Schlafe sanft, herzallerliebster Rupi 
Alle, die Rupert einmal begegnet sind, kennen eine Geschichte über ihn – und alle diese Geschichten kamen während der vergangenen Nacht und während des Tages heute zurück, nachdem ein E-Mail das Team von Animals Asia informiert hat, dass jetzt die Zeit des Abschiednehmens gekommen war. So ist das, wenn ein Bär die ihm in den vergangenen 10 Jahren geschenkte Liebe und Verehrung aufsaugt und zurückgibt.

Rupert kam mit unserer allerersten Gruppe von Bären im Oktober 2000 hier an und bald schon stellte man eine Hirnschädigung bei ihm fest, die durch die „frei tropfende“ Methode der Gallensaftentnahme verursacht worden war. Denn dadurch kam es zu massiven Entzündungen im Bauchraum die hinauf wanderten und das Gehirn schädigten. Ein lieber und herzensguter Bär, der zufrieden und glücklich aussah, doch auf alles langsam reagierte und auch beim Laufen langsam war. Beim Fressen war er ungeschickt und unterschied sich so wesentlich von allen anderen Bären. Wenn in den folgenden Jahren ein Bär zu uns kam, der bezüglich seiner geistigen Verfassung „nicht ganz richtig“ zu sein schien, erfanden unsere Tierärzte eine neue Diagnose und nannten sie oder ihn einfach „ein wenig Rupi“. Jeder verstand, was gemeint war.

Trotzdem lebte Rupert in seinem „Geheimen Garten“ zufrieden und sehr glücklich, bis vor kurzem trotz verschiedenster Medikamente und Behandlungen seine Beweglichkeit schlechter wurde. Ich glaube, wir wussten alle, dass seine Zeit gekommen war. Als ich in Vietnam war, rief mich unsere Tierärztin Jen an, um zu sagen, dass die neuen Medikamente noch zwei Tage lang ausprobiert würden und dass sie kein weiteres Wochenende mehr warten würde, wenn er nicht darauf anspricht. Daher nahm ich einen früheren Flug zurück nach Chengdu als geplant, um mich von einem sehr speziellen Bären und Nachbarn zu verabschieden, mit dem ich im Rettungszentrum Tür an Tür gewohnt habe.

Beim Rückflug kamen die Erinnerungen zurück. Und alle liesen mich lächeln. Rupert war der Erfinder der – wie wir es nennen – „geplätteten Bären“, der sich an den unbequemsten Stellen niederlegen und schlafen konnte. Heute sehen wir geplättete Bären überall in der Rettungsstation, aber keinen so „elegant“ wie ihn.



Dann war da natürlich auch seine Freundschaft mit Franzi – und wo soll man da anfangen? Ihr erstes Zusammentreffen vor einigen Jahren konnte man nicht als „himmlisch“ bezeichnen. Sie, die mit ihren 30 Jahren vom Krokodilmann Steve Irwin (RIP) unvergessen als „scharfes kleines Biest“ charakterisiert wurde, war besonders bei ihren Freundschaften sehr wählerisch und entschied damals, dass Rupert überhaupt nicht zu ihr passt.



Diese Zurückweisung machte ihn aber weder unglücklich noch glücklich und obwohl er fast drei Mal so groß war wie Franzi, war klar, wer hier der Boss war. So lebte Rupert zufrieden weiter und wanderte glücklich in seinem Geheimen Garten umher, wobei er seiner Mitbewohnerin in den folgenden Monaten sorgsam aus dem Weg ging ….. bis zu jenem denkwürdigen Tag, als ich mit Anna Harrison, einer unserer lieben Unterstützer aus England und zum Glück ausgerüstet mit einer Kamera, durch die Anlage ging und wir die beiden in dieser üblen Pose überraschten.







Von da an waren Rupert und Franzi unzertrennlich – obwohl man sagen muss, dass sie das Kommando behielt und sehr schnell entschied, wie „nützlich“ Rupert sein konnte. Den ganzen Sommer und Herbst lang war sie die Chefin auf der Liege, die ihm wohlgezielte Schläge verpasste, wenn er zu nahe kam und sie nicht spielen sondern alleine sein wollte. Sie raubte ihm auch die besten Bissen praktisch unter der Nase weg. Als der Winter mit seiner Kälte kam, änderte sie stets ihre Meinung und entschied, dass diese „Bärenwärmflasche“ jetzt sehr brauchbar war. Sie schmiegte sich eng an ihn, um ihren winzigen Körper zu wärmen. Im Frühling sah man sie wieder hemmungslos mit ihm flirten, um dann im Sommer wieder in ihre übliche Rolle als Boss zurückzufallen.

Manchmal sah ich sie am Abend gemeinsam im Stroh liegen und musste mehr als einmal laut über seinen Mangel an Benehmen lachen, wenn er umständlich über sie hinweg kletterte, um zurück in seine Behausung zu gelangen. Sie nahm e bei diesen Gelegenheiten einfach zur Kamera und zeigte nur Verachtung für diesen lächerlichen, tollpatschigen Bären, der ihr über das Gesicht kletter









Franzi starb vergangenen November und obwohl es Rupert gut ging, hatte man den Eindruck, dass etwas von den Leuchten aus seinem Herzen verschwunden war. Jetzt, am letzten Morgen seines Lebens, kommen die Mitarbeiter hierher zu seinem Gehege, um zum letzten Mal auf Wiedersehen zu sagen. E-Mails strömen herein und in vielen kann man lesen, dass unser geliebtes Paar jetzt endlich wieder zusammen sein wird.

Es besteht kein Zweifel, dass die Zeit für ihn gekommen ist – er kann fast nicht mehr laufen und obwohl er sein Futter noch immer liebt, ist seine Lebensqualität dahin. Ich erzähle ihm, wie sehr wir ihn vermissen werden und er hebt eine Pfote und tastet nach dem Balken, der in seiner Behausung an einem Seil an der Decke hängt als wüsste er, dass er zum letzten Abenteuer unterwegs ist. Minuten, ehe Jen zu ihm kommt, um ihm seine erste Betäubungsspritze zu geben, zieht Rupert noch einmal und der Balken fällt herab. Jetzt schläft er, im Arm seine Trophäe und wir erinnern uns wieder, wie er sich trotz seines geschädigten Gehirns entschlossen jeder Herausforderung gestellt und wie sehr er jede Minute seines einfachen Lebens genossen hat.



Er lässt eine Familie zurück, die ihn bewundert und ihm dankt für die Jahre unbeschreiblicher Freude, die Franzi und er in unser Leben gebracht haben. Wir alle werden die Rufe seiner Bärenpfleger vermissen, die ihm allabendlich oder früh am Morgen galten, wenn er unter den Sternen geschlafen hatte und noch nicht bereit war, aufzuwachen. Wenn ich das bekannte „Wuuuu Paaaa“ über den Garten schallen hörte, lies ich alles liegen, um aus dem Fenster zu schauen und zu sehen, wie er sich freute, noch ein paar Augenblicke länger zu schlafen. Man spürt den tiefen Kummer des Teams, die mir für den Blog diese Worte sandten:

„Rupert brachte uns allen viel Freude, trotz seiner geistigen Behinderung. Gewöhnlich kam er in die Behausung zurück, wenn wir ihn riefen. Doch manchmal folgte er einfach nicht – er ignorierte uns und spielte mit seinem Reifen oder er spielte Verstecken mit uns, indem er sich ins Stroh eingrub. Als wir die traurige Nachricht erhielten, dass die Zeit für ihn gekommen war, mussten wir kämpfen. Doch wir wussten, wir müssen ihn in Frieden gehen anstatt ihn weiter leiden lassen. Er wird immer in unseren Herzen bleiben.“ Ma Jing, Gao Shi Wie, Kang Bin.

Er war so einfach, anspruchslos und so lieb. Rupert mag unser Bär mit dem kleinen Gehirn gewesen sein, doch er war ein Freund, Lehrer und Held für uns alle.





Hier noch einige der Botschaften, die unseren Rupert gestern bei der Beerdigung auf seinem Weg begleiteten. Jetzt kann er wieder neben seiner geliebten Franzi liegen. Sie sind wieder vereint.

Lieber Rupert,
ich vergesse nie den Augenblick als Du – und keiner hat es bemerkt – mit Deinen unglaublich sanften und vorsichtigen Lippen ein Gummibärchen aus meinen Fingern nahmst und dabei die rosigste Zunge zeigtest, die ich je sah. Mit ruhigen Augen sahst Du mich voller Vertrauen an und Du versprachst so, unser Geheimnis für immer sicher zu bewahren. Das tatest Du auch. Denn Dein Herz ist groß und ich bin sicher, dass es im Lauf der Jahre viele Geheimnisse aufgenommen hat…. Lebe wohl und wisse, dass wir dir so sehr geliebt haben … Christa, Animals Asia Germany x

Heil Dir, Rupert, Du einfacher König, der uns alle gelehrt hat, dass Einfachheit ein Zustand der Perfektion ist. Bruce, USA

Man sagt, dass die Erinnerung ein Geschenk ist, mit dem die Menschen den Tod überleben. Daher werden wir Rupert mit uns nehmen, damit alles, was einmal seine Schwächen waren, unsere Stärken werden und das Glück, ihn gekannt zu haben wird, uns seinen Verlust ersetzen.

Von Anfang an hat Rupert unser Herz berührt – wir danken ihm und seinem Mut und sind vereint in der Erinnerung an eine Aufgabe, die wir einmal erfüllen werden. All denen, die ihn geliebt haben und ihn pflegte, wird Rupert den Weg weisen.
Wir werden Dich wieder sehen
Carmen, Irene, Antonello und Giulia, Animals Asia Italien.

Schlafe süß, du lieber, wunderbarer Rupert. Wir haben Dich alle geliebt und auch Franzi hat Dich heimlich angebetet. Geh und sei wieder mit ihr zusammen.
Alles Liebe von Hayley XXX (Tierkrankenschwester in Chengdu vom September 2006 – Dezember 2009)



Und die letzten Worte von seiner Patin Anna, die ihn zusammen mit ihrem verschiedenen Mann Neil vor einigen Jahren so großmütig annahm und von Herzen liebte:

Was ich von unserem lieben Bären höre, macht mich sehr traurig. Aus irgendwelchen Gründen glaubte ich wie Du, dass er unsterblich ist. Nichts sollte dem lieben, süßen Rupi je geschehen. Das Glück, das wir durch die Bekanntschaft mit ihm empfangen haben wird uns helfen, unseren Verlust zu überwinden. Er wird nie vergessen werden und er nimmt ein Stück meines Herzens mit sich mit.

„Nur noch einen Atemzug in dieser stillen Luft, nur noch ein liebender Blick zurück. Dann werde ich Stimmen hören, die meinen Namen rufen und über die Felder hinweg tönt die Botschaft von meinem Kommen.“
Ruhe in Frieden, wunderbarer Rupert. Du wirst immer in unseren Herzen bleiben. Neil wird schon auf Dich warten.
In Liebe
Anna xx




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Nothilfe Bärenrettung


Gute Reise, lieber Rainbow 
Viele von Ihnen haben sicher schon von unserem Rainbow Zhu Ke hier in Chengdu gehört. Er begann als unser Übersetzer und übernahm schnell weitere wichtige Aufgaben hier bei Animals Asia. Heute ist er für die Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit in China verantwortlich. Rainbow hat so viele Fähigkeiten, dass es schwierig ist sie alle aufzuzählen – ein hervorragender Fotograf, dessen Bilder den diesjährigen Mondbärenkalender zieren. Aber auch unser Buch Freedom Moon und unsere PR und Informationskampagnen rund um die Welt.

In den letzten Jahren hat Rainbow auch Informationskampagnen in China zugunsten von Hunden, Katzen, Bären und vielen anderen Tierarten durchgeführt. Dabei hat er Händler in den unendlich grausigen Märkten für lebende Tiere und Tiertrainer in Safariparks und Zoos herausgefordert.

Für mich ist die beste Geschichte über Rainbow, als er, Dave (unser Direktor für Tierschutzfragen), Irene (unsere Dr. Hund Programm Managerin in China) und ich verschiedene Einrichtungen in Südchina untersuchten, wo wir mit die schändlichsten Trainingsmethoden und Tierschauen erlebten, die Tiere dort ertragen müssen. An einem denkwürdigen Nachmittag beobachteten wir einen Elefantentrainer bei der Arbeit. Er benutzte einen Ankush, ein grausames Folterwerkzeug mit einem spitzen Metallnagel an einem Ende, den die Zuschauer aber nicht zu sehen bekommen. Als der Trainer die beiden armen Elefanten immer wieder ins Gesicht und hinter die Ohren stach, konnten wir sehen, wie sei schmerzlich zusammenzuckten und dabei versuchten, auf dem Kopf zu stehen oder auf den Hinterbeinen oder Vorderbeinen zu laufen und sich zur „Freude“ der Zuschauer insgesamt in unnatürlichen Verrenkungen zu ergehen.

Nach der Show hielt Rainbow es nicht mehr länger aus und während ich filmte, ging er in die Arena und forderte den Trainer auf, ihm seinen „Zauberstab“ zu zeigen. Immer wieder fragte er ihn, warum er so grausam sei und der Trainer, der seinen Ankush weggeworfen hatte, leugnete dabei, dass er etwas für die Elefanten schädliches tue.

Auch in den wirklich schlimmen Märkten für Hunde und Katzen war Rainbow dabei und dokumentierte tapfer die dortigen Zustände, so dass wir zeigen konnten, wie diese Industrie wirklich ist. Dabei musste er sich die Händler vom Leib halten, die immer aggressiver wurden je mehr sie erkannten, warum wir hier waren. Vorletztes Weihnachten führte er sein Team durch eine bekannte Straße mit vielen Restaurants, in denen Hundefleisch serviert wird. Unsere Dr. Hunde trugen dabei Schilder um den Hals auf denen stand: „Wir sind eure Freunde. Esst uns bitte nicht“. So überzeugte er mögliche Kunden dieser Lokale, eine Botschaft zu unterschreiben und zu geloben, nie wieder Hundefleisch zu essen.

Zum Schluss will ich noch sagen, dass ich Rainbow in den sechs Jahren, die ich ihn jetzt kenne, niemals in schlechter Stimmung erlebt habe – er ist immer einer der fröhlichsten Mitarbeiter hier – und wir werden ihn viel mehr vermissen als er je annehmen kann. Denn er verlässt uns diese Woche.



Rainbow hat die Möglichkeit erhalten, für zwei Jahre in die USA zu reisen und eine MBA Ausbildung in Hawaii zu absolvieren. Seine Frau Hong Chuan und er werden dort ein neues Leben kennen lernen, während er wichtige Kenntnisse erwirbt, um bei seiner Rückkehr nach China das Thema Tierschutz und Rechte für Tiere auf die nächste Stufe zu heben. Ich bin sehr froh, dass uns Rainbow die erste Option, ihn nach seiner Rückkehr nach seinem Studium wieder in die Animals Asia Familie aufzunehmen, gegeben hat. Daher ist es mit einer Mischung aus Lachen und Traurigkeit, dass wir Dir eine gute Reise wünschen. Wir wünschen Dir und Deiner Frau eine erfolgreiche und glückliche Zeit in Amerika und wir danken Dir für die bemerkenswerten Fortschritte und Leistungen während Deiner Zeit hier bei uns.
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Ping Guo übersteht überlange Operation 
Diese Nachricht habe ich vor kurzem an Besucher geschickt, die dabei waren, als bei Ping Gio (das heißt „Apfel“) am Morgen die Gallenblase entfernt wurde. Zwölf Stunden später lag sie noch immer auf dem OP-Tisch. Ich hoffe, dass die Bärenfarmenindustrie stolz darauf ist. Dieser Arme Bär muss bald nochmals wegen seiner zerschmetterten Eckzähne operiert werden.
„Ich dachte mir, dass ihr vielleicht interessiert seid zu erfahren, dass es jetzt fast 21 Uhr ist und Ping Guo noch immer auf dem OP-Tisch liegt. Damit hat sie den bisherigen Rekord für die längste Operation an einem Bären gebrochen - fast auf die Minute genau 12 Stunden. Ihr Bauchraum war eine Schande und sie hatte die abscheulichste vernarbte Gallenblase, die wir je gesehen haben. Wie ihr ja selbst gesehen habt, schien die Sache von außen nicht so furchtbar zu sein. Doch das verbarg nur die vielen Probleme im Inneren. Mitten drin steckte ein Gallenstein so groß wie eine Kartoffel mit seinen 8,5 x 4 cm. Unseren Tierärzten gebührt ein großes Lob. Sie sind gerade dabei, sie wieder zuzunähen.“
Trotz der Dauer und Schwere ihrer Operation hat Ping Guo alles gut überstanden und erholt sich gut – und wir haben ein weiteres Beweisstück für die chinesische Regierung, um die Wahrheit über die heutige Bärenfarmenindustrie zu beweisen.








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Unsere neue kleine Familie in Vietnam 
Die Tür unseres Jeeps öffnete sich und mit schreckgeweiteten Augen schauten unsere neuen Familienmitglieder in die Welt. Kleine Häufchen von Mondbären, nur etwa 4 bis 5 kg und geschätzte drei bis vier Monate alt.

Tuan, unser Direktor in Vietnam, die Tierärztin Kirsten und ich kamen soeben von der Akademie für Wissenschaften in Vietnam, wo Herr Dang Tat The, Leitender Forscher am Institut für Ökologie und biologische Ressourcen den Auftrag hatte, diese jungen Welpen offiziell zu identifizieren.

Nachdem er sie fotografiert hatte, bestätigte er gerne, dass es sich wirklich um Mondbären handelt – die damit nun auch offiziell von einer Farm in der Provinz Dien Bien beschlagnahmt waren – ehe er mit Tuan die für die Übergabe notwendigen Dokumente unterschrieb. Das war kein Scherz, sondern nur ein weiteres Beispiel dafür, welche Tricks die Farmer sich ausdenken, um ihre illegal gehaltenen Tiere zu behalten.






Nach der Razzia leugnete der Farmer, Mondbären zu halten – trotz der Tatsache, dass die Tiere die da laut vor den Augen der Behörden schrien, genau wie solche aussahen mit ihrem zitronenfarbenen Halbmond und den winzigen Mondbärenohren. Das bedeutete für die Welpen zusätzlichen Stress, denn nun mussten sie zunächst offiziell von dem Institut in Hanoi als Mondbären bestätigt werden, bevor wir sie nach Hause bringen durften.

Wer weiß schon, was sonst noch auf der Farm passiert ist. Oder während ihrer Gefangennahme, bei der sie von ihrer Mutter weggerissen wurden, die sich dagegen verzweifelt gewehrt hat. Und wo war diese Mutter jetzt? Wird der Farmer angeklagt dafür, dass er die Gesetze so völlig missachtet hat?

Dagegen steht, dass wir wissen, dass die Forstschutzbehörde von Dien Bien sich hervorragend um die Welpen gekümmert hat, solange sie dort bleiben mussten. Sie wurden gut gefüttert und versorgt. Ihr weiches, seidiges Fell, ihre aktives und aufgewecktes Verhalten zeigen das. Doch sie brauchen die liebevolle Pflege unseres Teams in Tam Dao, das ihnen in den kommenden Monaten ihre offizielle „Mutter“ sein und sich rund um die Uhr um sie kümmern wird.





Anfänglich waren beide Welpen sehr verschreckt. Einen kleinen dürren Jungen, dessen rechte Hinterpfote verletzt ist, nennen wir jetzt Chien Thang. Das heißt so viel wie siegreicher (kleiner) Krieger).

Daneben gibt es noch ein etwas stämmigeres Mädchen namens Charlie, so genannt nach unserem Bärenmanager Charlie in Tam Dao. Beide blickten blinzelten auf die Menschen rings um sie herum. Das Mädchen scheint mutiger zu sein, denn sie streckte ihre rosige Zunge nach der Hand von Kirstie aus, ehe sie neugierig die Pfoten zwischen den Gitterstäben hervorstreckte.



Der kleine Junge wollte mir wohl zeigen, dass er trotz seiner geringen Größe hier der Boss ist, denn nachdem er meine Hand mit der Zunge berührt hatte, knabberte er sie gleich darauf an. Natürlich mussten Kirstie und ich darüber lachen, denn dies ist schon ein guter Anfang und ein positives Zeichen für die offensichtliche Gesundheit der Bären.

Schon Minuten später schleckten sie eifrig ihre Babymilch auf und leckten die Reste von ihren Pfoten ab. Danach, mit vollem Bauch und offensichtlich zufrieden rangen, sie spielerisch miteinander im Käfig. Die Reise zurück nach Tam Dao verlief ohne Zwischenfälle. In ihrem Welpenzimmer und mit einer weiteren Mahlzeit im Bauch turnten sie danach in ihrer neuen Welt umher und spielten miteinander, als ob sie nie etwas anderes gekannt hätten.





Schon zeigt es sich, dass Charlie der neugierige und dominante der beiden Welpen ist und Chien Thang versucht tapfer, sich zu behaupten. Er hat sich schon einen weiteren Kosenamen verdient: Der kleine „Spitfire“. Wenn sie sich in der nächsten Woche etwas besser eingewöhnt haben, werden sie erst einmal medizinisch untersucht und wir röntgen das Bein von Chien Thang. Damit Kirstie sieht, was damit nicht in Ordnung ist.

Jetzt aber erst einmal ein großes Lob für unser Team in Vietnam, inklusive Tuan, der wieder einmal durch das politische Minenfeld geschlüpft ist, um unsere neuen Familienmitglieder nach Hause zu bringen. Kirstie und Caroline, die sich so professionell um alle medizinischen Belange bei dieser Aktion gekümmert haben und Pernille, deren Aufgabe es sein wird, die Welpen in den nächsten Wochen zu füttern und sauber zu halten. Sie erhält bald Unterstützung durch zwei Mitglieder unseres Bärenteams (alle aus dem Team möchten gerne diese Aufgabe übernehmen!).

Vielen Dank auch an Chinh, der die ersten Fotos von diesen quirligen kleinen Strolchen machen konnte, die sich hoffentlich nächstes Jahr schon mit den anderen Jungtieren draußen in den Freigehegen messen können.

Es scheint kaum ein Jahr her zu sein, als der kleine Taurus zu uns kam, mit einem Gewicht von gerade einmal 2,3 kg. Jetzt wiegt er bereits 92 kg!

Nochmals vielen Dank an unser Team in Vietnam, deren grenzenlose Liebe und Pflege sicher stellen, dass die dunklen Tage im Leben dieser Welpen bald in ihrem neuen freudevollen Leben vergessen sein werden.









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Dickerchen Nicole muss zum Zahnarzt 
Fast fünf Monate nach ihrer Rettung in Vietnam steht in dieser Woche unsere Nicole im Mittelpunkt des OP-Raumes. Wenn man sie auf dem OP-Tisch liegen sieht, während ihre Zähne von unserer Tierärztin Kirsty und der Tierkrankenschwester Caroline behandelt werden, kann man kaum glauben, dass sie seit ihrer Ankunft am 21. Januar bereits volle 30 kg abgenommen hat.



Bei unseren Bären ist der Begriff „krankhafte Fettsucht“ nicht gebräuchlich. Doch Nicole war ein geradezu ein Dickmops, dem man in den Jahren auf der Farm ganz offensichtlich mit das falsche Futter gegeben hat. Obwohl Nicole seitdem auf Diät ist, ist sie nach wie vor noch eindrucksvoll „in Form“ und laut Caroline liebt sie ihr Futter über alles.



Am meisten beeindruckt uns dabei, dass sie trotz der Schmerzen in ihren stark gesplitterten Eckzähnen weiter isst. Deshalb werden ihr bei der heute stattfindenden Operation alle vier kunstvoll entfernt.

Wenn das vorbei ist, wird sie auf die Operation zur Entfernung der Gallenblase vorbereitet. Laut Kirsty zeigt diese im Ultraschallbild abnorm verdickte Wände, was wahrscheinlich auf chronische Entzündungen durch die Entnahme des Gallensafts zurückzuführen ist.

Inzwischen ist die Zahnoperation gut verlaufen und Caroline steht Nicole mit einer Mischung aus Früchten und fettarmen Leckereien bei, die wir mit Medikamenten versetzt haben, um ihre Schmerzen zu lindern. Bei Caroline ist Nicole sicher und in guten Händen.



Auf diesem Bild sieht man, wie Caroline Nicole liebkost, während Kirsty die Eckzähne entfernt und Tuan, unser Direktor in Vietnam, ihr die Klauen zurückschneidet:


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