Vertraut werden mit unseren Neuankömmlingen  
Es ist nun zwei Wochen her, dass unsere 28 Bären der Hölle auf den Bärenfarmen entkommen konnten. Für elf dieser Bären kam leider jede Hilfe zu spät und in ihrem Fall lag das Entkommen in einem viel zu frühen Tod, ohne jemals zu erfahren, was Freiheit und Liebe bedeuten, etwas, das wir ihnen so gerne gegeben hätten.

Die 17 überlebenden Bären sind sehr wertvoll für uns und wir sind fest entschlossen, alles zu tun, um sie zu retten, damit es für sie noch eine Zukunft gibt.

Dieses Wochenende sagten wir Jen O’Dwyer, unserer lieben Tierärztin aus Australien “Auf Wiedersehen”. Sie kam aus unserem Rettungszentrum in Vietnam zu uns nach Chengdu, um uns bei der Rettung zu helfen. (Sie können Jen auf dem Foto sehen, in Blau, während wir die Gräber für die verstorbenen Bären vorbereiten.)



Nach immer neuen Gesundheitschecks, Operationen, Obduktionen und Beerdigungen war Jen froh über ein bisschen freie Zeit, um sich unserer neuen Mitbewohner in Ruhe etwas näher kennen zu lernen, bevor sie wieder nach Tam Dao zurückkehrt.

Hier in Jens eigenen Worten:

„Es ist so wunderbar, einfach so ein bisschen Zeit mit den Bären zu verbringen, bei ihnen zu sitzen, mit ihnen zu reden und sie dabei den Geruch von Kaffee in meinem Atem riechen zu lassen (was sie wirklich mögen). Oder sie zu dabei zu beobachten, wie sie die Zweige zerlegen… oder ‚Flipper’ beim flippen zuschauen, wie er seine Futterschüssel hin und her schiebt, stundenlang. So etwas Einfaches und doch beschäftigt ihn der Geruch der Schüssel, wie sie sich anfühlt und wie sie sich bewegt.

‚Watermelon’ geht es von Tag zu Tag besser. Sie hat sehr sanfte, seelenvolle Augen und ist schon glücklich, wenn sie nur dasitzen kann und von jemandem angesprochen wird, das ist immer sehr schön. Der arme alte ‚Plug’ ist noch immer sehr, sehr wütend, aber wir alle geben unser bestes, ihn mit Früchten, die wir zuvor in Honig getaucht haben, zu beruhigen!

Es sieht so aus, als ob die meisten unserer Neuankömmlinge nun ihren Frieden darin gefunden haben, bei uns zu sein und anfangen zu begreifen, dass dies der Anfang vieler guter Dinge ist, die hier noch auf sie warten!“


  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


„Watermelon" lernt zu stehen 
Nach meiner letzten niederdrückenden Meldung kann ich nun doch eine ermutigende Nachricht von „Watermelon" bringen. Dieser gut aussehende Kerl hat über die letzten paar Tage gelernt zu stehen!

Zuerst schoben wir sein Stroh durch die Stäbe seines Käfigs, damit er sich daraus ein „Nest" bauen kann. Dann schoben wir es oben hinein, um ihn zu ermutigen, seine Pfoten zu strecken. Jetzt balanciert er auf allen vieren und ist in der Lage, eine Pfote voll Stroh von oben herunterangeln.

Noch kann er nicht lange stehen. Doch die Tatsache an sich ist wunderbar. Bis er völlig gesund sein wird, liegt zwar noch ein langer Weg vor ihm. Doch bereits jetzt interessiert er sich schon viel mehr für alles, was um ihn herum geschieht.


  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


Elf tote Bären bis heute 
Elf der neu angekommenen Bären sind inzwischen tot – jeder von ihnen ein Opfer der frei tropfenden Methode des Galleabzapfens, von den Bärenfarmern (und auch einigen Beamten) als human gepriesen. Jeder der Bären hat an unbeschreiblichen Schmerzen gelitten, lange.

Alle elf Bären waren voll mit Leberkrebs – in einigen von ihnen machte der faulige Tumor zehn Prozent ihres gesamten Körpergewichts aus.

Unser einziger Trost besteht darin, dass ihr Leiden jetzt ein Ende hat.



Ich sah bei den Obduktionen unseren Tierärzten dabei zu, wie sie diese gemeinen Gewächse herausschnitten und dabei durch fauliges, verwestes Fleisch schneiden mussten, und mir fehlen einfach die Worte zu erklären, wie diese Geschöpfe mit einem solchen Leid leben können – und ich meine damit sowohl ihr seelisches als auch körperliches Leid. Jedes andere Tier wäre dieser Qual schon längst erlegen.

es ist mir auch völlig unverständlich, dass Menschen freiwillig die verrottete Galle konsumieren, die aus diesen von Schmerzen zerstörten und vergifteten Körpern quillt.

Ein Mensch, der mir zustimmt, ist der lokale chinesische Pathologe, der ebenfalls die Krebstumore untersucht hat. Vielleicht werden eines Tages diese von uns gesammelten, schockierenden Beweise eine Umkehr bewirken, ich bete jeden Tag dafür.

  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


Beamtin aus Peking besucht die Bären 
Für mich und Toby, den Leiter unserer chinesischen Rettungsstation 8der auch der Verhandlungsführer mit der Regierung ist), war dies ein arbeitsreiches Wochenende. Wir flogen nach Peking zu einem dringenden Meeting mit der China Wildlife Conservation Association (CWCA). Das ist eine Abteilung der staatlichen Forstverwaltung und unseres Ansprechpartners in der Zentralregierung.

Toby hat 30 Fotos ausgedruckt, die die Schrecken der letzten Woche dokumentieren. Ja, unser wichtigstes Ziel war es, zu schockieren. Die breite Verteilung dieser Bilder ist die Möglichkeit, diese schrecklichen Grausamkeiten zu beenden. Auch ins Zentrum der Politik – nach Peking.

Frau Yang Baijin – die neue Generalsekretärin des CWCA – zeigte sich erschüttert, aber kontrolliert. Sie hörte sich unsere zweistündige Schilderung des wahrhaft beschämenden Zustandes der Bären an, die zuletzt zu uns gekommen sind. Aber auch wie die Farmer immer wieder betrügen. Das hat sie offensichtlich überzeugt. Frau Yang willigte ein, Ende dieser Woche unsere Rettungsstation zu besuchen, um sich selbst ein Bild von dem schrecklichen Zustand der überlebenden Bären zu machen.

Ein kleiner, aber bedeutender Schritt. Dann dadurch können wir das Entsetzen, dass alle Leser dieses Blogs empfunden haben, aber auch die Schande, die die Bärenfarmen wieder über dieses schöne Land gebracht haben, an sie weitergeben.

Heute Morgen blieb ich noch ein paar Stunden länger in Peking, um an einem Brunch mit Olivia Newton-John teilzunehmen, die uns schon jahrelang unterstützt. Sie hat den Krebs überlebt und ihre Schönheit zeigt sich nicht nur in ihrem Gesicht, sondern auch in ihrem Herzen. Jetzt marschiert sie für 21 Tage entlang der Großen Mauer in China, um Geld für ein sehr spezielles Krebshospiz in Melbourne in Australien zu sammeln. Während des Brunches konnten wir mehrmals miteinander sprechen. Als sie von unseren neuesten Fällen von Leberkrebs hörte, sagte sie leise… „Wir müssen mehr tun“.

Doch jetzt hat sie sich entschlossen, erst einmal für die an Krebs leidenden Menschen zu laufen. Wir wünschen ihr von ganzem Herzen die Kraft und den Erfolg, damit sie die so verzweifelt benötigte Aufmerksamkeit und das nötige Geld findet. Bitte unterstützen Sie Olivia dabei und klicken Sie hier .

Jetzt sitze ich am Flughafen in Peking und warte auf meinen Flug nach Vietnam. Ich freue mich schon auf die Eröffnungsfeier unserer neuen Quarantänestation und das Krankenhaus, für die Bären in unserer Rettungsstation im Tam Dao Tal, 70 km nördlich von Hanoi. Nachdem Bärenfarmen in Vietnam nun offiziell als ungesetzlich erklärt wurden, hoffen wir, dass China diesem Vorbild bald folgen wird.

Tuan ist unser Vietnam Direktor. Er und unser Team dort haben so hart gearbeitet, damit alles rechtzeitig fertig wird. Schon in ein paar Wochen erwarten wir rund 80 Bären aus den umliegenden Farmen. Doch in Wahrheit ist es hart, zu feiern und täglich an die Bären in Chengdu denken zu müssen. Daran, wie viele wohl noch in der kommenden Woche sterben müssen. Morgen, spät abends, werde ich wieder bei unseren Leuten sein, die in der letzten Woche soviel Kummer und Leid aushalten mussten, dass es für ein ganzes Leben reicht.

  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


Wenn alle Hoffnung verloren scheint… 
Die Gesundheitschecks gehen weiter und unsere Angst wächst, dass wir uns von noch mehr Bären verabschieden müssen, die Montagnacht zu uns gekommen sind. Unsere Gefühle kann man schwer in Worte fassen. Doch vielleicht muss ich das auch nicht. Ich bin sicher, Sie versteht es.
Doch etwas lässt uns trotzdem, zumindest kurz, lächeln – unsere liebenswerten Bewohner, wie sie eifrig in ihren Gehegen spielen. Sie erinnern uns jeden Tag daran, nicht aufzugeben.
Als Mafi zuerst zu uns kam, war sie ein einziges furchtsames Bündel. Stereotypisch schaukelte sie in ihrem Käfig vor und zurück. Den Tierärzten blieb nur noch übrig, ihr Früchte mit einem Beruhigungsmittel darin zu geben, damit sich ihr armer gequälter Geist etwas erholen konnte.
Heute ist diese prächtige Bärin einer der Clowns hier in der Rettungsstation. Sie lässt keine Gelegenheit für einen Schabernack aus. Besonders, wenn sie dabei Publikum hat! Ihr beliebtester Zeitvertreib ist „ihre“ Schaukel, wo sie das Gefühl der Freiheit einsaugen kann, das ihr so lange vorenthalten wurde.
Mafi bedeutet „Vergebung“ in Hindi. Sie hat nicht zugelassen, dass die dunklen Wolken der Vergangenheit ihr jetzt den Sonnenschein rauben.



  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung



Zurück Weiter