Noch mehr Familienhunde gerettet 
Es ist Mittwoch. Wir haben noch sieben weitere Anrufe über die Hotline erhalten und jetzt stehen wir mitten unter 22 Hunden, die uns in Dujiangyjang übergeben wurden. Es ging zu wie im Tollhaus - Mitten im Chaos Heather, Judy und Christie bei den Gesundheitschecks, Impfungen, Registrierungen und Kennzeichnungen. Christie, Rainbow und Suki sorgten für einen geregelten Ablauf. Sie fotografierten und versicherten den Hundebesitzern, dass es ihren Lieblingen gut gehen wird.

Toby hat die Verwaltungsarbeiten in unserem Bärenzentrum etwas zurückgestellt und schleppt stattdessen zusammen mit Pan Qi, unserem Bärenpfleger, und Li He, unserem Fahrer, schwere Käfige.



Aus irgendeinem Grund fühlte ich das Bedürfnis, zu dem Markt für Haustiere zurück zu gehen, bei dem wir schon am Sonntag waren. Es war nur so ein Gefühl, dass da „noch etwas“ ist. Das „etwas“ war ein struppiger Collie in einem Käfig. Als wir mit Heather, der Tierärztin und Judy und Rainbow, die sich freiwillig gemeldet hatten, dort ankamen, fanden wir ihn. Er hatte Staupe und lag im Sterben. So ein lieber Hund. So krank und doch so ruhig. Als Judy ihn vorsichtig aus seinem Käfig befreite, wedelte er ein paar Sekunden lang mit dem Schwanz.

Ich rief Christie an und fragte sie, ob sie ihm einen Namen geben möchte. Sie wählte „Wish“ (Wunsch), um ihren eigenen Wunsch zu bezeichnen, dass die Leiden der Menschen und Tiere bald zu Ende sein mögen. Heather gab ihm vorsichtig die erlösende Spritze und wir alle streichelten ihn und flüsterten Worte des Abschieds und der Liebe.
Danach eilten wir zurück zur Rettungsstation. Wir waren dankbar, dass Fiona und Callais vom SPCA in Hongkong uns an diesem Tag beistanden. Wir hatten bereits Medikamente und Tiermedizinen von ihnen erhalten und jetzt waren sie auch noch hier, um in unserer Abwesenheit mit dem Strom der ankommenden Hunde fertig zu werden. Eine fantastische Unterstützung!

Eine Frau mit einem ausnehmend schönen Tibeter war außer sich vor Kummer. Sie erzählte uns, dass ihr Hund die „Nummer eins“ in ihrem Leben sei und jeder in ihrem nun zerstörten Zuhause dies wusste. Unterbrochen von tiefem Schluchzen sagte sie uns, dass er alles für sie bedeute und dass sie sich so schlecht fühle, wenn sie ihn nun verlasse. „Er will nicht fressen“, sagte sie. „Er weiß, dass ich ihn bald alleine lasse.“ Wie um ihre Worte zu unterstreichen, drehte der herrliche Hund mit seinen warmen braunen Augen den Kopf weg von dem Leckerbissen in ihrer Hand.

Nach ihr erzählte uns ein Mann mit einer hochträchtigen Pinscherdame, dass seine Hündin nun schon fünf Tage Wehen haben und über ihrem Termin sei. Heather machte sofort ein Auto bereit, damit Judy und sie in die Rettungsstation zurückfahren konnten, um dort einen Kaiserschnitt vorzunehmen. Bereits Augenblicke nach diesem Vorfall erhielten wir eine weitere trächtige Hündin. Damit waren es zwei, die dringend operiert werden mussten.



Das war vielleicht ein Nachmittag, doch er war noch nicht vorbei! Als Heather und Judy mit ihren Patienten abfuhren, verlud der Rest des Teams die übrigen 20 Hunde auf den Lastwagen und los ging’s zum Tierheim von Frau Qiao Na. Ihr Bruder Qiao Wie hat, seit wir ihn vor zwei Tagen zuletzt sahen, praktisch nonstop gearbeitet und so mehr Plätze geschaffen, wo Hunde und Katzen sicherer untergebracht werden können.

Als wir die neuen Hunde dort unterbrachten, sie mit Futter und Wasser versorgten und dabei auch nach denen sahen, die wir zwei Tage zuvor gebrachte hatten, konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass es nun eng wird. In den nächsten Tagen wird Quiao Wei den Platz für zwei weitere Einfriedungen vorbereiten. Dann können auch unsere Bauarbeiter dort bei der Planung und dem Bau mithelfen.

Um 20 Uhr kamen wir schließlich wieder zu unserem Krankenhaus zurück. Ich rief Heather an. Zusammen mit der Krankenschwester Hayley war sie gerade dabei, die kleine Pinscherdame nach der Operation wieder zusammenzuflicken. Die Operation hat ihr das Leben gerettet – alle ihre Welpen waren tot und das hätte sie auch umgebracht, wenn ihr nicht noch rechtzeitig geholfen worden wäre. Alle beiden Hündinnen haben die Nacht überlebt und sie kommen auch zu Frau Qiao Na, wenn ihre Wunden verheilt sind.

Ein kleiner alter Zwergspitz, der ganz verwahrlost war und bei dem der Unterkiefer fehlte hatte nicht soviel Glück. Wir mussten ihn sanft einschläfern als wir erkannten, dass er im Leben nichts mehr zu erwarten hatte. Er stammte aus dem Laden für Haustiere vom vergangenen Sonntag und war sein ganzes Leben lang nur eine Zeugungsmaschine. Wie traurig, dass er nie eine Familie hatte, die ihn um seiner selbst liebte und nicht wegen seiner Fähigkeit, Nachkommen zu zeugen.



Als ich in mein Zimmer zurückging musste ich lächeln als ich Hayley in der Ferne gutmütig über Rubble klagen hörte (Bild oben wie wir ihn fanden und untern gebadet und rasiert, zusammen mit Christie, Rainbow und Hayley). Nun, den Bauch voll, hat er seine frühere Angst ganz überwunden und benimmt sich wie ein typischer Yorkshire Terrier. „Er tyrannisiert die anderen;“ beschwert sie sich lachend. „Dabei sollte man doch meinen, er müsste dankbar sein.“



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Nothilfe Bärenrettung


“Diese Tiere sind mein Leben” 
Am Montagnachmittag kamen wir um zwei Uhr wieder bei unserer provisorischen Aufnahmestelle in Dujiangyjang an. Eine Menschenschlange wartete schon auf uns. Eine Bestätigung für das Funktionieren unserer Hotline. Diese und auch eine Sendung eines örtlichen TV-Senders am Vorabend hatte die Besitzer von Haustieren über unser Hilfsangebot für ihre Hunde und Katzen informiert.
Aus den Anrufen bei der Hotline erwarteten wir, sieben oder acht Besitzer dort zu treffen. Doch schon die Größe der Schlange zeigte uns eine weit größere Anzahl. Die traurigen Besitzer umarmten ihre geliebten Familienmitglieder ein letztes Mal, bevor sie sie hergeben mussten. Doch welche Alternative bleibt ihnen sonst?
Schon platzt die Zeltstadt, in der sie alle leben aus allen Nähten. (Die Regierung hat die Zeltfabriken aufgefordert, weiterhin 40.000 Zelte pro Tag herzustellen) und manche Nachbarn sind Hunden gegenüber, wenn sie nur ein paar Zentimeter entfernt leben, nicht sehr tolerant. Auch für die Behörden war das keine einfache Situation. Zwischen den Menschen, die verzweifelt ihre Haustiere behalten wollen und den Klagen der anderen, dazu Gerüchte von Krankheiten – es war klar, dass dabei die Hunde verlieren mussten.
Doch die Massentötung ist nicht die richtige Antwort darauf. Wenigstens in Dujiangyjang konnten wir den Menschen, die sich um das Leben ihrer Haustiere so große Sorgen machen, etwas Hilfe und Hoffnung bringen.
Nachdem wir uns eingerichtet hatten, war unsere erste Besucherin eine Dame, die ihre zwei kleinen Zwergspitze in den Armen hielt. Ihre Namen, sagte uns Frau Xiao Ru Lan, seien Niu Niu (Kleines Mädchen) und Fei Fei (Dick Dick). Für uns brachte diese Namensgebung einen kurzen heiteren Moment in diese traurige Lage, denn wir sahen, dass Niu Niu die dickere der beiden war.

Während des Erdbebens rannte Niu Niu davon und wurde neun Tage lang nicht mehr gesehen. Frau Xiao fand sie schließlich zitternd in ihrer beschädigten Wohnung wieder, wohin sie durch die Straßen voller Schutt zurück gefunden hat.
Sie konnte die Tränen nicht unterdrücken und sagte mehr als einmal „diese Tiere sind mein Leben“. Jetzt musste sie in ein fremdes, dürftig eingerichtetes Zelt zurück - ohne ihre Begleiter, die ihr in diesen harten Zeiten so viel Trost gegeben haben. Sie konnte nicht verstehen, warum sie sie weggeben musste und betonte immer wieder, wie reinlich sie seien: „Selbst im Winter bade ich die beiden“, sagte sie traurig.
Hier ist ein Bild einer anderen Niu Niu (ein sehr beliebter Name!) und Xiao Xiao, beide bereit zu ihrer Reise nach Chengdu.



Der nächste war eine kleine Chihuahua genannt Wang Wang (die Wohlhabende), die einem älteren Mann gehört, der auch den Tränen nahe war. Während er sie an seine Brust drückte erklärte er uns, dass Wang Wang seine einzige Begleitung sei, jetzt, da die Kinder das Haus verlassen hatten. Immer wieder wiederholte er „ich will sie nicht weggeben“.
Weiter ging es mit einem Zwergspitz von Frau Hang Jie Yiang, die ihn zunächst aufs Land schicken wollte, aber sich anders entschloss, als sie von unserem Pflegeangebot las. Auch weil wir näher bei ihrem Flüchtlingslager sind. Sie war glücklich, dass ihr wertvoller Hund versorgt war und noch glücklicher, dass sie ihn bald besuchen kann.
Am Ende des Tages waren 18 weitere Hunde gerettet und auf dem Rückweg zum Qi Ming Tierheim von Frau Qiao Na. Dort wird es langsam eng. Die schiere Zahl der ankommenden Tiere macht uns Sorgen. Wo hören wir auf? Wie können wir weitere Unterkünfte für die Hunde bauen, wenn es praktisch keinen Platz mehr gibt?
Natürlich ist auch die Finanzierung immer ein Problem. Eine Unterkunft für ca. 30 Hunde kostet umgerechnet 10.000 US$ (Für westliche Verhältnisse ist das nicht teuer, doch in China ist das ein Vermögen). Doch wir müssen es weiter versuchen. Obwohl sie ihr Wasser trinken und auch fressen, sind die Hunde unglücklich und verwirrt. Wir müssen sie müssen bald aus ihren Käfigen herausholen.

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Hunde vor dem Todesurteil gerettet 
Bei der Ankunft in Dujiangyiang kamen wir gestern an vielen Menschen vorbei, die ihre zerstörten Häuser verlassen mussten. Auf Lastwagen, Dreiradfahrzeuge und sogar Rädern, voll gepackt mit den wenigen Habseligkeiten, strebten sie zu weit entfernten Orten, um dort neu anzufangen.

Gleich daneben waren lange Schlangen von Bulldozern im Einsatz, um den Schutt wegzuräumen.

Christie, Rainbow, Heather, Wendy, Hong Chuan, Suki, Howard, Rocky und ich kamen zunächst in eine Zeltstadt, wo wir mit zwei hiesigen Tierärzten und Mitgliedern und freiwilligen Helfern der Small Animal Protection Association (Vereinigung zum Schutz von Kleintieren) in Chongqing, sowie Vertretern der Firma Purina, die uns mit Hundefutter versorgt, zusammentrafen. Von Intervet erhielten wir großzügigerweise Tollwutimpfstoff in einer Kühlbox.

Zunächst sprachen wir mit den lokal verantwortlichen Offiziellen, die uns mitteilten, dass es hier keine Hunde gäbe. Wir fragten uns, wie das möglich sein kann, bis wir einen offiziellen Anschlag sahen der verkündete, dass jeder Hund in diesem Lager getötet würde. Wir hatten bereits eine Mitteilung geschrieben, auf der wir – zusammen mit einer Telefonnummer – sagen, dass wir alle Hunde und Katzen aufnehmen und uns um sie kümmern, bis sie wieder zurückgegeben werden können.

Rainbow heftete unsere Mitteilung direkt neben den offiziellen Anschlag. „Eine Alternative zur derzeitigen „Lösung““, sagte er.

Die Behörden schienen zu verstehen und versprachen uns anzurufen, falls sie Hunde finden sollten. Und wir versprachen, dann innerhalb von ein paar Stunden da zu sein und baten sie darum, den Tieren doch eine Chance zu geben.

Schon einige Minuten danach erhielten wir den Anruf einer Frau, die einen Pekinesen auf der Straße aufgelesen hatte. Dieser hat ihr Herz gewonnen und sie taufte ihn Pan Pan. Doch da ihre Wohnung zerstört war, konnte sie ihn nicht mitnehmen. Schnell wurde er von uns geimpft, in einen Käfig gesteckt und auf den Lastwagen gepackt. Wir versprachen der Frau, uns um ihn zu kümmern bis sie ihn wieder aufnehmen kann.

Danach kamen wir zu der Krankenstation der lokalen Tierärzte. Die Räume im Oberstock waren nicht mehr sicher. Doch sie hatten im Erdgeschoß einen provisorischen Aufenthaltsraum für versprengte Hunde und Katzen eingerichtet und zeigten uns stolz einen ihrer ersten „Kunden“. Das sollte ein Hund sein, ähnelte aber noch eher einem Stück Baumaterial. In seinem früheren Leben war er wohl so etwas wie ein Yorkshire Terrier. Sein Fell war verfilzt und voller Staub. Er litt an Bindehautentzündung und sein ganzer Körper war voller Wunden. Hungrig, durstig und beklagenswert dünn war er dennoch hellwach und gescheit. So bahnte sich „Rubble“ seinen Weg in unsere Herzen und wurde unser zweiter Hund aus Dujiangyiang.

Danach ging es weiter zu einem Markt für Haustiere. Dort, so hörten wir, sollte eine ganze Kette von Läden durch das Erdbeben schwer beschädigt worden sein und die Hunde dort seien immer noch in den Gebäuden. Als wir ankamen, waren die Rollläden noch immer verschlossen und von drinnen ertönte das verzweifelte Bellen und Jaulen von anscheinend mehreren Dutzend Hunden.

Christie und Rainbow riefen in der Verwaltung an und schon Augenblicke später erschien von dort ein Beamter der sagte, dass er den Besitzern bis 17:30 Uhr Zeit gegeben habe, alle Hunde wegzubringen, da Nachbarn sich wegen des Geruchs beschwert hätten.

Jetzt war es 14 Uhr und wir sagten dem Beamten, warum wir hier waren und baten um seine Hilfe. Er war mehr als verständig und versprach zu uns zurückzukehren, sobald er die Besitzer ausfindig gemacht habe. In der Zwischenzeit, so schlug er vor, sollten wir in ein nahegelegenes Flüchtlingslager gehen um zu sehen, ob unsere Hilfe dort gebraucht würde. Noch bevor wir dorthin aufbrachen, fanden wir eine schwangere Schildpattkatze mit einer verletzten Vorderpfote. Auch sie kam in einen Käfig und auf den Lastwagen auf dem Weg nach Chengdu, ihrem neuen Zuhause.

Hinter dem Beamten kamen wir zu dem Flüchtlingslager. Ungläubig und still vor Kummer. Der Boden war schlammig und nass. Eine Zeltplane diente als Dach und darunter standen Behelfsbetten, eines neben dem anderen, mit einer dünnen Decke und einem Kopfkissen darauf. Das war das neue Zuhause für ganze Familien. Als Hintergrund sah man die zerstörten Gebäude. Die Menschen dort hätten nicht freundlicher sein können – trotz ihres zerstörten Umfelds fragten sie höflich, weswegen wir hier wären und teilten ihre Nudeln und ihr Wasser mit uns. Sie lachten, als ihre Kinder in unsere Notizblöcke kritzelten. Sie sprachen von der Misere der Hunde und Katzen und hofften, dass wir da helfen können. Ein älterer Mann in abgetragenen Kleidern sagte: „Die Tiere zu töten ist so schlecht. Ich hoffe, ihr könnt ihnen helfen“. Sie waren auch sehr stolz auf die Regierung und die Rettungsdienste – vielfach hörten wir „unser Land hat uns geholfen“.

Plötzlich kam ein älteres Ehepaar auf uns zu, das seine zwei Zwergspitze in den Armen hielt. Ihre traurigen Gesichter sagten uns bereits im Voraus, was wir zu hören bekamen. Sie haben die Hunde in den Resten ihrer zerstörten Wohnung gefüttert. Doch jetzt hätten sie Angst um deren Leben und wüssten nicht, was sie tun sollten. Im Lager dürften sie keine Hunde haben. Daher fragten sie, ob wir sie nehmen könnten. Bao Bao und Mei Mei waren süße kleine Hunde und offensichtlich geliebt und bestens gepflegt. Die arme Mei Mei zitterte wie Espenlaub. Doch immer, wenn sie von ihren fürsorglichen Besitzern am Kopf gestreichelt wurde, beruhigte sie sich wieder.

Der alte Mann streichelte beide zum letzten Mal und drehte sich mit Tränen in den Augen um und ging fort … ohne sich noch einmal umzusehen. Wir haben seinen Namen und Anschrift und werden ihn in ein paar Wochen, wenn sich alles etwas beruhigt hat, nach Chengdu holen, damit er seine vierbeinige Familie wieder sieht.

Um drei Uhr brachte uns der Beamte schnell wieder vom Flüchtlingslager zu den Läden zurück, wo die Besitzer offensichtlich angekommen waren. Als wir auf den Platz kamen, waren die Rollläden geöffnet und ein sehr strenger Geruch lag in der Luft. Der Lärm der Hunde war ohrenbetäubend. Die Käfige waren aufeinander gestapelt so dass Urin und Kot von oben auf die Tiere darunter lief. In der nächsten halben Stunde liefen wir in jeden Laden und trugen Käfig auf Käfig mit verängstigten Hunden hinaus in die frische Luft.

Sie waren durstig und völlig ausgehungert. Viele waren spindeldürr und viel zu alt. Das waren, wie wir später erfuhren, „Zuchttiere“, die immer wieder wegen ihrer wertvollen Nachkommen „benutzt“ wurden. Doch wie so viele andere haben auch die Besitzer ihre Häuser verloren. Daher war dies nicht die richtige Zeit um über die Schrecken der Haustierindustrie zu sprechen. Wir fragten nur, ob wir ihre Hunde nehmen und kastrieren können, bis wir sie ihnen wieder zurückgeben. Doch sie sagten, dass sie die Tiere nicht mehr haben wollten.

Für den Rest des Nachmittags und Abends arbeiteten wir durch: Impfung, ein schneller Gesundheitscheck und notwendige medizinische Versorgung, ehe die Tiere in den Lastwagen für ihre zweistündige Fahrt in ihr neues Zuhause kamen. Einmal fielen bei einem Nachbeben, das mit Stärke 6,4 gemessen wurde, eine Klimaanlage und ein paar Mauerreste auf den Platz herab. Ich war froh, als wir schließlich mit diesen Hunden und Katzen wieder auf dem Rückweg waren.

Am Ende des Tages kamen wir mit 49 Hunden, zwei Katzen und einem Kätzchen wieder in Chengdu an. Vier Hunde – darunter waren Rubble, die schwangere Katze und das Kätzchen -, kamen zu uns, die anderen Tiere kamen zu einer wunderbaren Frau, Madame Qiao Na, die eine nahegelegene Rettungsstation besitzt. Um Mitternacht waren die Tiere dort mit Futter und Wasser versorgt und untergebracht. Madame Qia Na hatte unser Versprechen, dass wir in ein paar Stunden wieder bei ihr sein würden.

Wir fahren heute nach Dujiangyjang zurück um zu sehen, ob unsere Notiz ihre Wirkung getan hat. In Anrufen haben wir erfahren, dass noch mehr Hunde darauf warten, von uns aufgenommen zu werden.

Kurz vor unserer Abfahrt war da noch die traurige Arbeit, einen kleinen alten Mops einzuschläfern – ausgezehrt von Staupe oder möglicherweise Lungenentzündung, mit verfaulten Zähnen und schmerzhaftem Glaukom und Krebsgeschwüren an den Augen. Als er gerade einschlief, fragte ich Heather, welchen Namen sie ihm denn gern geben möchte. Leise sagte sie „Close“ (Nahe), denn er war so nahe daran, gerettet zu werden.

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Nothilfe Bärenrettung


… und “Pi” macht drei 
Es ist Sonntagmorgen. Gleich geht es los auf unsere nächste Fahrt nach Dujiangyjang, um den Hunden dort zu helfen. Doch erst muss ich noch von dem Welpen „Pi“ berichten, der unser neuestes Familienmitglied ist. Der kleine Floh wurde gestern durch unsere brave Schutzmannschaft aus dem Fluss Pi gerettet. Sie hörten ihn dort winseln und sahen, wie er sich ins Schilf am Ufer rettete.

Schnell riefen sie über Funk nach Eric (unserem Übersetzer), der zum Fluss eilte. Er hatte Angst, dass der Kleine vielleicht beißen könnte, da er so verschreckt war. Deshalb zog er schnell sein T-Shirt aus und warf es einem der Wachen zu. Dieser packte das Tier hinein und brachte es nach oben, zu uns auf den Damm.

Er war nur noch Haut und Knochen, völlig ausgetrocknet und räudig (kein Fell mehr!). Wir glauben, er stammt aus einem Erdbebengebiet. Er ist nicht gerade das niedlichste Tierbaby der Welt, doch er hat sich bereits einen Weg in unsere Herzen gebahnt.

Zusammen mit dem kleinen Quake und Tremor, die letzte Woche aus dem zerstörten Gebiet von Anxian zu uns gekommen sind, ist Pi ein Gottesgeschenk für unsere Mitarbeiter im Rettungszentrum. Bei so viel Leid und Trauer um uns herum heben diese drei freudigen Bündel die Stimmung und zaubern ein Lächeln auf müde Gesichter.



Tremor wurde unser aller Liebling, als er auf der Rückreise von Anxian im Bus nach vorne lief um beim Fahren zu „helfen“ – er schaute Schwanz wedelnd zur Frontscheibe hinaus. Dieser kleine Kerl erkennt, wenn es gut für ihn läuft!

Leider haben wir von Pi noch kein Foto. Doch vielleicht gefallen euch diese beiden Bilder von Tremor und Quake, die von Donata aufgenommen wurden.


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Nothilfe Bärenrettung


Die Mitarbeiter kehren in die Rettungsstation zurück 
Langsam normalisiert sich die Lage im Rettungszentrum wieder. Die meisten ausländischen Mitarbeiter, die am Dienstagmorgen evakuiert wurden, kommen dieses Wochenende wieder zurück. Trotz der andauernden Warnungen der Botschaften, die ihren Landsleuten noch empfehlen, nicht zurückzukehren. Daher müssen wir den Rückkehrern einen Haftungsausschluss aushändigen.

Auch einige der Bärenpfleger bestehen auf ihrer morgigen Rückkehr. Ich bin so stolz auf unser Team hier in Chengdu!

Das Lob für die Menschen ganz vorne ist stets leicht – doch wir sehen immer unser Team als Gesamtheit. Ihr Einsatz und ihre Entschlossenheit, dass diese komplizierte Maschine immer gut geölt ist und bestmöglich funktioniert, werden oft nicht beachtet. Doch sie ist für die erfolgreiche Arbeit genau so wichtig.

Die Mitarbeiter in den Länderbüros, in der Buchhaltung, der Technik, der Verwaltung, in der Rechtsabteilung, die Kreativen in unseren Projekten und Kampagnen, im Marketing und der Pressestelle – alle sind sie voll dabei und lösen jede Herausforderung, die wir ihnen stellen.

Bitte entschuldigt, wenn wir nicht immer sofort auf eure E-Mails antworten. Unser Team würde darin ertrinken. Daher versuchen wir in diesem Blog, Antworten auf die am meisten gestellten Fragen zu geben. In dieser traurigen und verzweifelten Lage müssen wir ziemlich kämpfen. Hoffentlich wird in einigen Monaten das Leben – zumindest für uns – wieder normaler werden. Doch für Millionen Menschen in diesem herrlichen Teil Chinas wird das Leben nie wieder wie früher sein.


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