Kristallklare Beweise 
Dienstag, 5. Mai: Alle waren stumm als die Röntgenbilder auf den Schirm kamen. Crystal, unsere ältere, im Oktober 2000 gerettete Bärin, lag auf dem Röntgentisch wegen ihrer arthritischen Hüfte und Rückgrads.

So klar wie ihr Name war hier der Schatten dreier Kanülen in ihrer rechten Hüfte und einer in ihrer linken zu sehen, wobei die Nadelspitzen ihr tief ins Fleisch stachen.





Zum ersten Mal wurde sie jetzt von unserer leitenden Tierärztin Heather mit unserem neuen Röntgengerät untersucht. Es war nicht schwer, hier zwei und zwei zusammenzuzählen und zu erkennen, dass der Farmer damals in den 90er Jahren wohl einen kranken Bären gesehen hat und sie so fest mit der Spritze gestochen hat – wahrscheinlich enthielt sie Antibiotika – dass die Nadel abbrach und im Lauf der Zeit tief in ihre Muskeln hinein wanderte.

Die Antibiotika wurden nicht aus Mitleid gespritzt, sondern aus Furcht, dass der Farmer eine wertvolle Ressource verliert, wenn sie an einer Infektion stirbt, die durch den eitrigen Katheter in ihrem Bauch verursacht wurde.

So sehen wir einen weiteren Beweis der Zustände, während wir über das Leben dieses armen Bären auf der Farm sinnieren. Die Klauen abgeschnitten, die Zähne abgebrochen und die Narben am Bauch dort, wo der Katheter hervorragt – alles um die Stelle wo der Gallensaft entnommen wird so weit wie möglich von ihrem Kopf entfernt zu halten.

Da die Entfernung der Nadeln einen tiefen Eingriff bedeuten würde und weil Heather weiß, dass die Medikamente gegen die Arthritis, die Crystal bereits bekommt, auch gegen etwaige von den 1 bis 3 cm langen Nadeln ausgelöste Schmerzen wirkt, werden wir diese nicht entfernen. Bis zu diesem Tag, an dem wir uns alle versammeln und uns von diesem tapferen und vertrauensvollen Bären verabschieden werden.


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Nothilfe Bärenrettung


Lang lebe König Eddie! 
Neulich fragte mich Caroline Bullock von „Animals in Photos“, ob ich bei Eddie einen einfachen Mundschleimhautabstrich für einen DNA Test machen wolle, um seine Herkunft zu bestimmen. Das gefiel mir und ich dachte, es sei einen Versuch wert – besonders da niemand etwas über die Herkunft von Eddie weiß.
Zum ersten Mal sahen wir diesen strubbeligen, gelben Hund vor zehn Jahren bei einem unserer Besuche auf einem der grausigen Märkte für lebende Tiere in Guangzhou China.
Eingesperrt und bestimmt für den Kochtopf, schien das Schicksal von Eddie besiegelt. Bis zu dem Moment, als wir ihn kurz entschlossen kauften und nach Hongkong brachten. Als wir seinen Besitzer auf 200 RMB herabgehandelt hatten, verließen wir den Markt mit diesem seltsamen Mischlingshund, der von Glück sagen konnte, dass er noch am Leben war.

Nachdem er die Quarantäne überstanden hatte, bestand Eddie unsere Prüfung zum Doktor Hund mit links und wurde der Botschafter für alle die armseligen Hunde in den Märkten, die er zurück lassen musste Und mehr noch. In den letzten 10 Jahren brachte Eddie Freude in mein Leben und ich muss über sein Verhalten noch immer lachen, das so großmütig und großspurig ist wie das Land, aus dem er kommt.

Als Caroline das Resultat des „Mutt Genie“ DNA Tests schickte, gab es noch mehr Grund zum Lachen. Hauptsächlich Pekinese – was denn auch sonst?

Marnie, die Leiterin unseres Dr. Hund Programms, nennt ihn King Eddie und er stammt offensichtlich aus einer Zucht, die Jahrhunderte lang nur Mitgliedern des kaiserlichen Hofs vorbehalten war. Diese tapferen und furchtlosen Hunde hatten ein so großes Herz, dass sie in ihrer Rolle als Tempelhunde auch die größten und wildesten Dämonen besiegen konnten.

Das Resultat des Tests macht also Sinn und ich glaube, mit seinem Charakter, seiner Freundlichkeit und seinem großen tapferen Herzen, wenn schon nicht mit seinem Aussehen, sind auch seine Ahnen stolz auf ihn.


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Feier für Earth Day in China 
In dem ganzen Chaos der Rettung der Bären in China hat unser Schulungsteam doch die Zeit gefunden in Chengdu den Earth Day zu feiern und dabei aufzuklären über die Bärenfarmen und neue Unterstützer für unsere Arbeit zu werben. Zusammen mit dem größten Buchladen in Chengdu haben Jacky und ihre Mannschaft des Schulungsteams eine Ausstellung mit Kinderzeichnungen organisiert, die die traurige Wahrheit auf den Bärenfarmen zeigen. Sie haben sogar unseren Schulungsraum aus der Rettungsstation „umgezogen“ um den Zuschauern das metallene Korsett von Caesar und Franzis winzigen Klemmkäfig zu zeigen.

Jacky (hier im Bild) gab einer Gruppe von Tierliebhabern eine Präsentation und konnte ihnen dabei auch aktuellste Informationen über unsere jüngst geretteten Bären geben. Hervorragende Arbeit des Schulungsteams in Chengdu!



Hier sind der Bericht und einige wunderbare Fotos von unserer Feier des Earth Day.
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Unterstützung aus der ganzen Welt 
In all den Jahren waren Anna und unsere Süd Devon Unterstützergruppe einfach wunderbar. In Zeiten der Not haben sie Spenden gesammelt, unsere Botschaft verbreitet und auch den Bären immer wieder eine Nachricht zukommen lassen. Brian, Annas Mann, ist in diesem Winkel des Landes jetzt der berühmte Moonie, der zur Freude der Zuschauer in das heiße und schwere Bärenkostüm schlüpft.

Vor ein paar Tagen schickte Anna dem Bärenteam eine Botschaft, die für sich selbst spricht – und bei der sie wohl über das ganze Gesicht strahlen werden, wenn sie sie hier lesen:

Lieber Mao Sijang, Zhong, Erdi Ribo, Ai, Ou Jun und Howard
Gerade las ich von der fantastischen jüngsten Rettungsaktion und ich wollte euch schreiben, um euch für euren wunderbaren Einsatz zu danken. Das war sicher sehr schwierig und nur dank eurer Geschicklichkeit und eurer Hingabe wurde es ein Erfolg. Daher von unserer kleinen Unterstützergruppe aus England hier ein großes Dankeschön – ich bewundere euch alle.

Wir schätzen euch alle für das was ihr tut und weiterhin tun werdet. So wird die Welt ein besserer Ort – Anna.

Hier gibt es noch mehr über die Arbeit unseres wunderbaren A-Teams zu sehen.




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Die Operationen beginnen mit Kylie und Oliver 
Es ist Dienstag, 9 Uhr morgens und Kylie ist der erste Bär auf dem OP-Tisch, nachdem Olivers bereits auf dem Lastwagen operiert wurde.

Kylie ist eine Braunbärin mit langen und starken Vorderbeinen, doch sie wiegt nur etwa 149 kg. Die gesunde Ernährung schlägt bei ihr bereits an und sie verschlingt alles, was wir ihr anbieten. Doch noch ist sie mager und der einzige Bär, bei der man laut Tierärztin Monica den Puls an ihrem knochigen Hinterbein fühlen kann.





Wie sie so daliegt, krank und verletzlich, ist klar, dass viel Arbeit auf Monica wartet. In ihrer Bauchmitte hat Kylie einen großen Bruch. Dort steckt auch ein Latexkatheter in einem Loch, aus dem Galle und Eiter fließen. Weiter unten ist eine weitere rote Wunde.

Möglicherweise ein Abszess oder die Überbleibsel einer früheren Operation (besser wohl Schlachterei), um einen anderen Katheter einzusetzen. Möglicherweise hat aber auch die Galle, die aus dem oberen Loch fließt, dort unten eine Verätzung verursacht.





Weiter oben am Brustkorb findet man die Narben von dem metallenen Korsett, das ihre Brust umspannt hat und zu Entzündungen und Schmerzen führte. Eine walnussgroße Masse an einer Zitze muss auch entfernt und untersucht werden. Kein Wunder, dass dieser Bär vor Schmerzen verkrümmt lag und nicht fähig war, sich auf den Bauch zu legen, als wir in der Farm ankamen, um sie zu retten.

Jetzt schläft sie tief und wird zum Röntgen gefahren. Dort zeigt sich, dass die Masse an der Zitze sich noch nicht ausgebreitet hat, doch im tieferen Rückgrat zeigen sich Zeichen von Arthritis.

Ihre Zähne sind in einem schrecklichen Zustand und müssen fast alle entfernt werden. Die vier Eckzähne sind mit Absicht herausgebrochen worden und dort sieht man schwarzes Zahnbein und blanke Nerven. Die Zähne, die der Farmer nicht herausgebrochen hat, hat sie durch ihr andauerndes Beißen in die Gitterstäbe selbst zerstört. Der Käfig hat sie verrückt gemacht, und der jahrelange Stress und die Frustrationen haben sie zu diesen Selbstverletzungen getrieben. Trotzdem müssen die Zähne noch warten, denn die Operation unter sterilen Bedingungen an ihrem Bauch hat Vorrang, ehe wir in den kommenden Wochen die Zähne unter den dort vorherrschenden unsterilen Bedingungen angehen.



Jetzt ist es 14:30 Uhr und Heather und Monica schließen die letzte Naht. Die Gallenblase ist entfernt und mit ihr der schreckliche Latexkatheter mit seinen metallenen Flanschen, die ihn dort fixiert hatten. Der Bruch wurde genäht und jetzt hängt es von Kylies eigener Heilungskraft ab, ob das Bauchgewebe so gut zusammenwächst, dass sie wieder ein normales Bärenleben führen und mit den Gefährten spielen kann.

Am Donnerstag wurde auch Olivers armer verkrüppelter Körper geröntgt und so warten für die kommenden Tage und Wochen noch acht Tiere auf ihre Operation.



Vielen Dank an alle diejenigen, die uns geschrieben und sich nach Olivers Zustand erkundigt haben. „Wirklich großartig“, das muss man dazu sagen. Er ist neugierig, wach und meilenweit entfernt von seinem Zustand vor 10 Tagen. Sowohl was die Entfernung, aber auch was seine Erholung betrifft. Seine Operationswunde ist sauber und trocken und langsam erkennen wir seinen Charakter. Er schlägt auch nicht mehr wütend nach jedem, der sich ihm nähert.

Heather sagt, dass Oliver wieder in der Quarantänestation in den Folientunneln ist und „frisst, als ob er 30 Jahre lang nichts bekommen hätte. Er nimmt auch seine Medikamente gut an“. Doch wegen seines Alters, der schweren Arthritis und der Kompression seiner Lungen - wegen einer Deformation des Brustkorbs -, muss man ihn weiter gut im Auge behalten.

Die Tierkrankenschwester Caroline erklärt, dass er Gemüse über alles liebt und hier sieht man, ihn wie er Berge von Futter verspeist – ein entspannter und zufriedener Bär.



Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich auch nochmals beim Personal der Klinik und bei der Polizei in Shanxi bedanken für alles, was sie zur Rettung von Oliver getan haben.





Ihre freundliche Hilfe unter schwierigen Bedingungen war ganz außerordentlich und wir sind allen wirklich sehr dankbar. Dieses Schild an der dortigen Station der Verkehrspolizei sagt alles. Sie sind wirklich wunderbar (T(e)RIFFIC) im wahren Sinn des Wortes.



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