Eine Zeit der Trauer aber auch der Hoffnung 
Die letzten paar Wochen scheinen im Rückblick fast surreal. Wir haben so lange gewartet und so hart für die Befreiung weiterer Bären gearbeitet. Jetzt sind 11 von ihnen tot. Einige dieser armen Kreaturen hatte der Tod bereits in den Fängen. Doch andere hätten wohl noch viele Monate unter erbarmungslosen Schmerzen weiterleben müssen. Das konnten wir ihnen zumindest ersparen.

Das war für uns alle hart und diese Tragödie der Rettungsaktion im Frühjahr 2008 wird uns noch viele Jahre heimsuchen. Doch wir haben auch 17 Überlebende und diese stehen für die Zukunft.

Ich habe diese drei Fotos ausgewählt da sie unsere Gefühle wohl am besten wiedergeben. Das erste zeigt Toby, unseren Leiter der Rettungsstation (links) und Rainbow, unseren PR-und Schulungsleiter zu Beginn des Begräbnisses von dreien der Bären, die wir verloren haben.




Wenn man die drei Körper im Gras liegen sieht ist die Erkenntnis, dass diese Bären so eine simple Erfahrung in ihrem Leben nie gemacht haben, umso schmerzlicher. Man sieht es in den Gesichtern von Toby und Rainbow.

Die nächsten beiden Bilder zeigen Chen, eine unseren so liebevollen und geduldigen Bärenpfleger, deren Freundlichkeit langsam auch die Herzen der Neuankömmlinge gewinnt.




Hier sieht man sie bei der Zubereitung des Futters und wie sie Watermelone füttert, den Bären, der unsere Hoffnungen trägt.. Ich habe unsere Sorge bereits geschildert, dass dieser schöne Kerl vielleicht durch die brutale Behandlung auf der Bärenfarm seiner natürlichen Intelligenz beraubt worden ist.




Doch Chen und die anderen chinesischen Helfer werden Tag für Tag an seiner Seite bleiben bis sich dieser große und sanfte Bär so weit erholt hat, um in eine der naturnahen Einfriedungen umzuziehen.

Der tapfere Watermelone und die 16 anderen Überlebenden könnten es nicht besser haben. Von nun an werden sie nur noch freundlich behandelt werden. So meint auch Chen über die Neuankömmlinge:

„Als die Bären ankamen, war ich sehr traurig. Sie waren ja in so winzigen Käfigen eingesperrt. Ich freue mich, dass sie nun nach den Gesundheitschecks einen viel größeren Käfig haben. Erst nach etwa zehn Tagen schauen sie uns langsam zutraulicher an. Es macht so viel Spass sie mit den Zweigen und den verschiedenen Spielsachen spielen zu sehen, die wir in die Käfige stecken. Diese Veränderung ist wie eine Belohnung für uns. Ich hoffe, dass sich alle Bären aus den Farmen bald auch so erholen können.“

  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


Warum brauchen wir Erholungskäfige? 
Wir haben eine Reihe von Anfragen erhalten, warum wir die geretteten Bären bei ihrer Ankunft nicht gleich frei lassen, sondern sie in Erholungskäfigen halten. Ich will das gern erklären.

Ich wünschte, diese armen Bären könnten sofort nach ihrer Ankunft im Rettungszentrum frei auf den Wiesen herumtollen. Doch leider zeigt die Realität, dass sie einfach zu krank sind. Auch die, welche wir nicht auf unserer Beobachtungsliste haben.

Diese Bären wurden teilweise jahrelang in winzigen, sargartigen Käfigen gefangen gehalten. Sie wurden wie Maschinen benutzt, konnten nicht laufen oder sich umdrehen und litten Hunger und Durst.

Die meisten von ihnen sind schwer traumatisiert und liegen wegen ihrer verkümmerten Muskeln und ihrem ausgetrockneten Körper nur schlaff in ihrem Käfig. Viele leiden auch an Arthritis und zahlreichen anderen Krankheiten, und müssen beständig von unseren Tierärzten überwacht werden.

Zum Beispiel Watermelon (hier im Bild). Bei ihm dauert es noch lange, bis er sich an der Freiheit erfreuen kann. Doch wir stellen sicher, dass er in der Zwischenzeit so glücklich und zufrieden wie nur möglich ist. Bis er kräftig genug ist, um in die neue Umgebung zu gehen. Nebenbei bemerkt, die blaue Röhre in seinem Käfig ist voller Futter, jetzt gerade mit dem von den Bären so geliebten „stinkenden Tofu“! Sie brauchen sehr lange, um mit ihrer Zunge und den Tatzen diese Köstlichkeit aus der Röhre zu bekommen. Das stärkt Körper und Geist.



Der Erholungsprozess braucht seine Zeit. Diese Bären müssen sich an den freien Raum um sie herum erst gewöhnen, sie müssen lernen wieder zu stehen, zu gehen und „Nester“ aus Stroh und grünen Zweigen zu bauen. Sie müssen auch lernen, ihren Betreuern und den anderen Menschen um sie herum zu vertrauen. Das ist ja ganz anders als das Leben, das sie bisher auf den Farmen hatten. Auch wir müssen sie verstehen lernen. Wir müssen ihr Futter überwachen um sicher zu sein, dass sie genug fressen und auch um ihre Probleme und Präferenzen kennen zu lernen.

Wenn die ersten Gesundheitschecks vorbei sind, wird das Tierärzteteam erst einmal bei allen Bären die Gallenblase entfernen, die durch die Entnahme der Gallenflüssigkeit ganz zerstört wurde. Sie werden die durch jahrelanges Nagen an den Gitterstäben oder auch durch die Farmer selbst abgebrochenen oder zersplitterten Zähne ziehen oder reparieren. Auch ihre Augen werden untersucht, die Klauen werden geschnitten und sie erhalten eine Ohrmarke um sie zu identifizieren. Blut wird für weitere Untersuchungen entnommen und die Körper werden nochmals auf Wunden oder Narben untersucht, die womöglich beim ersten Check in der Eile übersehen wurden. Danach werden die Bären in der Zeit in der die Operationswunden heilen, auch von unseren Tierärzten überwacht.

Die Dauer, die sie in den Eingewöhnungskäfigen verbringen müssen, richtet sich nach der Schwere ihrer Verletzungen, möglichen Komplikationen und der Verfügbarkeit von neuen Bärenbehausungen. Doch auch dann läuft beim Transfer in die Rehabilitierungszone nicht immer alles glatt! Draußen in der Natur sind Mondbären Einzelgänger. Daher stört sie manchmal die Nähe anderer Bären. Wie bei den Menschen auch. Mit einigen kommen sie gut aus, mit anderen nicht.

Das muss man ausprobieren. Doch am Ende werden alle Bären in einer naturnahen Einfriedung untergebracht, wo sie ihre Tage glücklich verbringen können: Beim Schwimmen, auf ihren Schaukeln, auch mal beim Rangeln mit anderen Tieren oder beim Bäumeklettern.

  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


Ihre Nachrichten bedeuten mir so viel! 
Soeben bin ich im schönen Deutschland gelandet und am Beginn einer Blitztour durch vier Städte. Wir wollen unseren Unterstützern hier die letzten Neuigkeiten von der aktuellen Rettungsaktion vorstellen. Der schreckliche Zustand vieler dieser Bären hat unsere Entschlossenheit nur noch mehr gesteigert, die Menschen über den abscheulichen Handel mit Gallensaft aufzuklären.

Trotz der vielen schlechten Nachrichten in den vergangenen Wochen möchte ich das Wort gerne an unsere Jude von AAF in Adelaide, Australien, übergeben. Sie möchte euch eine aufbauende Geschichte aus Down Under erzählen:

„Nach der langen Wartezeit sind wir bei der guten Nachricht alle in Jubel verfallen – endlich sind wieder Bären im Rettungszentrum in China angekommen! Doch als das Rettungsteam die Tiere näher untersuchte, hörten wir ganz traurig Tag für Tag schreckliche Nachrichten über den haarsträubenden Zustand der Tiere und über die so schmerzlichen Entscheidungen im Team der Tierärzte, wenn eines dieser wundervollen Tiere eingeschläfert werden musste.

Wir dachten, dass dem Team ein paar positive Nachrichten von den Unterstützern hier in Australien und Neuseeland gut tun würde, in denen wir ihm für ihre bewundernswerte Arbeit unter so schrecklichen Bedingungen danken und so in Gedanken an ihrer Seite sind.

Sobald wir dies den Unterstützern vorschlugen, erhielten wir eine Flut von E-Mails – und das bis zum heutigen Tag! Bisher haben mehr als 900 Menschen so eine Nachricht der Unterstützung und Ermutigung für die Tierärzte und die Bärenteams in Chengdu geschrieben.

Wir druckten sie alle aus auf farbigem Recyclingpapier und sandten sie nach China. Dort klebte sie das Rettungsteam an die Wände der Kantine und klammerte sie wie Wimpel an Schnüre, damit alle sie lesen konnten. Viele davon wurden ins Chinesische übersetzt.

An alle Unterstützer, die geschrieben haben: Seid versichert, dass eure Botschaften uns sehr berührt haben. Sie haben Tränen, aber auch Lächeln und Augenblicke des stillen Nachdenkens gebracht und vor allem diese tapferen Menschen „an der Front“ wieder gestärkt. Einige der Mitarbeiter aus Chengdu sagten mir, dass sie keine Ahnung gehabt hätten von dem Ausmaß der massiver Unterstützung von so weit her.

Nochmals vielen Dank an alle, die eine Nachricht geschickt haben. Das war der absolute Hit für das ganze Team!“



Auch von mir (Jill) vielen Dank für die aufmunternden Nachrichten von Lesern dieses Blogs in den letzten paar Wochen. Leider kann ich nicht jedem von Ihnen persönlich antworten, doch seien Sie versichert, dass Ihre teilnahmsvollen Worte und Ihr Verständnis für uns in diesen vergangenen traurigen Wochen uns sehr, sehr viel bedeutet haben.

  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


Die Füße wund gelaufen für die Bären! 
In dieser Woche werde ich zusammen mit Christa, Chee-Meng und Christine, unserem eifrigen Team aus Deutschland, auf einer Roadshow sein. Dabei gibt es eine Menge Neuigkeiten für unsere großherzigen und großzügigen deutschen Unterstützer. Seit wir unsere „Reise“ vor acht Jahren begonnen haben, haben sie und die anderen Freunde auf der ganzen Welt treu zu uns gestanden, uns vertraut und unterstützt.

So wie auch Bob und Laura Croker aus England, die am 13. April den anspruchsvollen London Marathon gelaufen sind um Geld für den AAF zu sammeln. Insgesamt hat dieses großartige Paar den stolzen Betrag von 4.393 £ zusammengebracht und damit ihr Ziel von 3.000 £ weit übertroffen!

Nach dem Rennen schrieben sie in einer E-Mail: „Der Gedanke an die Bären war während des Rennens am Sonntag eine sehr starke Motivation für uns. Die Großzügigkeit, die wir von allen Seiten erfahren haben, hat uns überwältigt. Nicht immer zeigen sich die Menschen so positiv. Dieses Mal jedoch hat uns die Zuneigung, die uns von so vielen Menschen entgegen gebracht wurde, sehr bewegt…. Unter uns, lasst uns die traurige Geschichte dieser armen, herrlichen Bären, Hunde und Katzen weiter erzählen.“



Wenn sie die Mühen dieses Paares auch unterstützen möchten, ihre Website www.justgiving.com/bobandlaura2008 ist noch für 55 Tage aktiv. Noch ist es nicht zu spät für eine Spende. Dort können sie auch all die warmherzigen Kommentare der Menschen lesen, die diesen Lauf unterstützt haben.

Vielen Dank, Bob und Laura für euren unglaublichen Einsatz!
  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung


Weitere fünf kämpfen ums Überleben 
Schweren Herzens verlasse ich heute Chengdu um für einige Präsentationen nächste Woche nach Deutschland zu fliegen. Der Abschied von den Bären und dem Team macht mich immer traurig – besonders jetzt. Denn die letzten Wochen waren für uns alle hart.

Bären wie Poodley, Watermelon und sogar der zornige Plug sind „stabil“. Doch andere nicht. Besonders fünf machen Heather und dem Tierärzteteam schwere Sorgen: Sarah, Rasta, Suki, Eeyore und Flipper. Diese fünf wurden zur Vorsicht im dritten Folienzelt in Quarantäne gesteckt, damit mögliche Viren nicht die anderen Bären anstecken können.

Wie Plug sind auch wir voll Zorn. Denn wir glauben, dass der Farmer von der geschlossenen Bärenfarm uns betrogen hat und alle gesunden Bären gegen kranke und sterbende Tiere aus umliegenden Farmen ausgetauscht hat. Er fühlt sich wohl sehr clever.

Doch während er sein Geld zählt , sollte er wissen, dass wir es keineswegs bedauern nicht, für diese armen Tiere bezahlt zu haben, die durch seine Grausamkeit gebrochen und zerstört wurden. Wenigstens hatten wir die Möglichkeit, ihr armseliges, schmerzenreiches Leben zu beenden. Die Geschichte dieser Bären hört inzwischen die ganze Welt. Die Medien sind schockiert und stellend die Schande bloß, die diese von Gier getriebene Industrie bringt. Diesmal könnte der Farmer auch etwas zu clever gewesen sein, denn auch die Vertreter der Behörden sind schockiert.

Die Leber von elf Bären, jede drei mal so groß wie normal, das stinkende, faulige Gewebe, an dem kaum ein Gramm als „gesund“ bezeichnet werden kann, sind für uns und Ärzte hier in China ein weiterer Beweis. Welcher Mensch bei klarem Verstand würde Gallensaft von einem so kranken Tier einnehmen? Der Nachweis, dass dadurch die menschliche Gesundheit massiv beeinträchtigt wird, wird damit immer klarer.

Jetzt müssen wir die übrigen Bären Schritt für Schritt wieder aufbauen. Nicht nur ihre Körper, sondern auch ihre Seelen.

  Teile diesen Artikel mit deinen Freunden
Nothilfe Bärenrettung



Zurück Weiter