Im Schatten des Mondes 
Von Zoos in China haben wir erfahren, wie die Tiere dort auf die Sonnenfinsternis der vergangenen Woche reagiert haben. Offenbar gingen Elefanten und Giraffen zurück in ihre Ställe, da sie dachten, es sei Nacht. Kraniche und Flamingos schliefen ein und erwachten wieder, als das Licht zurückkam – für sie begann offenbar ein neuer Tag.

Die Sonnenfinsternis vom Mittwoch war mit ihren sechs Minuten und 39 Sekunden die längste Finsternis des Jahrhunderts und war in ganz Südostasien sowie im Westpazifik zu beobachten.

Auf meinem Weg zu unserer Rettungsstation in Vietnam rief mich Rainbow aus Chengdu an und erzählte ganz aufgeregt, wie er bei unserem Eingewöhnungsgehege stand, als es für mehr als sechs Minuten „Nacht“ wurde. Er machte ein paar sehr schöne Aufnahmen von diesem historischen Ereignis.







Und wie haben unsere Bären darauf reagiert? Offensichtlich haben sie … überhaupt nichts getan. Diese sorgenfreien Bewohner haben es „nicht einmal ignoriert“ und waren weiter mit ihrem Picknick beschäftigt! Doch laut Rainbow war das bei den menschlichen Teammitgliedern in Chengdu ganz anders.

Rainbows Tagebuch der Sonnenfinsternis vom 22. Juli

An diesem Vormittag gab es in Chengdu viele Wolken und wir haben nicht erwartet, überhaupt etwas von der Sonnenfinsternis zu sehen. Doch immerhin waren wir vorbereitet und hatten unsere Handys und Kameras bereit. Einige wie Forrest, David und Dai (s. Bild) hatten sich auch dicke Sicherheitsgläser beschafft, die unsere Handwerker beim Schweißen benötigen.



Plötzlich sahen wir ein kleines hellblaues Wolkenloch und dann geschah es – die Sonne verschwand zum Teil hinter dem Mond! Einige von uns schrieen! Ich nicht, da ich jede Sekunde nutzte, um dieses einzigartige Ereignis (einmal in 500 Jahren) mit Kamera und Videokamera festzuhalten. Die Sonne verschwand oft hinter den Wolken.

Dann wurde es ohne Vorwarnung und mit erstaunlicher Geschwindigkeit Nacht. Ein solches Naturschauspiel zu sehen ist ein einmaliges Erlebnis. Selbst wenn es bei uns keine totale Finsternis war.

Zu diesem Zeitpunkt gingen alle Lichter am Balkon des Verwaltungsgebäudes, den Bärenhäusern und den Unterkünften an. Ich weiß nicht, wie es den anderen ging. Doch ich hatte ein wirklich seltsames Gefühl! Nicht so wie morgens um 9 Uhr – mehr wie abends um 9 Uhr. In der Dunkelheit (die durch die Wollen noch verstärkt wurde) lief ich ans andere Ende des Gebäudes, von wo ich ein paar verwaschene schwarze Bälle sehen konnte die langsam in dem Gehege herumstreunten.

Per Walkie-Talkie kontaktierte ich Chen, einen unserer Bärenbetreuer an und fragte, ob die Bären sich irgendwie anders verhielten, um diesen „besonderen“ Moment zu feiern. „Alles normal! Sie genießen ihr Futter auf der Wiese“, war die Antwort von Chen.

Als ein paar Minuten später das Licht zurückkam, fotografierte Rainbow unsere liebe Laetizia, die von all der Aufregung ganz ungerührt geblieben war:



Was unsere anderen behinderten Bären betrifft, sandte unsere freiwillige Tierarzthelferin Judy diese schöne Botschaft, in der sie schilderte, warum die Bären nicht auf die Sonnenfinsternis reagierten:

„Vor meinen Augen sehe ich ein schönes Bild von ihnen, wie sie alle einfach faul herumliegen, wenig tun und sich durch nichts in ihrem Nichtstun stören lassen. Animals Asia kümmert sich um alles, was sie brauchen – sie wissen, dass wir die Sonne wieder einschalten, wenn wir sie geprüft oder gewogen haben.“

PS: Später am Morgen hatten die Tierärztin Jen und die Tierarzthelferinnen Caroline und Wendy einen schlafenden Charly für eine Routinekontrolle auf dem OP-Tisch. Natürlich konnten sie nicht widerstehen und mussten ein Bild von „Charly’s Engel“ schießen, auf Chendu Art !


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Nothilfe Bärenrettung


Ein Segen für alle 
Der bekannte Tierverhaltensforscher Marc Bekoff, unser wunderbarer Freund, und ich waren und sprachen letzte Woche auf der Konferenz „Achtet die Tiere“ in Newcastle bei Sydney.

Marc kam rechtzeitig in Newcastle an, um dem Segen der Tiere beizuwohnen. Ich weiß, dass er nichts dagegen hat, wenn ich seine berührende Ansprache dort mit Ihnen teile.

… heute las ich die ersten Verse (siehe unten) für einen Segen der Tiere, der in einer Kirche hier gespendet wurde… Die brave Bella (hier im Bild mit Marc) hat mich begleitet … und auch ein paar Hunde. Eine großartige Erfahrung und sehr fortschrittlich … Es gab Vertreter vieler verschiedener Glaubensrichtungen, von Christen, Buddhisten, Baha’i, Hinduisten etc. etc., und dazu eine Frau, die als erster Kaplan im größten Tierkrankenhaus der südlichen Halbkugel wirkt.



Ein jeder zündete für die Tiere, die in den verschiedensten Orten benutzt werden, eine Kerze an. Das geht von Laboratorien für die Forschung und Lehre über Zirkusse, Zoos bis hin zur Verwendung als Nahrung und für Kleidung … Am Ende sprach das Kirchenoberhaupt in einer der stärksten Ansprachen, die ich je gehört habe über den Respekt für Tier. Er erinnerte daran, dass auch Tiere Ausdruck des Lebens an sich und keine Sache sind … besonders scharf sprach er die Missbräuche in den Forschungslabors an. Er endete mit einer bewegenden Botschaft der Hoffnung.

Insgesamt war das ein wunderbarer Nachmittag und seine Botschaft war, dass „Gleichgültigkeit keine Wahl ist…“

Mit dieser Botschaft eröffnete Marc später auch die Konferenz in Newcastle, die nach einem seiner zahlreichen Bücher unter dem Motto „Achtet die Tiere“ stand.

Es folgt ein Abschnitt aus dem Buch „Unbezahlbar – die verschwindende Schönheit eines zerbrechlichen Planeten“ des australischen Schriftstellers Bradley Trevor Greive.

Für die gefährdeten Arten sind wir zugleich der größte Feind und ihre einzige Hoffnung.
Diese wunderbaren Geschöpfe streiten sich nicht mit uns.
Sie kämpfen nicht.
Sie betteln nicht um Gnade.
Sie sagen nicht auf Wiedersehen.
Sie schreien nicht
Sie verschwinden einfach.
Danach herrscht Stille.
Und es wird Stille sein.
Und Leere.
Und nichts was Du sagst, wird das ändern.
Nichts was Du tust, wird sie zurückbringen.
Wo so viele Leben auf dem Spiel stehen, wird der Weg den wir heute wählen das Geschick der Welt bestimmen.
Daher liegt es an uns, an Dir und mir, zu entscheiden, wer lebt und wer stirbt.

Marc schloss mit diesen wunderbaren Worten:

Wenn es uns gelingt, unser Verhältnis zu unseren Mitgeschöpfen und unserer Umwelt auch nur ein klein wenig zu verbessern, wenn wir nur eine kleine Anstrengung unternehmen, um die schlimmen von uns geschaffenen Zustände umzugestalten, werden sich daraus viele Gelegenheiten für ein blühendes Leben entwickeln.

Jeder, der einen Sonnenaufgang gesehen hat, auf einen Baum gestiegen ist, den Duft einer Rose gerochen, ein Kätzchen gehalten oder den unvergesslichen Liebesgesängen eines Wals gelauscht hat weiß tief in seinem Herzen, wie wunderbar dieser Planet wirklich ist.

Um unsere Heimat und die unvergleichlichen Tiere in ihr zu bewahren, muss man nur die Welt sehen wie sie ist und eine Vorstellung davon haben, wie sei sein könnte.

Diese Vorstellung soll Dir dann den Weg zeigen, Dir Stimme und Herz sein.

Wenn Du das kannst, ist Hoffnung. Es wird Schönheit geben und Freude – die Erde wird leben.

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Pekinger Künstler fangen die Traurigkeit der Bären ein 
Ein großzügiges Geschenk für unsere Kampagne zur Rettung der Mondbären hat uns das Künstlerehepaar Zeng Jianyong und Tianmu gemacht. Sie haben uns ihre schönsten Bärenbilder geschickt.

Zeng, für dessen Kunstwerke viele tausend US$ bezahlt werden, zeigt die Unschuld, die Traurigkeit und Verletzlichkeit der Bären in den Käfigen. Sein Werk wurde für uns noch tiefsinniger als wir erfuhren, dass er echten Rost zur Darstellung der Käfige verwendet hat. Eindringlich zeigt es das Elend der 7.000 majestätischen Mondbären die noch immer still in ihren eisernen Gefängnissen leiden und darum bitten, frei gelassen und respektiert zu werden.



Die Malerei von Tianmu zeigt viele verschiedene Einflüsse. Die Kaulquappen gehen zurück auf die berühmte chinesische Zeichengeschichte „Die kleinen Kaulquappen suchen ihre Mutter“ und stehen somit für die Qualen der Welpen in den Farmen. Die Lotosblüte auf dem Kopf hat ein Staubgefäß in Form eines Kreuzes und auf der Schnauze finden sich die Samen des Lotos – zusammen vermittelt dies den Fluss des Lebens. Doch dieses Bild wird in der Mitte zerschnitten was nach Tianmu ein Symbol für die Qualen all der Bären in den Farmen ist.



Ihre Bilder zeigen Tiere, die zum Nutzen des Menschen erzeugt und zerstört werden, keine Geschöpfe, die das ihnen eigentlich bestimmte Leben führen können.

Wie viele andere Bürger Chinas nutzen auch Zeng und Tianmu ihr Talent, um diejenigen ohne Stimme zu verteidigen – die Kunst zeichnet deren Leben nach, bis zum beschämenden letzten Atemzug.

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Wie sich Freiheit anfühlt... 
Von der Schweinegrippe in Quarantäne geschickt zu werden, hat den Vorteil, wieder mal seine E-Mails alle bearbeiten zu können. Aber auch den, sich an den Bären in der Rettungsstation zu erfreuen (nachdem die Behörden mir gestattet haben, mein Zimmer zu verlassen und mich dort aufzuhalten).

Gerade eben habe ich die (für mich) "neue" Technologie eines iPod kennengelernt, den mir meine Schwester Anne gekauft und auf den sie mir einige meiner Lieblingssongs geladen hat.

An einem herrlichen Sonntag Nachmittag stand ich auf dem Dach des Hauses Nr. 5 und schaute hinab auf Freedom, der beide Vorderpfoten fehlen - Zufällig lief da gerade "The One" von Elton Jone in voller Lautstärke.

Als sie da in ihrem Teich saß und ein Holzstück mit den Stummeln ihrer Vorderpfoten im Wasser herumschubste, wie sie zu mir hinaufblinzelte und die Sonne in ihrem Fell glänzte, da passte der Text von Elton "wie die Freiheit sich fühlt, wenn Wildpferde laufen" einfach wunderbar. Wieder einmal wußte ich, warum wir hier sind.

Damals hatte ich keine Kamera dabei - doch hier ist ein anderes schönes Foto von Freedom an "ihrem" Teich, um diesen Augenblick zu verdeutlichen.


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Ein Weckruf von der Schweinegrippe 
Am Mittwoch um drei Uhr in der Nacht klopften Heather, unsere leitende Tierärztin, und unsere Übersetzerin Tina an meine Tür. Sie wurden begleitet von zwei vermummten und mit Masken ausgerüsteten Beamten des chinesischen Gesundheitsamts.

Offensichtlich war bei einer Person, die auf dem Flug nach Chengdu am vergangenen Tag hinter mir saß, der Test auf Schweinegrippe positiv. Das bedeutete für alle in der Nähe sitzenden Passagiere eine sieben Tage lange Quarantäne.

Wie die Behörden mit dieser Situation umgehen, kann man nur loben – zweimal täglich kommen freundliche Beamte der Gesundheitsbehörde und prüfen meine Körpertemperatur und stellen Fragen. Es ist offensichtlich, dass China alles tut, um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern.

Für mich liegt aber eine gewisse Ironie darin, dass man auch jetzt noch nichts gegen diese höllischen Bärenfarmen und den Verkauf von Hunden und Katzen auf den Märkten unternimmt – wo Tiere zu Millionen leiden und an Krankheiten sterben.

Hoffentlich ist dies ein Weckruf für die Verantwortlichen, einmal gründlich und genau zu diesen kranken Tieren hinzusehen, die unserer Hilfe so dringend brauchen.

Auf dem Bild sieht man Rainbow, wie er mich über das Geschehen im Rettungszentrum auf dem Laufenden hält. Nach vier Tagen in Quarantäne und ohne Anzeichen einer Grippe darf ich mich nun wieder innerhalb des Rettungszentrums bewegen.

Hier ist auch unsere zugehörige Presseinformation


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