Weitere fünf kämpfen ums Überleben 
Schweren Herzens verlasse ich heute Chengdu um für einige Präsentationen nächste Woche nach Deutschland zu fliegen. Der Abschied von den Bären und dem Team macht mich immer traurig – besonders jetzt. Denn die letzten Wochen waren für uns alle hart.

Bären wie Poodley, Watermelon und sogar der zornige Plug sind „stabil“. Doch andere nicht. Besonders fünf machen Heather und dem Tierärzteteam schwere Sorgen: Sarah, Rasta, Suki, Eeyore und Flipper. Diese fünf wurden zur Vorsicht im dritten Folienzelt in Quarantäne gesteckt, damit mögliche Viren nicht die anderen Bären anstecken können.

Wie Plug sind auch wir voll Zorn. Denn wir glauben, dass der Farmer von der geschlossenen Bärenfarm uns betrogen hat und alle gesunden Bären gegen kranke und sterbende Tiere aus umliegenden Farmen ausgetauscht hat. Er fühlt sich wohl sehr clever.

Doch während er sein Geld zählt , sollte er wissen, dass wir es keineswegs bedauern nicht, für diese armen Tiere bezahlt zu haben, die durch seine Grausamkeit gebrochen und zerstört wurden. Wenigstens hatten wir die Möglichkeit, ihr armseliges, schmerzenreiches Leben zu beenden. Die Geschichte dieser Bären hört inzwischen die ganze Welt. Die Medien sind schockiert und stellend die Schande bloß, die diese von Gier getriebene Industrie bringt. Diesmal könnte der Farmer auch etwas zu clever gewesen sein, denn auch die Vertreter der Behörden sind schockiert.

Die Leber von elf Bären, jede drei mal so groß wie normal, das stinkende, faulige Gewebe, an dem kaum ein Gramm als „gesund“ bezeichnet werden kann, sind für uns und Ärzte hier in China ein weiterer Beweis. Welcher Mensch bei klarem Verstand würde Gallensaft von einem so kranken Tier einnehmen? Der Nachweis, dass dadurch die menschliche Gesundheit massiv beeinträchtigt wird, wird damit immer klarer.

Jetzt müssen wir die übrigen Bären Schritt für Schritt wieder aufbauen. Nicht nur ihre Körper, sondern auch ihre Seelen.

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Unsere wertvollen Überlebenden 
Die Folienzelte sind unsere Quarantänestation – bald hört man dort auch wieder Lachen. Die abgemagerten, verängstigten und verständlicherweise oft aggressiven Ankömmlinge von vor zwei Wochen verändern sich.

Das Herz hüpft vor Freude, wenn man ihren wahren Charakter erkennt, der ganz langsam aus tiefstem Inneren hervor scheint - und wenn man weis, dass aus ihnen, hoffentlich schon bald, ebensolche Spitzbuben werden wie Jasper, Banjo und Woodley, die wir inzwischen so ins Herz geschlossen haben.

Poodley, der so genannt wurde, weil er eine Kopie unseres Woodley sein könnte mit seinem schelmischen flachen Gesicht, seinem gedrungenen breiten Körper und seiner Gier nach Futter aller Art und jeden Geschmacks, entwickelt sich rasch zu unserem Liebling. Oh Schreck! Schon wieder dieses Wort, wo wir im Team uns doch versprochen haben, keine Lieblinge zu haben. Na, sei’s drum. Dieser kleine Kerl ist einfach zu so tapfer.




Sein Leistenbruch, seine schmerzenden, ausgetrockneten und aufgerissenen Tatzen – gepaart mit einem Selbstbewusstsein so groß wie China -, hindern Poodley nicht daran, mit schmatzenden Lauten um Aufmerksamkeit zu heischen. Damit bettelt er um weitere Gummibärchen, die ich in meiner Hosentasche verstecke. Wenn ich sehe, wie er wie ein frohes Kind mit grünen Blättern und Zweigen spielt, meine ich fast, dass er und die anderen Überlebenden wohl eher uns aus dieser wohl traurigsten Zeit unseres Lebens gerettet haben.

Am Ende des Korridors sehe ich unsere leitende Tierärztin Heather wie sie versucht, dem armen zornigen Plug seinen fünften Frucht-Honig Shake des Tages zu servieren.




Er schlägt nun nicht mehr beständig nach dieser schrecklichen Person, von der er annimmt, dass sie ihn wohl aufs Neue verletzen will. Langsam begreift er etwas von der Hingabe und der Liebe die Heather, unsere Tierärzte und unsere Bärenteams ihm so gern geben wollen. Ich schwöre – einmal sah ich, wie er die Augen zufrieden zumachte – nur für eine oder zwei Sekunden – bevor aus ihnen wieder Furcht und Misstrauen blitzten.

Wir gehen weiter zu Watermelon, um zu sehen, wie sie aus ihrem Nachmittagsschlaf erwacht. Wir alle sind uns einig, dass irgendetwas mit diesem Schatz von einem Bär nicht in Ordnung ist. Etwas, das noch neben den anfänglichen Problemen mit der Beweglichkeit seine Gesundheit beeinträchtigt.




Ähnelt er etwa Rupert? Hat er etwa auch einen Gehirnschaden wie unser wunderhübscher Bär mit dem kleinen Hirn, der vor mehr als sieben Jahren zu uns kam und nun zufrieden in dem speziellen Pflegebereich in der Rettungsstation lebt? Warum bewegt er seinen Kopf so seltsam und schaut nicht auf uns oder auf das Futter direkt vor ihm? Und warum ist er der einzige Bär auf der ganzen Welt, der mein letztes Gummibärchen in meiner Tasche verschmähte?

Einen Augenblick später nuckelt er zufrieden an einem von Heathers speziellen Shakes. Es geht halt doch nur Schritt für Schritt vorwärts.

Und am anderen Ende des Gangs wartet ein kleiner Bär schon darauf, dass das letzte Gummibärchen nicht verloren geht.

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Vertraut werden mit unseren Neuankömmlingen  
Es ist nun zwei Wochen her, dass unsere 28 Bären der Hölle auf den Bärenfarmen entkommen konnten. Für elf dieser Bären kam leider jede Hilfe zu spät und in ihrem Fall lag das Entkommen in einem viel zu frühen Tod, ohne jemals zu erfahren, was Freiheit und Liebe bedeuten, etwas, das wir ihnen so gerne gegeben hätten.

Die 17 überlebenden Bären sind sehr wertvoll für uns und wir sind fest entschlossen, alles zu tun, um sie zu retten, damit es für sie noch eine Zukunft gibt.

Dieses Wochenende sagten wir Jen O’Dwyer, unserer lieben Tierärztin aus Australien “Auf Wiedersehen”. Sie kam aus unserem Rettungszentrum in Vietnam zu uns nach Chengdu, um uns bei der Rettung zu helfen. (Sie können Jen auf dem Foto sehen, in Blau, während wir die Gräber für die verstorbenen Bären vorbereiten.)



Nach immer neuen Gesundheitschecks, Operationen, Obduktionen und Beerdigungen war Jen froh über ein bisschen freie Zeit, um sich unserer neuen Mitbewohner in Ruhe etwas näher kennen zu lernen, bevor sie wieder nach Tam Dao zurückkehrt.

Hier in Jens eigenen Worten:

„Es ist so wunderbar, einfach so ein bisschen Zeit mit den Bären zu verbringen, bei ihnen zu sitzen, mit ihnen zu reden und sie dabei den Geruch von Kaffee in meinem Atem riechen zu lassen (was sie wirklich mögen). Oder sie zu dabei zu beobachten, wie sie die Zweige zerlegen… oder ‚Flipper’ beim flippen zuschauen, wie er seine Futterschüssel hin und her schiebt, stundenlang. So etwas Einfaches und doch beschäftigt ihn der Geruch der Schüssel, wie sie sich anfühlt und wie sie sich bewegt.

‚Watermelon’ geht es von Tag zu Tag besser. Sie hat sehr sanfte, seelenvolle Augen und ist schon glücklich, wenn sie nur dasitzen kann und von jemandem angesprochen wird, das ist immer sehr schön. Der arme alte ‚Plug’ ist noch immer sehr, sehr wütend, aber wir alle geben unser bestes, ihn mit Früchten, die wir zuvor in Honig getaucht haben, zu beruhigen!

Es sieht so aus, als ob die meisten unserer Neuankömmlinge nun ihren Frieden darin gefunden haben, bei uns zu sein und anfangen zu begreifen, dass dies der Anfang vieler guter Dinge ist, die hier noch auf sie warten!“


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„Watermelon" lernt zu stehen 
Nach meiner letzten niederdrückenden Meldung kann ich nun doch eine ermutigende Nachricht von „Watermelon" bringen. Dieser gut aussehende Kerl hat über die letzten paar Tage gelernt zu stehen!

Zuerst schoben wir sein Stroh durch die Stäbe seines Käfigs, damit er sich daraus ein „Nest" bauen kann. Dann schoben wir es oben hinein, um ihn zu ermutigen, seine Pfoten zu strecken. Jetzt balanciert er auf allen vieren und ist in der Lage, eine Pfote voll Stroh von oben herunterangeln.

Noch kann er nicht lange stehen. Doch die Tatsache an sich ist wunderbar. Bis er völlig gesund sein wird, liegt zwar noch ein langer Weg vor ihm. Doch bereits jetzt interessiert er sich schon viel mehr für alles, was um ihn herum geschieht.


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Elf tote Bären bis heute 
Elf der neu angekommenen Bären sind inzwischen tot – jeder von ihnen ein Opfer der frei tropfenden Methode des Galleabzapfens, von den Bärenfarmern (und auch einigen Beamten) als human gepriesen. Jeder der Bären hat an unbeschreiblichen Schmerzen gelitten, lange.

Alle elf Bären waren voll mit Leberkrebs – in einigen von ihnen machte der faulige Tumor zehn Prozent ihres gesamten Körpergewichts aus.

Unser einziger Trost besteht darin, dass ihr Leiden jetzt ein Ende hat.



Ich sah bei den Obduktionen unseren Tierärzten dabei zu, wie sie diese gemeinen Gewächse herausschnitten und dabei durch fauliges, verwestes Fleisch schneiden mussten, und mir fehlen einfach die Worte zu erklären, wie diese Geschöpfe mit einem solchen Leid leben können – und ich meine damit sowohl ihr seelisches als auch körperliches Leid. Jedes andere Tier wäre dieser Qual schon längst erlegen.

es ist mir auch völlig unverständlich, dass Menschen freiwillig die verrottete Galle konsumieren, die aus diesen von Schmerzen zerstörten und vergifteten Körpern quillt.

Ein Mensch, der mir zustimmt, ist der lokale chinesische Pathologe, der ebenfalls die Krebstumore untersucht hat. Vielleicht werden eines Tages diese von uns gesammelten, schockierenden Beweise eine Umkehr bewirken, ich bete jeden Tag dafür.

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