sie hatte uns gebeten, bei einer ihrer „Straßenausstellungen“ mitzumachen. In unseren Ohren klang da ein wenig „Demonstration“ durch. Da kann man in China schon etwas besorgt sein.

Doch unsere Befürchtungen waren unbegründet – Jiang Hong wusste genau, was sie tat. Sie holte sich die Erlaubnis der Polizei – die nebenbei bemerkt die streunenden Hunde bei ihr abliefert, die sie auf den Straßen einfängt – und zusammen mit einer Gruppe Freiwilliger verkleideten sie sich als Haustiere und verteilten Handzettel. Ein Rudel von Rettungshunden mit wachen Augen, das die Notlage ihrer Rasse sichtbar machte war mit Transparenten und Postern und gemeinsam mit uns auf dem Weg zur Jin Hua Shopping Plaza.

Schnell baute Jiang Hong zwei Käfige auf, die denen ähnelten, die wir auf dem Markt von Maoshan gesehen hatten. Ein Freiwilliger und sie, beide als Hund verkleidet, kletterten dort hinein. Innerhalb von Sekunden waren Reporter und Fernsehkameras da, die um das beste Foto von dieser mutigen Frau stritten, die mit ihrer Botschaft Hunderte Menschen um sich herum ansprach.

Während sich Rainbow in die Menge stürzte und fotografierte, nutzen Christie und ich die Chance und fragten die Menschen nach ihrer Meinung. Die Antworten machten mich stolz … ein alter Mann sagte, wie traurig er darüber sei, wie grausam Hunde und Katzen in China misshandelt würden. Da seine Hunde sein Haus bewachten und die Katzen die Ratten fernhielten, habe er besonderes Mitgefühl für sie! Eine perfekte Antwort - nach Art der Chinesen! Eine Frau sagte, wie sehr sie die schlechte Behandlung von Tieren verachte, die so offensichtlich unsere Freunde seien und dass sie hoffe, dass diese Situation sich bald bessert. Die Meinungen ändern sich!

Jiang Hong und ihr Team sind nur eine von 39 Gruppen, die wir dieses Jahr unterstützen, damit sie ihre eigenen Flyer und sonstigen Materialien wie Banner und Poster für ähnliche Aktionen in ganz China erstellen können.

Popmusik schallte über den Platz. Als Jiang Hong in ihrem Käfig war und mit ihrem Aufruf begann, ertönte der einzige westliche Song dieses Tages. Es war „Proud“ von Heather Small – einer meiner Lieblingssongs. Ich stand und schaute auf diese bewundernswerte Gruppe von Menschen und hörte ihre Botschaft. Und dazu erklangen Heathers Worte: „Was hast Du heute getan, worauf Du stolz sein kannst?“ Der Tag hätte nicht besser sein können.

Heute haben wir vielleicht nicht die Welt für die Hunde und Katzen in China gerettet. Doch es war ein weiterer kleiner Schritt nach vorne. Ein Schritt, der zeigt, dass die Menschen hier wirklich den Wandel wollen.


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Großes Lob für Artikel über Bärenfarmen 
Ganz schnell ein paar Zeilen, um Ihnen tolle Neuigkeiten zu berichten! Ein Journalist aus Hongkong, der Monate damit verbrachte, über Bärenfarmen zu recherchieren, Farmen und unsere Rettungsstation in Chengdu zu besuchen, hat gerade den Hongkong Nachrichtenpreis in der Kategorie „Bester Text“ erhalten. Gut gemacht, Elsa! Wenn Sie die ganze Story lesen und die Übersetzung von Elsas preisgekröntem Bereicht lesen wollen, dann klicken Sie bitte hier.

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Mein Vorbild 
Jeder von uns hat ein Vorbild im Leben. Meines sah ich zum ersten Mal, als ich sechs Jahre alt war. Sie war der Star in dem unvergesslichen Film „Frei geboren“. Sie bewegte das Herz eines kleinen Mädchens und so begann meine lebenslange Tierliebe.

Vor siebzehn Jahren traf ich meine Heldin – Virginia McKenna – die gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Bill Travers eine Organisation gründete mit dem Ziel, Wildtieren mit dem ihnen gebührenden Respekt zu begegnen und Einrichtungen zu fordern, damit sie in Parks und Zoos nicht länger nur in Gefangenschaft leben müssen, sondern dass man auch ihren körperlichen und emotionalen Bedürfnissen nachkommt. Virginia, Bill, ihr gemeinsamer Sohn Will und alle Mitglieder der „Born Free Foundation“ haben so das Leben zahlloser Tiere verändert und auch unsere Wahrnehmung als Spezies Mensch diesen Tieren gegenüber.

Vor fast zwei Jahren besuchte Ginny unsere geliebten Bären in Chengdu, China. Das „Kind in mir“, das sie vor so vielen Jahren inspiriert hat, hüpfte dabei während ihres gesamten Besuches vor Stolz. Die Tage waren wunderbar warm und voll Sonnenschein und die Bären spielten im Gras ihre verrückten, Schwindel erregenden Spiele bevor sie herüberkamen um die Frau zu begrüßen, die mehr für sie getan hat, als sie je wissen können.

In der Nacht vor ihrer Abreise schob Ginny ein Blatt Papier mit einem Gedicht unter meiner Tür hindurch. Ihre Worte sprechen nicht nur von ihrer tiefen Verbundenheit mit den Bären und ihrem Verständnis vom Leid und dem Leben der Bären, sie geben auch jedem von uns einen Moment des Innehaltens, um darüber nachzudenken, warum wir durchhalten müssen.

Sanctuary

The moon I love the most
Is not the gleaming ball
Of iridescent light
Sailing the night sky.

The moon I love the most
Rides on the night-dark chests
Of wild black bears,
Sometimes pure white,
Or ivory or cream.
Its crescent marks these beasts
Sublimely. Tragically.

These are the chosen ones
Victims of man’s callous need
For cures. Bile in a bottle.
Elixir to end his pain.

But for the trapped moon bears
The pain is endless.
Taps turn. Tubes drip.
The cage an iron glove.
Torment is infinite.

Yet here around me,
At the Sanctuary,
There is the sweetest sight.
Bears play and sleep
And shuffle as they will.
They feel the air and smell the rain.
And learn that human-kind
Can be just that.

How humble we should be
To have their trust.
How steadfast we must be
To change men’s hearts
So all the crescent moons,
Imprisoned still,
Can shine once more.



Virginia McKenna OBE
10 May, 2006



Photo: ©M.Daines

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Von Bären in Alaska 
Viele von Ihnen wissen, dass ich oft unterwegs bin um Reden zu halten und Spenden zu sammeln. Dann kann ich natürlich nicht bei unseren Bären sein. Als ich während meiner Präsentationsreise in den USA im vergangenen Jahr die Möglichkeit erhielt, einige Tage mit wilden Bären zu verbringen, wurde deshalb für mich ein Traum Wirklichkeit. Nick Coti (Ex-Präsident des Juneau World Affairs Council) und Ken Leghorn (er ist jetzt bei Nature Conservancy und hat viele Jahre in Alaska für den Umweltschutz gearbeitet) brachten mich per Wasserflugzeug zum Pack Creek in der Hoffnung, dass wir ein paar Bären finden würden, die jetzt zu Beginn des Frühlings aus dem Winterschlaf erwachen.
Es war immer noch ungewöhnlich kalt für die Jahreszeit und der Schnee lag noch hoch. Daher blieben viele Bären vernünftigerweise noch in ihren Behausungen, die sie unter Baumstümpfen und in Höhlen haben.

Doch schon ein paar Augenblicke nach unserer Landung sahen wir in der Ferne am Strand einen Doppelgänger von „Cäsar“ (nach „Alaska-Art“) - ein junges Braunbärenmännchen, das sich von den Muscheln ernährte, die während der Ebbe im Sand sichtbar wurden. Ein wachsendes, wundersames Gefühl der Furcht befiel mich, so ganz in der Nähe eines echten wilden Braunbären zu sein. Einmal sogar schien es, als könnte er uns riechen oder als höre er etwas hinter sich im Wald. Denn er wurde plötzlich ganz aufmerksam und stellte sich abrupt auf seine Hinterbeine, wobei er sich umsah und schaubte. Doch offenbar war alles in Ordnung und er fraß weiter.



Nachdem er seinen Morgenschmaus beendet hatte, gingen wir dorthin, wo er gewesen war und sahen uns das Muschelgemetzel an. Eine Million Muschelschalen lagen wild über den Strand verteilt. Doch kaum eine war zerbrochen. Mit seinen riesigen Zähnen hatte er sie alle vorsichtig geöffnet und die unglücklichen Bewohner herausgesaugt. Die Abdrücke seiner Tatzen waren riesig und das Meerwasser machte daraus kleine Tümpel mit den Abdrücken der Klauen am Rand. Ich fraget Nick, ob er etwas dagegen habe, wenn ich dem Bären einen Namen gebe und er sagte, nur zu. Der Name Cäsar kam mir sofort in den Sinn, sozusagen als Ausgleich dafür, dass wir unserer chinesischen Braunbärin einen Männernamen gegeben haben, als wir sie retteten. Auch für diesen Bären hier schien der Name passend – ein junger Kerl und wahrscheinlich einer der ersten, der einen Namen hat.

Später während unseres kleinen Streifzugs stießen wir auf große Kothaufen mit Fetzen von Fell darin. In diesem harten Winter erging es dem Wild nicht gut. Stark geschwächt wanderte es von den schneebedeckten Bergen hinab an die Küste, um Seetang zu fressen. Für viele war das die letzte Mahlzeit. Wir sahen einige Überreste am Ufer liegen, wo sie vor Hunger gestorben waren. Doch in dieser rauen Gegend wird nichts vergeudet. Die Bären nahmen sich ihren Anteil und so blieben am Ende nur noch Beine und Hufe übrig.

Irgendwann sagte Ken leise: „Ich bin so froh, in Alaska leben zu können, denn hier scheint man so weit weg von den schrecklichen Problemen der Welt zu sein.“ In diesem Augenblick, an diesem unberührten wilden und freien Ort, wusste ich, Mutter Natur würde zustimmen.


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