Aufrecht stehend – jedenfalls fast  
Heute, Mittwoch, am späten Morgen, machte Watermelon seine Beine ganz lang und versuchte, aufzustehen! Er hat es nicht ganz geschafft, aber er hat es versucht!

Das war wahrscheinlich das erste Mal seit vielen Jahren, dass er genug Platz hatte, um seine vier Beine auszustrecken. Mehr später… und schicken Sie uns bitte auch weiterhin Ihre positiven Gedanken!

  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


Ein bitteres Ende für „Treacle”  
Nach dem Kummer, den wir mit „Peace” erlebten, wollten wir so gerne etwas Erfreuliches berichten, auch um unser Team hier in Chengdu wieder etwas aufzurichten. Offensichtlich sollte es aber nicht so sein. Bei so vielen kranken und verletzten Bären war uns klar, dass das wichtigste zunächst war, ihre Leiden zu lindern. Aber, leider, wussten wir auch, dass wir bei dabei mit großer Wahrscheinlichkeit am Ende des Tages auch mit einer weiteren Autopsie rechnen mussten.

„Treacle” war einer dieser Bären, so krank, dass es wirklich schwer ist, darüber zu schreiben, ohne in fast gewaltsame laute Anklagen gegen diejenigen Menschen zu verfallen, die für diese Verzweiflung verantwortlich sind. Als er von unseren Männern vom LKW abgeladen wurde, schien es ihm nicht so schlecht zu gehen. Er verschlang einen Fruchtcocktail und trank gierig Wasser wie ein Tier, das offensichtlich niemals die freie Wahl über etwas so einfaches wie Essen und Trinken hatte.



Aber früh am nächsten Morgen lag Treacle (der Name heißt übersetzt Sirup - wir gaben ihm diesen Namen, weil sein Blut durch die Austrocknung ganz dick war), vornüber gebeugt in seinem Käfig voller Blut, das aus seiner „Fistula“ in seinen Bauch strömte. Blut, das davor in seine Galle gesickert war.

Wir hatten ihn ganz oben für einen ersten Gesundheitscheck vorgemerkt, noch vor anderen kranken Bären. Treacle (auf dem Foto mit unserer Senior Tierärztin Heather auf der rechten Seite) wurde betäubt und lag auf einem der Durchgänge unseres Plastikzeltes, als die Untersuchung begann. Dieser Schock, den wir beim Anblick eines Bären, der von Menschen auf einer der Farmen geschlachtet wurde, ließ uns alle verstummen. Menschen, die sich nicht ein Jota um dieses fühlende, intelligente Tier in ihren brutalen Fängen kümmern.

Seine Eckzähne waren abgehackt worden – mitsamt der Pulpa und seine Nerven lagen bloß. Ein schwarzes entzündetes Loch hatte sich seinen Weg in seinen Oberkiefer und die Stirnhöhlen gebohrt und entsetzliche Schmerzen verursacht. Die Spitzen seiner Tatzen waren abgehackt worden, damit die Krallen nie mehr nachwachsen und die brutalen Galleabzapfer verletzen könnte. Und an der brüchigen, wie zerbröckelt aussehenden und schlecht riechenden Haut auf der Unterseite seiner Tatzen, seinen Fußsohlen, kann man erkennen, dass dieser arme Bär seit Jahren nicht mehr auf festem Boden gelaufen ist.

Das Schockierendste von allem war das gigantische Ausmaß seiner Leber, die sofort auf dem Ultraschallgerät sichtbar wurde... und das enthüllte, was für uns zur “Norm” bei Farmbären geworden ist - nicht operable Tumore. Als wir Treacle auf dem Boden liegend einschläfern mussten, ohne je im Frühling herumgetollt zu haben und umgeben von den einzigen Freunden, die er jemals hatte, brachen wir alle in Tränen aus.

Die Obduktion, von der wir annahmen, dass sie erst spät am Abend abgeschlossen sein würde, wurde in Rekordzeit beendet. Als Heather, unsere Senior Veterinärin, ihre Instrumente aus der Hand gab, drehte sie sich zu mir um und sagte: „Wir haben zuviel Erfahrung in diesen Dingen“. Wie traurig ist es doch, dass sie damit Recht hat.



  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


Schritt für Schritt 
Es ist Mittwochmorgen, sehr früh, und unser lieber, lieber Bärenjunge, Watermelon, befindet sich inzwischen in einem Erholungskäfig, der in etwa zweimal so groß ist wie der alte, in dem er ankam. Er hat es sich selbst gemütlich gemacht und ein kuscheliges Nest aus den grünen Zweigen gebaut, die wir auf seinen Käfig gelegt hatten. Er fängt auch schon an, ein wenig von dem nahrhaften Futter zu fressen, das unser fabelhaftes Bärenküchen-Personal vorbereitet hat – Früchte, Gemüse und spezielles Bärentrockenfutter. Er frisst und trinkt noch immer nicht so viel, dass Heather, unsere Senior Tierärztin, ihn außer Gefahr erklären würde, aber immerhin – er versucht es.


  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


"Watermelon" – ein Symbol der Hoffnung  
Es tut mir leid, dass ich Sie immer nur in Teilen informieren kann – ich fürchte, unsere Internetverbindung war in den letzten Tagen etwas „launisch“…

Es ist späte Dienstag Nacht und wir haben nun den ganzen Tag gebraucht, um die Bären zu begutachten und ihren Zustand einzuschätzen, so dass wir die zuerst behandeln können, die am dringendsten medizinische Versorgung brauchen. Es tut mir so leid, dass wir immer neue Horrorgeschichten berichten müssen. Jetzt aber möchte ich eine hoffnungsvolle Geschichte mit Ihnen teilen.

Nach nur wenigen Stunden Schlaf in der vergangenen Nacht waren unsere Tierärzte und Pflegerinnen schon wieder ganz früh auf, um nach unseren Neuankömmlingen zu sehen. Die Bären mit ganz besonders schlimmen Schmerzen waren mit Schmerzmitteln versorgt worden, damit sie die Nacht besser überstehen.



Einer dieser Bären war ein hübscher junger Bär, dem wir den Kosenamen „Watermelon“, also Wassermelone, gegeben haben. Bei seiner Ankunft litt dieser tapfere Junge offensichtlich sehr unter lähmenden Rückenschmerzen. Man hatte ihn in einen winzig, winzig kleinen Käfig gestopft, und er hatte kaum noch die Kraft, leise zu wimmern und… zu atmen.

Watermelon lag vor Schmerz gekrümmt auf einer Seite, seinen prachtvollen Kopf flach gegen die harten Gitterstäbe gepresst und aus seinem Bauch triefte eine Mischung aus Galle, Blut und Eiter. Seine linke Vorderpfote hing zwischen den grässlichen Gitterstäben auf den blanken Boden hinaus, der einzige Platz, der ihm blieb. Eine unbeschreibliche Freundlichkeit lag über diesem schönen Bär, die uns fast das Herz brach. Sein Atem war beängstigend flach, und tief aus seinen klagenden, braunen Augen sprach großes Leid.



Sobald die Bären in ihren grauenvollen Käfigen, die wir mit Draht gesichert hatten (um unsere Arbeiter zu schützen), von den LKWs abgeladen waren, brachten wir sie in eines der Plastikzelte. Dort sollten sie die erste Nacht verbringen. Während unser Tierärzte-Team schnell ihre Verletzungen begutachtete, brachten unsere Bärenpfleger Körbe mit frischen Früchten und nahrhaften Bärenpellets, Fruchtshakes und Wasser. Die meisten der hungernden Bären griffen verzweifelt nach den Körben und schluckten wie verzweifelt die Flüssigkeit herunter.

Aber für Watermelon war das schon zuviel Anstrengung. Seine entsetzlichen Rückenschmerzen hielten ihn sogar davon ab, auch nur den Kopf zum Fressen anzuheben. Die Tierärzte waren über seinen Zustand äußerst besorgt; wenn ein hungriger Bär so wenig Reaktion beim Anblick von Futter zeigt, dann ist das ein sehr besorgniserregendes Zeichen.

Inmitten des ganzen Tumults bemerkte eine unserer Bärenpflegerinnen, dass Watermelon nichts aß und bot ihm ein Stückchen Apfel an, dann etwas Banane auf einem langen Spieß. Mit geweiteten Augen schnupperte er an der Frucht, aber er aß noch immer nicht davon. Bis sie ihm vorsichtig ein saftiges Stückchen Wassermelone an seine Lippen hielt. Da endlich öffnete dieser wunderschöne Bärenjunge langsam sein Maul und knabberte an dem zarten Fruchtfleisch – mit Sicherheit die köstlichste Frucht, die er jemals gegessen hat. Sein Wimmern wurde langsam etwas weniger. Ich möchte so gerne glauben, dass diese klein, ihm erwiesene Freundlichkeit ihm die Kraft gab, um sein Leben zu kämpfen.

Aber diese erste Nacht war eine sehr lange für Watermelon und das AAF-Team. Mit vielen Ängsten, dass er zu schwach sein könnte, um zu überleben. Wir alle stießen einen Seufzer der Erleichterung aus, als er heute Morgen noch am Leben war. Watermelon war einer der ersten Bären, die eine Notfalluntersuchung erhielten und, obwohl wir eine ganze Reihe schlimmer Verletzungen entdecken mussten (man hat ihm seine Zähne brutal im Mund zerschmettert und an seinem Rückgrat sind schlimme Quetschungen), fand unser Vet-Team keine Anzeichen für Krebs, was unsere größte Sorge gewesen war.


  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


„Peace“ – ein Symbol der Schande 
Heute war für jeden hier ein hektischer und Herz zerreißender Tag. Deshalb nur ganz schnell ein paar Zeilen, leider sind es noch mehr schlechte Nachrichten. Zwei weitere schöne Bären sind heute gestorben. Einen mussten wir einschläfern, um ihn von seinen Schmerzen zu erlösen. Der andere hielt es einfach nicht mehr länger aus – und wer könnte ihm das vorhalten?

Mehr Einzelheiten werde ich Ihnen berichten, sobald ich etwas freie Zeit habe. Doch jetzt möchte ich gemeinsam mit Ihnen „Peace“ gedenken und würdigen – diesen armen Bären, der leider letzte Nacht bereits tot bei uns ankam. Unsere Tierärztin Dr. Kati Loeffler hat diese Zeilen geschrieben. Wie sie dafür die Zeit gefunden hat, kann ich nicht sagen. Denn zusammen mit dem Team hat sie praktisch durchgearbeitet.

Auf dem Bild unten ist die abgestorbene, skelettierte Tatze Peace zu sehen. Er war nur noch zum Sterben auf der Farm. Man ließ ihn ohne Wasser und Nahrung. Da er keinen Gallensaft mehr gab, war er wertlos geworden. Hier nun die Worte von Kathi:

Peace war ein asiatischer Schwarzbär, der auf dem Lastwagen auf der Fahrt von der Gallenfarm zur Rettungsstation der AAF gestorben ist. Er lag zusammengekrümmt in seinem winzigen Käfig, der ihm zum Sarg wurde. Sein abgezehrter Kopf lehnte gegen das eine Ende und seine rechte Vorderpfote hing zwischen den Stäben hervor, so als ob er noch jemanden bitten wollte, seine Leiden zu beenden.

Man hätte es nicht für möglich gehalten, dass so ein ausgemergelter Körper lebensfähig war. Seine Augen lagen tief eingesunken n seinem Schädel, klein und leblos und gelb unterlaufen. An der rechten Hintertatze war kein Fleisch mehr vorhanden. Die Zehenknochen lagen bloß und die faulende, ledrige Haut hing faltig darüber wie eine Socke, die gerade abfallen will. Tiefe Furchen im Fleisch seiner rechten Vorderpfote lassen darauf schließen, dass Peace diese Tatze selbst zerbissen hat, um die Agonie seines Körpers nicht zu fühlen.

Bei der Öffnung des Bauchraums fanden die Tierärzte seine Leber von Krebs zerfressen, die Oberfläche seiner Gallenblase voller Polypen, die Gallenflüssigkeit dickflüssig vor Wassermangel und Hunger. Sein Gewebe war wegen des Versagens der Leber ganz gelb und Gallensaft sickerte in den Bauchraum. Dieser Bär hat unvorstellbare Schmerzen erlitten. Seine letzte Bitte ging unter im Lärm des Dieselmotors eines Lastwagens, der ihn nicht rechtzeitig zu der einzigen Hilfe bringen konnte, die er jemals hätte haben können.


  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung



Zurück Weiter