Haribo hat die Operation überstanden 
Wenn ich einen unserer neuen Bären auf dem Operationstisch liegen sehe, bin ich immer ein Nervenbündel. Unsere Tierärzte bereiten eifrig alles für die Operation vor und überprüfen nochmals die Befunde aus den vorhergehenden Untersuchungen seit der Ankunft Ende März.

Der kleine, etwas plumpe Poodley heißt jetzt Haribo, so wie es seine großzügigen Paten aus Luxemburg für ihn gewünscht haben. Da liegt er nun, klein und verletzlich in Narkose, während über das weitere Vorgehen entschieden wird. Seine Gallenblase musst entfernt werden. Das war klar. Die Galle eines jeden Bären, der von einer Farm hierher zu uns kommt, ist sie bereits sehr stark geschädigt, entzündet, verdickt und es ist immer besser, wenn sie entfernt wird. Selbst wenn sie anscheinend noch relativ in Ordnung scheint, sind spätere Probleme wie Gallensteine zu erwarten. Daher ist es am besten, sie gleich zu entfernen.

Tatsächlich war sich Heather nach einer weiteren Ultraschalluntersuchung fast sicher, einen Fremdkörper oder Gries in seiner Gallenblase gefunden zu haben. Das würden wir bald genauer wissen. Er hatte auch einen Bruch aufgrund der „Schlachterei“ (ich weigere mich, es Operation zu nennen) auf der Farm. Auch da musste etwas gemacht werden.



Beim Zurückschneiden seine Krallen, einige davon waren schrecklich anzusehen, machte uns eine Kralle besonders Sorgen. Wir haben sie erst vor zwei Monaten, während seines ersten Gesundheitschecks, geschnitten – und jetzt hatte sich diese eine Kralle wiederum verdreht und war dabei, sich in seine Tatze zu bohren. Heather entschloss sich, seinen Zeh zu röntgen und sah, dass er schon auf der Farm zerschmettert wurde – wie, wissen wir nicht. Wenn seine Gallenblasenoperation gut verläuft, muss auch sein Zeh amputiert werden.

Danach waren seine Zähne an die Reihe. Wiederum schlechte Nachrichten. Bei seinem linken oberen Eckzahn liegt der Nerv bloß und muss deshalb auch entfernt werden. Zu guter letzt – er ist nun mal ein Männchen, das ist leider sein Pech – wird er noch kastriert. Das machen wir bei allen Männchen aus mehreren Gründen. Natürlich mögen wir kleine Bären. Doch bei mindestens 10.000 Bären, die auf den Farmen in Not sind, wäre es mehr als selbstsüchtig, bei unseren eigenen Bären Nachwuchs zuzulassen – der dann wertvollen freien Platz, der für die Farmbären gedacht ist, in Anspruch nehmen würde.

In freier Wildbahn sind die Bären Einzelgänger. Sie in der Rettungsstation in Gruppen zu halten, ist nicht immer ganz problemlos. Die Männchen sind nach der Kastration einfacher zu halten, weil sie dann ruhiger sind. Wenn es wirklich einmal zu einem Zusammenbruch der Population bei dieser gefährdeten Art kommen sollte, haben wir genügend Weibchen für die Nachzucht – denn dazu reicht, wie wir wissen, ein einziges Männchen!

Da liegtg er nun, der kleine Haribo, und wartet auf mindestens vier Eingriffe. Am dringendsten sind natürlich die Entfernung der Gallenblase und die Korrektur seines Bruchs.

Zwei Stunden später atmen wir alle auf. Seine Gallenblase ist entfernt (voller Polypen) und Heather näht zusammen mit Jen, unserem Tierarzt aus Vietnam, den Bruch. Die Leber von Haribo sieht auch gut aus und außer ein paar Narben und Anhaftungen ist auch sein Bauchraum in Ordnung.

Während Heather die Kastration durchführt, amputiert Jen den Zeh. Die Zahnextraktion können wir auf später verschieben, denn er bereitet Haribo keine großen Schmerzen. Auch die Zahnoperation ist langwierig, schwierig und oft „schmutzig“. Deshalb ist es nicht sinnvoll, sie zusammen mit einer Bauchoperation durchzuführen, bei der es sehr auf Sterilität ankommt.

Außerdem reicht das heute für diesen prächtigen Bären. Hoffentlich können wir ihn bald in ein Bärenhaus mit Freigehege entlassen – wo er vielleicht die ersten Schritte seines Lebens auf Gras machen wird. Die Zahnoperation kann noch warten.

Jetzt beginnt Haribo schon zu blinzeln und schaut etwas konfus auf die Welt um sich herum, während er langsam in seinem Aufwachkäfig zu sich kommt. Noch ist er voller Schmerzmittel, aber schon bald wird er von seinen treu sorgenden Helferinnen verwöhnt werden. Und wenn sie mal nicht in seine Richtung schauen, könnte es sogar sein, dass er ein Paar seiner heißgeliebten Gummibärchen bekommt.


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Nothilfe Bärenrettung


Watermelon erfolgreich operiert 
Heute ist OP-Tag für Watermelon. Dieser süße und tapsige Bär hat vom ersten Tag seiner Ankunft an jedes Herz gebrochen. Obwohl seine Beweglichkeit sich inzwischen verbessert hat, sind wir ziemlich sicher, dass er blind ist – dennoch muss man sagen, er ist ein wirklich schöner Bärenmann.

Hier liegt er nun und atmet regelmäßig in seiner Narkose. Sein schwarzes Fell glänzt und sein Körper gleicht jetzt wieder eher einem Bären statt einem traurigen Häufchen Elend. Langsam zeigt sich, dass er gesund wird. Man findet wirklich kaum stattlichere Bären als ihn.

Bei der Rasur seiner Bauchhaare während der Vorbereitung zur Operation werden wir alle traurig, als wir die Narben und das infizierte Gewebe sehen – die Schuld der „Metzger“ in den Farmen. Selbst Frankenstein wäre darauf stolz und es will mir einfach nicht in den Kopf, wie gleichgültig diese Menschen gegenüber derart offensichtlichem Leid sein müssen.

Zum Glück hat unser Team hier die richtige tiermedizinische Ausbildung – und kennt auch den Eid des Hippokrates. Schnell ist die zerstörte Gallenblase entfernt und der Bauch von Watermelon wieder zugenäht. Hoffentlich zum allerletzten Mal.

Leider geht es Haribo nach seiner gestrigen Operation nicht so gut. Auch er musste sich einige Male übergeben, wodurch einige Nähte aufgegangen sind. Das kommt manchmal vor. Die Reparatur eines großen Bruchs ist immer eine Herausforderung – beschädigte Muskel müssen zurückgeschnitten werden und die Verbindung der beiden Seiten ist immer schwieriger als bei einer normalen Bauchoperation. Doch unsere Tierärzte haben es auch diesmal geschafft und ich bin sehr stolz auf sie.

Heather, Jen, Wendy, Caroline und Judy – und dazu natürlich unser tolles „A-Team“ mit Howard, Rocky, Ai und Tiger, die diese Bären auf den OP-Tisch und wieder zurück transportieren, sind heute besonders gut. Für alle waren die letzten Wochen ziemlich anstrengend und dennoch sind sie mit soviel Professionalismus und guter Laune bei der Arbeit.

Trotzdem kann ich manchen Fluch nicht unterdrücken, wenn ich sehe, was diese Farmer anrichten und wie das auch unsere Team schmerzt, das alles in seiner Macht stehende unternimmt, um zu heilen, was die Farmer so hartherzig zerstört haben. Hier haben wir praktisch nur mehr die Hülle von Tieren – wertlos in den Augen der Farmer – und versuchen, deren zerschlagene und zerschrammte Körper wieder zusammenzuflicken.

Watermelon und Haribo werden hoffentlich bald ganz gesund sein. Haribo bekommt Medikamente gegen den Brechreiz nach dem Aufwachen aus der Narkose, zusammen mit wohlschmeckenden Fruchtshakes. Sie werden heute friedlicher schlafen. Ich frage mich, wie die Farmer das können.


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Weitere drei Bären sicher vor vietnamesischen Gallehändlern  
Jetzt gibt es doch noch gute Nachrichten! Drei wunderhübsche Bären sind dank der schnellen Reaktion der Vietnamesischen Behörden in unserem Rettungszentrum in Vietnam eingetroffen. Damit haben wir nun zwölf Bären in unserem neuen Rettungszentrum.
Vor ungefähr zwei Wochen haben wir erfahren, dass die Quang Ninh Forstschutzbehörde (FPD) und die Quang Ninh Grenzschutzpolizei einen chinesischen Staatsbürger festgenommen haben, der versuchte, mit drei Bären in Quetschkäfigen die Grenze von Vietnam nach China zu überschreiten. Der Mann hatte keinerlei Papiere, um den legalen Besitz der Bären zu dokumentieren. Daher wurden sie konfisziert und zum Standort der Forstschutzbehörde in Ha Long Bay zurückgebracht. Dieser Ort ist ca. 150 km von der Grenze und ca. 400 km von unserem Rettungszentrum entfernt.



Die Bären kamen bis zu unserer Ankunft in drei größere Käfige. Der Chinese verweigerte die Zusammenarbeit mit den Untersuchungsbehörden und behauptete, er habe die Bären im Auftrag transportiert. Momentan weiß die FPD nicht, von welcher Farm die Tiere stammen.
Bei ihrer Rettung waren sie in einem relativ guten Zustand – ich vermute, dass der Übeltäter nur „Bären im guten Zustand“ für die lange Reise nach China gekauft hat. Es weiß auch niemand, wo das Ziel dieser Reise lag. Doch da die Bären noch recht jung sind (2-3 Jahre?), sollten sie wohl auf eine Bärenfarm in China. Die Bären (zwei Männchen und ein Weibchen) wogen jeweils rund 100 kg.



Tuan Bendixsen, der Leiter der Rettungsstation in Vietnam, nahm gemeinsam mit dem Rettungsteam die Bären am Montag in Empfang. Laut Tuan verlief die Rettung problemlos, trotz der langen Fahrzeit von fast sechs Stunden vom Standort der Quang Ninh Forstschutzbehörde bis nach Tam Dao, unserem Rettungszentrum. Die Temperatur war auf über 35 Grad C gestiegen und die Forstschutzbehörde überließ uns nur einen völlig geschlossenen Lastwagen - aus Sorge, dass die ehemaligen Eigentümer der Bären versuchen könnten, sie zurückzuholen, um sie als Beweismittel für die bevorstehende Anklage verschwinden zu lassen.



Die Forstschutzbehörde überließ uns sogar zwei Beamte, die für die Fahrt zurück nach Tam Dao abgestellt wurden. Wegen der Hitze kauften wir in Ha Long Bay zehn Stangen Eis mit je einem Meter Länge, um die Bären zu kühlen. Alle Stunde hielten wir an, um sie mit Wasser abzuspritzen und mit Wassermelonen zu füttern.
Wir sind nicht sicher, ob diese Bären als „Galle-Maschinen“ missbraucht wurden, doch wie Tuan sagt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Bären auf einer Bärenfarm überhaupt nicht verwendet werden. Als man die Bären betäubt hat, um sie in die Klemmkäfige zu stecken, wird der Käufer wahrscheinlich eine Entnahme von Gallensaft verlangt haben, um deren Qualität zu prüfen.“



Diese prächtigen Neuankömmlinge – die wir, bis sie ihre richtigen Namen von den Sponsoren erhalten, Chica (hier mit dem Eis im Lastwagen), Amigo (oben) und Rumbles (unten zusammen mit Jen) nennen - werden nun in unserem Rettungszentum heimisch. Bei allen sind die Pfoten und Eckzähne in Ordnung. Das ist einmal eine willkommene Abwechslung im Vergleich zu unseren Neuankömmlingen in China.



Sie genießen bereits die Leckereien aus frischen Früchten und Nüssen, ihre frischen grünen Zweige, aus denen sie sich Nester bauen – und natürlich die Bewunderung unserer Mitarbeiter.
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Hier ist der kleine „Pi“ 
Wie versprochen ist hier ein Foto des kleinen Pi, den wir aus dem Fluss Pi gezogen haben, der durch unser Rettungszentrum für Mondbären in Chengdu fließt. Er lebt jetzt zusammen mit Eric und dem Sicherheitsteam, das ihn gerettet hat.


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Die neuen Bären gewöhnen sich ein  
Auch jetzt, wo wir uns mit den Auswirkungen des Erdbebens beschäftigen, weiß ich, dass viele Menschen sich um die Gesundheit unserer neuen Bären sorgen. Natürlich mussten wir zunächst alle Behandlungen, bis auf die allerwichtigsten Operationen, verschieben, denn unser Veterinär-Team möchte nicht in die Situation geraten, dass ein betäubter Bär auf unserem OP-Tisch liegt und genau in diesem Moment ein neues Beben losgeht. Das letzte Beben am Montag, wir waren gerade mitten in einem Meeting, ließ unsere Stühle ganz schön wackeln.

Allen Bären geht es offenbar gut, aber wir sorgen uns ein bisschen um Bosham, dem es schwer fällt, sich zu bewegen. Heather, Lara und ihr Team behalten ihn sorgsam im Auge, aber allen anderen Bären sind wohlauf.

Plug, Gott segne ihn, hat gelegentlich noch immer Anfälle von Unmut, aber angesichts all der guten Dinge, die das Leben auf der Rettungsstation mit sich bringt, wird sein Charakter zunehmend besänftigt – und außerdem liebt er Bären- und Hundekuchen!

Inzwischen sind wir so gut wie sicher, dass Watermelon blind ist. Aber er fühlt sich wohl und ihre Beweglichkeit scheint sich auch zu verbessern – jedenfalls kann man ihn längere Zeit stehend sehen. Er ist auch fordernder geworden und macht sich laut bemerkbar, wenn er eine Mahlzeit erwartet oder wenn etwas von seinem Futter herunterfällt. Zum Glück haben unsere Bärenpfleger Verständnis und sammeln seine kleinen Reste auf und füttern sie ihm von Hand, bis auf das letzte Krümelchen.

Als wir gestern Nachmittag aus den Plastikzelten heraus kamen, hörte ich plötzlich die vertrauten, süßen Geräusche, die der hinreißende Haribo (sein Spitzname ist Poodley) mit seinem Mund macht. Eigentlich eher zufällig fand ich einen kleinen Reiscracker in meiner Tasche, der auch prompt innerhalb von Sekunden von diesem lustigen kleinen Bären vernascht wurde. Hoffentlich können Heather und das Team bald mit den großen Unterleibsoperationen beginnen, die all die neuen Bären brauchen. Wir werden Ihnen dann darüber berichten.

Nic, unsere Bärenmanager und Arbeiter haben mittlerweile ein neues Vergnügen für diese Bären entdeckt – etwas, das “stinkender Tofu” genannt wird. Du meine Güte – es riecht wie eine Abflussrinne, aber die Bären gieren danach. Sie essen es liebend gerne oder rollen sich darin voller Wonne, wie ein Hund in einem Kuhfladen. Ich denke, Sie wissen, was ich meine.

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