Ein Traum wird wahr: „Heilen ohne Schmerzen“ 
Am letzten November-Wochenende kamen in Peking über 250 Mitglieder der TCM Gemeinde aus China und der ganzen Welt zum „Internationalen Symposium zum Schutz gefährdeter Arten in der Traditionellen Chinesischen Medizin“ zusammen. Finanziert wurde es durch das American College of Traditional Chinese Medicine (ACTCM) und von Animals Asia Foundation, gemeinsam mit der großzügigen Unterstützung der Maria Norbury Foundation und Hauser Bears.

Die Idee zu dieser Zusammenarbeit war ursprünglich bei einem Gespräch zwischen Lixin Huang Präsident der ACTCM und unserer Direktorin in den USA Alice Ng geboren worden. Jetzt ist dieser Traum wahr geworden mit der großartigen Unterstützung für die Bären durch respektierte Persönlichkeiten aus der TCM Gemeinschaft. Frau Lixin machte selbst vor einigen Wochen die Einstellung ihres Collegs dazu sehr deutlich bei einem gemeinsamen Vortrag bei der Asia Society in San Francisco. Dort sagte sie:

„Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) propagiert Harmonie und Heilen. Der Gebrauch von Bärengalle oder von gefährdeten Arten in der TCM unterstützt weder Harmonie noch Heilen. Viele auf Bärengalle basierende Arzneien werden weder von den Ärzten der TCM verschrieben noch empfohlen. Wir sagen den Bärenfarmern, dass sie die TCM nicht als Ausrede für die Haltung der Bären verwenden können, denn um das Leben der Patienten zu retten, benötigen wir keine Bärengalle.“

Bei dem Symposium kamen Verkäufer von Heilpflanzen, praktische Ärzte, Gelehrte, Vertreter der Behörden und der Legislative zusammen, die sich alle auch mit TCM und Umweltschutz beschäftigen. Das ACTCM wählte achtzehn führende Persönlichkeiten aus China aus, die zu Fragen der Artenerhaltung, Alternativen zum Gebrauch von gefährdeten Arten sowie zu besonders für Arzneien verwendeten Arten wie Bären, Schuppentiere oder Schildkröten sprachen.

Wie ich zu Beginn der Konferenz zu Lixin sagte, habe ich fast 25 Jahre auf diesen Augenblick gewartet – Experten zu sehen die zusammenkommen für die gemeinsame Botschaft, dass Tiere nicht ihr Leben lassen sollen um unseres zu retten. Es war wirklich eine Feier der Harmonie zwischen dem Tierschutz und der chinesischen Medizin. Jetzt haben wir uns natürlich auf die gefährdeten Arten konzentriert. Doch die Debatte hat begonnen um alle Tiere dort mit einzuschließen. Das ist die Mission von Animals Asia.

Wir haben für drei anerkannte Experten die Kosten übernommen, damit diese an der Konferenz teilnehmen konnten. Mit diesen arbeiten wir zusammen, um über die Verwendung von Bärengalle, der Alternativen dazu und den schrecklichen Krebsgeschwüren, die wir in den gefangen gehaltenen Bären finden, aufzuklären. Aber auch über die Forschungen nach Alternativen die besser sind als das „Original“. Alle diese Experten unterstützen unsere Forderung nach einem Ende der Bärenfarmen.

Professor Liu Zheng Cai ist ein Arzt der TCM, mit dem wir schon seit Jahren zusammenarbeiten. Er sprach zuerst. Sein Vortrag - mit ernsthaften Fakten und gelegentlichen hintergründigen Bemerkungen - nahm die Zuhörer schnell gefangen. Speziell bei einem Thema, als er fragte: „Die Bären haben selber Krebs. Wie können sie ihn dann heilen?!“

Dr. Wang Sheng Xian ist Pathologe aus Chengdu und sprach danach. Er zeigte Bilder der Krebsgeschwüre und der beschädigten Gallenblasen von den Bären, die wir geliebt und doch verloren haben. Jedes dieser Bilder war ein Beleg für die These von Dr. Wangs Vortrag – doch jedes erinnerte uns auch an einen unserer Freunde: Hope, Chengdu Truth, Mango, Xiao Hei, Saskia, Kiki, Willow, Fuzzy und, natürlich die Nummer 1 – Andrew. Bild für Bild, immer wieder ein Krebsgeschwür, das in das Leben unserer Bären eingedrungen ist und es zerstört hat.

Dr. Feng Yibin von der Schule für Chinesische Medizin an der Universität Hongkong sprach über seine aufregenden Forschungsarbeiten mit dem Kraut Coptis aus der Familie der Hahnenfußgewächse. Diese Arbeiten werden finanziert von Frank Pong Fai und seiner Familie sowie zum gleichen Teil durch Gelder der Regierung von Hongkong. In seinem Bericht „Forschungsprojekt für alternative Wirkstoffe zu Bärengalle“ zeigte Dr. Feng, dass seine Forschungsarbeiten etwas belegen, das nicht nur eine Alternative zu Bärengalle ist, sondern etwas, das sogar noch besser wirkt. Er machte klar, dass die Verwendung von Bärengalle ein Problem der Geschichte, der Kultur und der Wirtschaft sei und jetzt zunehmend auch eine politische Komponente erhält.

Alle Sprecher danach bestätigten die Meinung unserer Experten. Ein Professor behauptete sogar, dass die weitere Verwendung traditioneller Kräuter nicht mehr nötig sei, wenn die Wirksamkeit von synthetischen Wirkstoffen genau so gut ist. „Warum soll man diese denn nicht generell verwenden, wenn dadurch auch das Leben gefährdeter Arten gerettet wird?“

Dies ging so weiter, bis schließlich Professor Wang Liang Xin aus Nordchina seinen Vortrag begann und Bilder von Tieren in Farmen zeigte, auch Bären, und dabei die erstaunliche Feststellung machte, dass die Verwendung von Wildtieren in Ordnung gehe, solange sie aus solchen Farmen kämen. Vielleicht war das nicht überraschend, denn wir fanden später heraus, dass er aus Heilongijang kommt, wo eine große Zahl von Bären eingesperrt sind als Opfer der Bärengalle Industrie.

Ich kochte innerlich und dachte, wie es möglich ist, dass einige Menschen ihre Menschlichkeit verlieren können bis sie Tiere in den Farmen als „Dinge“ sehen, die man ausbeuten kann. Im Gegensatz zu ihren freilebenden Vettern. Ich konnte diese Gedanken nicht ertragen und fragte mich, ob er wohl Enkel habe, denen er auch seine Ansichten erzählt. Wie wird wohl diese nächste Generation seiner Familie werden, die aufwächst und Bären so sehr hasst, dass es ihnen gleichgültig ist, ob sie in Käfigen gehalten und bis zu ihrem Tod gequält werden.

Nach seinem Vortrag ging er beim Hinausgehen an mir vorüber und ich musste ihm folgen und ihn fragen warum. Bei diesem Gespräch erlebte ich einen Menschen mit freundlichen Augen der mir sagte, dass die Bärenfarmen in Heilongijang den Gallensaft erzeugen ohne diesen Tieren zu schaden. Er glaubte das wirklich. Toby (unser Direktor für chinesische Angelegenheiten) sei Dank. Er war mit dabei und übernahm das Gespräch. In schnellem, eindringlichem Chinesisch klärte er über die Methoden der Bärenhaltung und der Entnahme des Gallensafts auf. Dinge die für die Bären sehr schmerzhaft sind und ihrer Gesundheit schaden.

Da geschah es, dass Professor Wang eingestand, dass dies wohl wahr sei. Traurig nickte er und erwiderte, dass er über Informationsprogramme nachdenken wolle, damit die Menschen verstehen, dass sie Bären nicht so behandeln dürfen. Das war keine Frage des Geldes, sondern der Aufklärung – die Farmer müssen erkennen, dass sie Tiere nicht so behandeln dürfen.

Noch ehe Professor Wang Liang Xin die Konferenz verlies, kam er nochmals auf Toby zu und fragte ihn, ob er ihm ein E-mail schicken könne, um mit ihm weitere Ideen zu diskutieren, wie den Bären geholfen werden kann. Jetzt wusste ich, dass die Botschaft vom „Heilen ohne Schmerzen“ einmal verstanden sein wird.

Hier ist ein Foto mit Dr. Wang, Dave unserem Direktor für Tierschutz, mir, Professor Liu, Professor Feng Yibin und Rainbow Zhu Ke, unserem PR und Informationschef für China.



Wenn Sie mehr Fotos und unseren Symposiumsreport einsehen möchten, klicken Sie hier.

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Eine neue Welt für ‚Misa Hai’ 
Aus Vietnam kommen gute Nachrichten! Kürzlich konnten wir dort einen lieben 14 Jahre alten Mondbären (sein Kosenamen ist ‚Misa Hai’) in unserer Rettungsstation willkommen heißen. Dieser arme Kerl musste viele Jahre in einem dunklen und schäbigen Käfig leben, der in die Küche des Hauses eines Ehepaars aus Hue in Zentralvietnam eingebaut worden war. Hue ist ca. 720 km von Tam Dao und unserem Rettungszentrum entfernt. Die Details dieser Rettungsaktion und der tragischen Geschichte von Misa Hai soll Tuan, unser Direktor in Vietnam, erzählen.




Der Besitzer hat ihn als Jungtier gekauft, als er gerade mal 30 kg wog. Damals wurde er von einer Gruppe Soldaten attackiert, die ihm mit einem Stück Holz auf den Kopf schlugen wodurch sein Gesicht und seine Zähne beschädigt wurden. Ganz hinten in einem dunklen Winkel der Küche war dann sein Platz. Es war so dunkel, dass wir ihn selbst kau sehen konnten und wir erkannten keine Einzelheiten in seinem Käfig oder dort auf dem Boden. Es war eine freiwillige Beschlagnahmung, da die Besitzer nicht mehr den jüngsten Vorgaben der

Sein Gebiss ist in einem sehr schlechten Zustand. Er hat praktisch keine Vorderzähne mehr wegen seiner ursprünglichen Verletzung und der schlechten Ernährung, die hauptsächlich aus Suppe bestand.

Zwar zeigten sich die Besitzer, ein Ehepaar mittleren Alters, aufrichtig besorgt um Misa Hai, doch sie konnten nicht erklären, warum sie ihn so lang und unter so schlechten Verhältnissen gehalten haben. Sie sagten, dass sie nur für sich selbst einmal im Jahr Bärengalle abgezapft hätten, da sie beide Zuckerkrank seien. Doch auf einem Schild vor ihrem Haus machten sie Reklame für frische Bärengalle und einmal gab der Besitzer auch zu, dass sie alle paar Monate Gallensaft entnommen hätten.

Insgesamt verlief die Rettungsaktion gut. Zwar war es schwierig, weil der Käfig so dunkel war und wir mussten dort im Dunklen arbeiten um Misa herauszubekommen. Die Leute vom FPD in Hue und vom Hue Fernsehen sowie Vertreter der örtlichen Zeitungen aber auch der Besitzer waren von dem tierärztlichen Geschick Leannes und Kirstys und ihrem kunstvollen Umgang mit dem Betäubungspfeil und dem schnellen Gesundheitscheck inklusive einer intravenösen Transfusion und insgesamt dem professionellen Vorgehen des ganzen Teams bei dieser Rettung sehr beeindruckt.

Das FPD von Hue war sehr hilfreich und hatte alles sehr gut vorbereitet. Sie haben mir mitgeteilt, dass es jetzt in der Provinz Hue offiziell keine Bärenfarmen mehr gibt.


Noch ein Update von Kirsty, unserer Tierärztin, nach dem Gesundheitscheck hier im Rettungszentrum:

Er war so brav – in seinem Transportkäfig auf der Rückreise zur Quarantänestation machte er direkt den Eindruck, als erfreue er sich and er Fahrt – aber vielleicht hatte er auch nur das Gefühl, dass er selber den Transportkäfig steuert!




Er war jetzt viel ruhiger als bei seiner Ankunft. Die Narkose verlief problemlos und die gründliche Untersuchung ergab, dass sein Gesundheitszustand recht gut war wenn man seine Geschichte berücksichtigt. Allerdings nur, bis wir sein Gebiss sahen.

Die Beschreibung der Zähne durch die Tierärztin Leanne war „sie waren in einem verheerenden Zustand. Seine Backenzähne waren locker und als wir daran wackelten quoll Eiter hervor. Daher mussten wir fast alle reißen und hat jetzt nur noch die unteren Schneidezähne (jetzt sind sie weiß statt wie bisher schwarz) und noch drei weitere Zähne. Wir haben auch den alten Bruch seines vorderen Oberkiefers und die Fistel zur Nasenhöhle untersucht. Doch da lässt sich leider nichts machen.

Jetzt geht es ihm richtig gut – oft sieht man ihn wie er gemütlich auf dem Rücken liegt. Er hat Schwierigkeiten, etwas anderes als zerkleinertes Mus zu fressen und das wird wohl noch so lange bleiben, bis seine Kieferwunden verheilt sind. Zum Glück schmeckt es ihm und sein Mus scheint ihm genau so gut zu bekommen wie etwas anderes. Auf ihn warten sicher noch viele klebrige Leckerbissen, wie er sie auch gerne hat. :-)


Noch hat er einen langen Weg vor sich. Doch nie wieder wird dieser schöne Bär in Dunkelheit und Angst leben müssen. Jetzt kann er eine helle neue Welt erforschen – jeden Tag, bis an sein Lebensende. Hier sind noch weitere Bilder von der Rettungsaktion.


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Aus Kindermund 
Das war eine wunderbare Woche hier bei meiner Schwester Anne und ihrer Familie in England. Auch weil wir das preisgekrönte Weihnachtsstück „Skellig“ im Bloomsbury Theater in London besuchen konnten. Die Einnahmen dort wurden in großzügiger Weise von der Birmingham Stage Company für Animals Asia gespendet.




Das ist wirklich ein magisches Stück in dem das Gute siegt und es war einfach fantastisch dort all unsere Freunde und Unterstützer zu treffen, die sich auch von dem schlechten Wetter nicht hatten abhalten lassen mit uns zu feiern.

Paul Martin, der Moderator der Show „Floggit“ bei der BBC (und zugleich auch Pate unseres Bären Bluebelle – genannt nach seinem geliebte Hund) kam freundlicherweise um uns im Anschluss an die Show bei der Versteigerung zu helfen. Viele wunderbare Spenden waren dabei. So auch eine weitere perfekte Skulptur eines Bären von Suzie Marsh. Leider wurde Virginia McKenna, unsere englische Mentorin und Gründerin der Born Free Foundation, durch den Schneesturm gehindert, teilzunehmen. Doch sie sandte eine wunderbare Nachricht, die von Paul verlesen wurde.

Am zweiten Weihnachtstag geht es nun zurück nach Hongkong und China und ich überfliege schnell noch die letzten Nachrichten vor dem Abflug. Auf Sky News gab es eine Geschichte über eine Rettungsstation für Nilpferde in Israel, in der die Tiere sich „zu sehr“ vermehrten. Was taten sie? Sie wurden des Nachts betäubt, in einen Käfig gesperrt und an Zoos in der ganzen Welt geschickt. Die befragten Zoologen waren ganz stolz als sie erzählten, dass jeder dieser Zoos ein Tier erhalte, „das Dich für 40 Jahre glücklich macht“.

Als ich mir die Nachricht ansah konnte ich es kaum glauben was meine Nichte Nicole sagte, die mit auf den Schirm sah und dabei sagte: „Sie reißen Familien auseinander“. Vielleicht erreicht die Botschaft zum Tierschutz doch mehr Menschen als wir glauben und wenn bereits eine 11-jährige die Mühsal für diese Tiere erkennt besteht Hoffnung für alle.

Hier ist die ganze Geschichte.


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Frohe Weihnachten, euch allen! 
Unser Animals Asia Team in der ganzen Welt hat sich mit diesem nicht ganz ernsthaften, dennoch sehr weihnachtlichen Blog viel Mühe gegeben. Ich hoffe, ihr habt Spaß daran – wie auch an unserem allerersten weihnachtlichen Musikvideo das angeregt wurde von dem kleinen „Jingle Bär“, unserem jüngsten Neuankömmling in Chengdu!

Ich wünsche euch allen ein bäriges Weihnachtsfest und von allen von uns ein allergrößtes DANKESCHÖN für euren Einsatz in diesem Jahr, für unsere Arbeit und unseren Einsatz für die Bären, Hunde und Katzen.

Ebenso wünsche ich euch allen ein glückliches, gesundes und sehr friedvolles Neues Jahr. Verpasst unser Weihnachtsvideo und unsere Fotos nicht, denn wir feiern Weihnachten international. (Falls es Probleme mit dem Video geben sollte, versucht es hier.)




Hier sieht man Zhong, den Leiter des Bärenteams in Chengdu, wie er einige Weihnachtsleckereien für die Bären versteckt!





Weiter in China – Tremor im Weihnachtskostüm zusammen mit unserer lieben Tierkrankenschwester Caroline und zugleich seine zweite Mama! Man sieht auch wie Charlie, unser Bärenpfleger, unserem wunderbaren Rupert ein paar Weihnachtsgrüße überbringt, der ja jetzt vor seinem ersten Winter ohne Franzi steht.





Hier ist ein süßes Bild von Fin aus unserem Büro in Deutschland. Er hat ganz offensichtlich herausgefunden, wie er dem Team dort ein paar Leckerbissen zum Fest entlocken kann.




Nochmals Tremor. Ich kann einfach nicht widerstehen und muss euch dieses Foto von ihm in einem Hummelkostüm zeigen!




Aus Hongkong kommt dieses Bild von Chris, unserem eigenen Weihnachtsmann. Für ihn gibt es dieses Jahr wohl kein weißes Weihnachten!




Zum Abschluss noch ein ganz besonderes „Fröhliches Weihnachten“ für unsere liebe Tierkrankenschwester Hayley, die uns nach drei Jahren jetzt leider verlässt. Hier sieht man Hayley mit ihrem speziellen Bärenfreund „Blue“ während eines kürzlichen Gesundheitschecks.




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Lebewohl Assisi, unser sanfter Riese 
Schlimme Nachrichten kommen nie zur rechten Zeit. Doch als ich heute morgen in Heathrow landete, war das letzte was ich hören wollte die Nachricht von Heather, dass Assisi gestorben sei.

Ich rief sie zurück und mich überkam ein taubes Gefühl als sie erzählte, wie schnell es gegangen sei. Eine aufregende Woche hätte das sein sollen, denn er und unser großartiger Rupert waren dabei, sich aneinander zu gewöhnen. Jetzt, ein paar Wochen nach dem Verlust von Franzi, Ruperts Liebling.

Nicht dass Rupert getrauert hätte. Doch wir waren der Meinung, dass er sich ohne Franzi, seine Partnerin sei mehreren Jahren, vielleicht einsam fühlen würde. Denn er ist ein behinderter Bär, der sich nichts aus wilden Spielen oder Herumjagen macht. Wir dachten daher, dass Assisi mit seinen Herzproblemen und seiner sanften Art für ihn der ideale Partner dort in unserem geheimen Garten sein würde.

Als die Zusammenführung dann am Dienstag begann, schienen beide auch in der Gesellschaft des anderen zufrieden und glücklich zu sein – sie spielten sogar miteinander, was wir bei Rupert schon seit Jahren nicht mehr gesehen hatten. Ich war ganz neidisch, dass ich nicht dort sein konnte. Doch ich wurde in Hongkong gebraucht, ehe es für eine Woche in die USA ging und musste mich mit den Wochenberichten und den Berichten von Heather und Charly über die Zusammenführung begnügen.





Das ganze Team ist schockiert – Freund, den nächsten war er schon tot.

Seine lieben Paten vom SPCA in Auckland habe die Verantwortung für diesen Bären gern übernommen, auch wissend, dass seine Lebenszeit nur geliehen war. Doch sie teilten unsere tiefe Liebe und unseren Respekt für diese glückliche und zufriedene Seele, der jeden Tag seines neuen Daseins voll Staunen durchlebte.

Der arme Assisi kam aus einer Farm, wo er so sehr vernachlässigt worden war, dass seine Klauen sich gekrümmt und schmerzhaft in seine Pfotenballen hineingewachsen waren. (siehe auch die Fotos weiter unten aus dem Bericht von Heather). Doch leider war das nur eines seiner vielen Gesundheitsprobleme.

Als ich Bob Kerridge, ihren Exekutivdirektor anrief um ihm die Nachricht zu überbringen, sprach er betrübt vom „großen Abenteuer“, dass Assisi in seinem kurzen neuen Leben bei uns hatte. So war das auch.

Bob sagte: „Bei der Ankunft unseres Bären kannten wir seine Probleme, die er aus seiner Vergangenheit mitgebracht hatte und wussten, dass sein großes Herz wohl nicht für immer schlagen würde.

Seine Rettung machte uns so froh und wir waren dabei, als er seine neue Freiheit entdeckte – wir sahen seine lange Zunge, wie sie den Honig von den Stäben seines Käfigs leckte, sein Zusammentreffen mit Menschen die ihre Liebe mit ihm teilten, das Gefühl der Sonnenstrahlen auf dem Rücken, seine ersten Schritte nach draußen und schließlich zu spüren, wie sich Gras anfühlt und die Freundschaft mit den anderen Bären im Gehege. Am letzten Tag seines Lebens lernte er zum ersten mal überhaupt zu spielen und nach dieser freudigen Erfahrung sank er zurück in die Arme dessen, der ihn für immer versorgen wird … den heiligen Franz von Assisi, dessen Namen er trug.

Mein Herz ist schwer durch diesen Verlust, doch ich freue mich über das Geschenk dieser wenigen glücklichen Monate für ihn. Dass wir es für ihn möglich machen konnten.“

Die Erinnerungen kamen auch zu mir zurück. Assisi war ein Kerl von einem Bären und er hatte deren typischem Charakter – neugierig, freundlich und von Anfang an zufrieden. Das Stroh, das er immer bevorzugte – noch von seiner Zeit in unserem Erholungskäfig, wo er es Halm für Halm aus dem Bündel obenauf herabzog, um daraus so lange an seinem Nest zu bauen, bis es perfekt war. Kein Wunder, dass wir ihm dafür den Kosenamen „Hamster“ gaben.

Mein letzter Blick auf diesen Bären war ja gerade erst vor ein paar Tagen, als ich ihn durch das Fenster meines Schlafzimmers dort im Garten liegen sah. Es war früh am Morgen und er hatte sich ein Bett aus seinem geliebten Stroh gemacht. Er schlief darin zusammengerollt, warm und zufrieden in der Wintersonne.



Schlafe sanft, du tapfrer Assisi. Das wünscht dir deine Familie, die dich liebt, bis zum Mond und zurück. Von Heather, unserer leitenden Tierärztin in Chengdu, stammen diese Worte.

Assisi war der gerettete Bär Nummer 258 und von Anfang an etwas Besonderes – sein wunderbarer zitronenfarbener Halbmond und seine großen, an den Spitzen eingerissenen Ohren – er war einfach wunderhübsch. In einem winzigen Käfig kam dieser junge Bär im Februar 2009 hier an. Seine Klauen waren ihm in die Fußballen eingewachsen. Er war ganz mager und seine Wunde am Bauch, durch die man den Gallensaft abgezapft hatte, war schrecklich entzündet.





Er war einer der ersten für die Operation und seine erste Narkose war schwierig. Seine Atemfrequenz und sein Blutdruck waren weit außerhalb der Normalwerte und wir erkannten, dass etwas nicht in Ordnung war. Röntgenbilder und ein CT Scan bestätigten unsere Befürchtungen. Seine Aorta, die lange und dicke Ader, durch die das Blut vom Herzen in alle Organe fließt, war gefährlich geweitet – wohl wegen eines Aneurismas.

Nachdem wir uns intensiv beraten hatten entschlossen wir unr, Assisi eine Chance zu geben. Drei Operationen fanden gleichzeitig statt, um seinen geschändeten Körper wieder zu reparieren. Nachdem sein Blutdruck sich wieder normalisiert hatte, kam seine Erholung gut voran.

Mit der Zeit wuchs unser Assisi zu einem strammen Kerl von 164 kg heran und er wurde in das Gehege für unsere speziellen Fälle verlegt, wo er mit Franzi, Rupert und Snoopy unsere anderen Bären, die besondere Aufmerksamkeit brauchen, zumindest durch die Stäbe des Käfigs kennenlernen konnte. Hier konnte er ein Schläfchen in der Hängematte halten und das Gras unter seinen Sohlen spüren. Als unsere alte Dame Franzi im vergangenen Monat sanft eingeschläfert werden musste, entwickelten wir einen Plan, um Rupert und Assisi zusammen zu bringen. Zwei große sanfte Riesen. Anfang dieser Woche begannen wir mit der Umsetzung des Plans.

Doch leider geschah heute Morgen das Undenkbare. Nachdem sie den letzten Tag und die letzte Nacht gemeinsam verbracht hatten, spielten Rupert und Assisi in ihrer Behausung und warteten, bis die Bärenpfleger ihr Gehege hergerichtet hatten, damit sie dort ihr Futter suchen und nach Leckereine schauen konnten. Plötzlich brach Assisi zusammen und das Team der Tierärzte wurde sofort herbeigerufen. Minuten später hatten die Bärenpfleger Assisi und Rupert getrennt und die Tierärzte versuchten eine Herzmassage. Doch leider vergeblich.

Die Autopsie bestätigte unsere Vermutung – Das Aneurisma von Assisi war geplatz,t was zu einer massiven inneren Blutung und fast sofortigem Tod führte. Unser einziger Trost ist es, dass dieser wunderbare Bursche zumindest noch die Möglichkeit hatte, das Gras unter seinen Füßen zu spüren und mit einem anderen Bären zu spielen. Schlafe wohl, kleiner Bär.

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